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Dirk Nowitzki war mit 26,8 Punkten pro Partie sechstbester Scorer der NBA-Playoffs © getty

Der Franke ist nach dem Fall Taylor enttäuscht von sich, spricht aber auch positiv über seine inhaftierte Ex-Verlobte.

Frankfurt/Main - Sieben Wochen nach dem Beginn seines ganz persönlichen Albtraums hat Dirk Nowitzki sein erstes Krisenmanagement erfolgreich bewältigt und sieht wieder Licht am Ende des Tunnels.

"Ich kann wieder lachen, ich kann wieder Spaß haben. Ich habe das Motto: Das Leben geht weiter. Mir geht es sehr, sehr gut", sagte der Nationalspieler beim ersten öffentlichen Auftritt in seiner Heimat nach den Turbulenzen um seine inhaftierte schwangere Ex-Verlobte Crystal Taylor.

Locker und sonnengebräunt, mit Kinnbart, wilden Locken und knallrotem T-Shirt gewährte der Kapitän des NBA-Klubs Dallas Mavericks im Rahmen einer Pressekonferenz in Frankfurt/Main tiefe Einblicke in sein Seelenleben.

"Kein guter Schauspieler"

"Ich habe die ganze Gefühlsleiter durchlebt. Ich war frustriert und traurig, dann wütend. Die Situation war ein Riesenschock für mich", sagte der 31-Jährige: "Man kann das gar nicht beschreiben. Man denkt, man kennt die Person genau, die man lieb gewonnen hat. Und dann das."

Nachdem sich die Verdächtigungen bestätigt hatten, war für Nowitzki klar, "dass ich sie aus dem Haus haben wollte".

"Big D" ging nach dem persönlichen Tiefschlag und den "schlimmsten Wochen meines Lebens" aber auch mit sich selbst hart ins Gericht. "Ich war ein bisschen zu naiv. Na ja, ein bisschen ist gut", sagte Nowitzki - und lachte aus vollem Herzen. Gespielt oder nicht? "Nein, ich bin kein guter Schauspieler."

Ermittlungen ohne Nowitzkis Wissen

Bereitwillig erzählte er am Dienstag, dass er Crystal zufällig per Telefon kennengelernt und sie erst nach monatelangem E-Mail-Kontakt persönlich getroffen habe.

"Es hat gepasst", sagte Nowitzki und wirkt zum ersten Mal an diesem Tag für einen kurzen Moment unendlich traurig.

Am 31. Dezember 2008 hatten sich beide verlobt, im Sommer sollte geheiratet werden. Ohne sein Wissen hatten dann Anwälte, die den Ehevertrag ausarbeiten sollten, Erkundigen über Taylor eingeholt und dabei die kriminelle Vergangenheit der Amerikanerin offengelegt.

"Schlechtes Urteilsvermögen"

Anfang Mai war Taylor in Nowitzkis Haus in Dallas wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen und Betrugs von FBI-Beamten verhaftet worden. Am 27. Juli muss sie sich vor Gericht verantworten. ("Ich bin geschockt von Dirk")

Nowitzki ("Ich stelle mich meiner Verantwortung") hat inzwischen das alleinige Sorgerecht für das ungeborene Kind beantragt, falls sich ein DNA-Test seine Vaterschaft bestätigen sollte. (Anwalt zweifelt an Nowitzkis Vaterschaft)

Der Power Forward, den die Ereignisse mitten in den Playoffs überrollten, sagt, er habe "schlechtes Urteilsvermögen an den Tag gelegt". Das hatte ihm zuletzt auch sein Vater öffentlich bescheinigt. (Nowitzkis Papa macht sich Sorgen)

Angeblich Kinder von drei Männern

"Ich glaube, ich bin am meisten von mir selbst enttäuscht", erläuterte der Würzburger im "Spiegel". "Ich frage mich, wie ich noch mal jemandem vertrauen soll."

Nowitzki weiß aber auch, dass er nicht der erste Profisportler ist, der auf eine "Goldgräberin" hereinfällt (Nowitzki ist "meine einzige Geldquelle"). Und wohl auch nicht der erste, der Taylor auf den Leim ging.

Die Betrügerin aus St. Louis soll amerikanischen Berichten zufolge bereits Kinder mit drei anderen Männern haben.

"Witzig und intelligent"

Nowitzki spricht dennoch auch positiv über Taylor, vor der die Mavericks den Deutschen offenbar gewarnt hatten: "Sie war eine sehr interessante Frau. Witzig, überhaupt nicht langweilig. Und jeder hat gemerkt, wie intelligent sie ist", zitiert "Bild" den Franken.

Der schaut auch privat nach vorne: "Es ist ja nicht so, dass etwas ganz Schlimmes passiert ist." Der 31-Jährige wünscht sich immer noch eine Familie: "Ich will trotzdem später mal ein paar kleine Dirks rum rennen haben. Aber es wird nicht leicht sein, mein Herz zu gewinnen."

Zuletzt hatte sich Nowitzki im Urlaub mit seiner Schwester und deren Familie in der Karibik erholt und brennt nun wieder auf den ersten Gang in die Sporthalle.

Kein Nein zur EM

Wie immer im Sommer wird er sich ab Juli mit seinem Berater und Freund Holger Geschwindner in Würzburg auf die neue NBA-Saison vorbereiten.

Ob Nowitzki an der EM in Polen (7. bis 20. September) teilnimmt, will er erst in den nächsten Wochen entscheiden. "Ich werde sehen, was passiert. Es könnte aber sein, dass es bis dahin kribbelt", sagte er.

Mavericks-Besitzer Mark Cuban hatte zwar zuletzt empfohlen, Nowitzki solle sich lieber mit Training auf die kommende Saison vorbereiten, "doch es war sicher kein endgültiges Nein von Mark."

Mavericks brauchen Verstärkung

"Wenn ich körperlich schon fit bin, warum soll ich dann nicht schnell noch eine EM spielen", sagte der Würzburger, der sogar mit einer Olympia-Teilnahme 2012 in London liebäugelt.

Und immer noch NBA-Champion mit den Mavericks werden will. Nowitzki: "Wir können das schaffen, aber wir müssen uns verstärken."

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