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Das Astana-Team sicherte sich überlegen den Sieg im Teamzeitfahren © AFP

Sekundenbruchteile entscheiden auf der 4. Etappe über die Führung im Gesamtklassement. Fabian Cancellara behält das Gelbe Trikot.

Montpellier - Lance Armstrong kämpfte verbissen wie in alten Zeiten, aber nur die Winzigkeit von 22 Hundertstelsekunden verhinderte sein erstes Gelbes Trikot bei der Tour de France nach 1444 Tagen.

Nach dem überragenden Mannschaftszeitfahren seines Astana-Teams hatte der Rekordchampion in einem Sekunden-Thriller gegen Fabian Cancellara das Nachsehen und liegt in der Gesamtwertung knapp hinter dem Schweizer.

"Die Mannschaft hat das Maximale herausgeholt. Das Team hat perfekt gearbeitet, wir bereuen nichts", sagte Armstrong.

Armstrong kann die Enttäuschung nicht verbergen

Der 37-Jährige wirkte dennoch ein wenig enttäuscht, feierte seinen ersten großen Sieg seit dem Comeback nicht gerade überschwänglich. Bei der Siegerehrung rang er sich nur mit Mühe ein Lächeln ab.

Da der Texaner und Cancellara zeitgleich waren, wurden die Tausendstelsekunden aus dem Auftaktzeitfahren von Monaco herangezogen. Hier liegt der Zeitfahr-Olympiasieger hauchdünn vor dem US-Amerikaner.

Am Ende der 39 Kilometer langen Tortur durch die holprigen Straßen des Umlands von Montpellier hatte Astana 18 Sekunden Vorsprung auf das zweitplatzierte Team Garmin.

Martin verteidigt das Weiße Trikot

Cancellara und Saxo Bank waren als Dritte 40 Sekunden langsamer als die kasachische Equipe.

Tony Martin verteidigte durch den fünften Rang des Columbia-Rennstalls das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers, Milram belegt Platz 15.

Armstrongs wahre Stärke wird sich jedoch erst in den kommenden Tagen zeigen.

"Er ist mental so stark wie immer und er hat immer noch seinen Renninstinkt. Wie leistungsfähig er ist, wird man erst in den Pyrenänen sehen", sagte Rolf Aldag. 124560(DIASHOW: Die Favoriten der Tour)

Sein Columbia-Team bezahlte für die starke Attacke am Tag zuvor und büßte 59 Sekunden auf Astana ein.

Entscheidung in den Bergen

Auch Bjarne Riis, Teamchef der als Top-Favoriten gestarten Mannschaft Saxo Bank, sieht in Armstrong noch nicht den kommenden Toursieger.

"Lance fühlt sich stark, aber wie gut er wirklich ist, muss er in den Bergen zeigen. Cancellara wird das Trikot sicherlich nicht kampflos hergeben", sagte der Däne.

Astana war auf dem äußerst anspruchsvollen Kurs als eines von wenigen Teams ohne Sturz geblieben, hatte bereits zur Hälfte des Rennens 38 der 40 Sekunden Rückstand Armstrongs auf Zeitfahr-Olympiasieger Fabian Cancellara aufgeholt.

Neun Kilometer vor dem Ziel lag Armstrong virtuell eine Sekunde vor dem Schweizer, verlor diesen Mini-Vorsprung jedoch auf dem Weg zum Ziel wieder.

Gerdemann verärgert

Katastrophal verlief der Kampf gegen die Uhr für das Team Milram, das als 15. die angepeilte Platzierung unter den Top Ten klar verpasste.

Gleich zweimal hatten die Milchmänner Sturzpech, was Kapitän Linus Gerdemann auf die Palme brachte.

"Es wurmt mich, denn wir haben uns vorgenommen emotionslos und ohne Sturz zu fahren. Das waren unnötige Stürze, die uns wichtige Zeit gekostet haben", sagte Gerdemann: "Das war eine Kamikaze-Strecke. Im Mittelteil war es ein halber Acker."

"Die Strecke ist für ein Mannschaftszeitfahren völlig ungeeignet"

Nahezu alle Mannschaften taten sich mit dem verwinkelten Kurs schwer, besonders auf dem ersten Teil gab es ein wahres Sturzfestival.

Sowohl Giro-Sieger Dennis Mentschow als auch Weltmeister Alessandro Ballan lagen auf dem Asphalt und büßten wertvolle Zeit ein.

"Die Strecke ist für ein Mannschaftszeitfahren völlig ungeeignet", schimpfte Mentschows Teamkollege Grischa Niermann.

Vom Papier her dürfte es am Mittwoch keine Veränderungen im Gesamtklassement geben. (VORSCHAU: Die 5. Etappe)

Die überwiegend flache Etappe führt über 196,5 km vom Badeort Le Cap d'Agde weiter in den Süden nach Perpignan. Allerdings könnte die Etappe erneut, wie schon das Teilstück nach Brignoles, zu einer Windlotterie werden.

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