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Max Mosley fuhr in den 60er-Jahren in der Formel 2 und gründete den Rennstall March © getty

Der FIA-Präsident mag nicht "Diktator" genannt werden und fordert eine Entschuldigung. Er droht mit einer Trotz-Kandidatur.

London/Neuss - Der Formel-1-Frieden steht auf wackligen Beinen: FIA-Präsident Max Mosley hat den am Mittwoch zwischen dem Automobil-Weltverband und der Teamvereinigung FOTA ausgehandelten Kompromiss (Mosley dankt ab - Formel 1 gerettet) infrage gestellt, weil er sich zu Unrecht als "Diktator" bezeichnet fühlt.

Der 69 Jahre alte Brite fordert nun von der FOTA eine öffentliche Entschuldigung, andernfalls würde er entgegen seiner Rücktrittsankündigung im Oktober möglicherweise doch noch einmal zur Wiederwahl antreten.

"Wenn Sie wollen, dass die Vereinbarung, die wir getroffen haben, irgendeine Chance aufs Überleben hat, müssen Sie und die FOTA unverzüglich ihre Handlungen berichtigen. Sie müssen falsche Aussagen, die gemacht wurden, korrigieren und dürfen nicht länger solche Aussagen tätigen", schrieb Mosley in einem am Donnerstag verfassten Brief an Ferrari-Chef und FOTA-Präsident Luca di Montezemolo.

Auch andere Weltrats-Mitglieder verunglimpftr

Mosley hatte eine Entschuldigung eigentlich schon auf einem FOTA-Treffen am Donnerstag in Bologna eingefordert, wo es aber von Seiten der Teams keine solche Äußerungen gab.

Allerdings ist nicht bekannt, ob der Brief Montezemolo zu diesem Zeitpunkt bereits vorgelegen hatte.

Der 69 Jahre alte Brite fühlte sich von FOTA-Mitgliedern nach dem entscheidenden Treffen in Paris zu Unrecht als "Diktator" bezeichnet, zudem würde das auch die anderen 25 Mitglieder des World Motor Sport Councils, die mit ihm Entscheidungen getroffen hätten, verunglimpfen.

Mosley stört sich an negativen Berichten

Außerdem hätten sich Vertreter der Teams nicht an die Vereinbarung gehalten, über das Treffen am Mittwoch "gegenüber den Medien positiv und wahrheitsgemäß" zu berichten.

Neben dem Wort "Diktator" störte sich Mosley daran, dass seiner Meinung nach FOTA-Kreise den Eindruck erweckt hätten, er sei aus dem Amt gezwungen worden. 116389(DIASHOW: Die Teams 2010)

Auch die Darstellung, er würde sich bereits ab sofort bis zu seinem geplanten Ausscheiden im Oktober nicht mehr mit Formel-1-Themen befassen und das FIA-Senatspräsident Michel Boeri überlassen, sei nicht richtig. ("Sein Leben wäre verpfuscht gewesen")

"Mit voller Amtsgewalt Präsident"

Es sei auch falsch, dass er nach Oktober keine Rolle mehr innerhalb der FIA spielen würde. Mosley sprach von Unsinn.

Ohne eine Entschuldigung wolle er sich bezüglich seines Verzichts auf eine weitere Amtszeit, den die FIA am Mittwoch in einer Pressemitteilung angekündigt hatte, seine Optionen offen halten. "Zumindest bis Oktober bin ich mit voller Amtsgewalt Präsident der FIA", sagte Mosley.

Mosley, Montezemolo und Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone hatten am Mittwoch eine Einigung über die Zukunft der Formel 1 ausgehandelt, nach der die Teams ihre Drohung einer eigenen Serie zurücknahmen. (Mosley: "Nehme das nicht so ernst")

Rücktritt ohnehin Mosleys Plan?

Dabei wurde unter anderem vereinbart, dass die Königsklasse 2010 nach den aktuellen Regeln weiterfährt und es nicht die von Mosley gewünschte Budget-Obergrenze von 45 Millionen Euro oder ein Zwei-Klassen-Reglement gibt.

Kostensenkungen sollen nach Plänen der FOTA dennoch umgesetzt werden. Mosley hatte von seiner Seite auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Das wäre ohnehin sein ursprünglicher und langgehegter Plan gewesen, stellte er jetzt in dem Brief noch einmal klar.

Außerdem sei für die Formel 1 ein 25-köpfiges starkes Team zuständig, ohne Hilfe von ihm oder einem anderen Außenstehenden: "Deshalb war es für mich möglich, ihnen beide Punkte zu bestätigen."

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