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Lance Armstrong liegt in der Gesamtwertung derzeit auf Rang drei © getty

"Den dritten Platz würde ich nicht annehmen", sagt Lance Armstrong. Wahrscheinlich sei es nicht seine letzte Tour de France.

Limoges - Mit neuen Psycho-Tricks, neuer Zuversicht und neuen Zielen für 2010 hat Lance Armstrong seine gigantische PR-Show mit Volldampf fortgesetzt und seinem Rivalen Alberto Contador einen erbitterten Kampf um den Tour-Thron angekündigt.

"Wenn mir einer den dritten Platz in Paris anbieten würde, würde ich das nicht annehmen. Ich bin ganz relaxed. 75 Prozent der Tour bleiben uns noch", sagte der siebenmalige Champion in gewohnter Manier.

Die Bergpleite von Andorra ist vergessen, Armstrong hat seinen Kampfgeist am Ruhetag in Limoges wiedergefunden 124970(Die Höhen-Profile der Tour-Etappen).

Und dabei setzt der Texaner auf den Faktor Zeit: "Ich bin erstmals in meiner Karriere Giro und Tour gefahren. Ich war ein bisschen müde. Es braucht ein wenig Zeit, bis die optimale Form kommt. Aber ich setze auf die letzte Woche. Es kommen noch sechs schwierige Tage zwischen Colmar und dem Mont Ventoux. Das ist mein Plan."

"Von den Anderen kam nichts"

Eigene Schwächen wollte der 37-Jährige nicht eingestehen. In Andorra sei Contador stark gewesen, aber er hätte auch folgen können.

"Ich habe da auf die anderen Fahrer gewartet, aber von denen ist nichts gekommen", meinte Armstrong und wollte die Leistung seines Astana-Rivalen nicht überbewerten. Es sei in den Pyrenäen ja auch gar nichts passiert.

Es habe lediglich eine Vorselektion gegeben, ergänzte der frühere Straßenweltmeister mit Blick auf die Gesamtwertung. Armstrong liegt derzeit als Dritter acht, Contador sechs Sekunden hinter dem Italiener Rinaldo Nocentini (ÜBERSICHT: Wo liegen die Favoriten?).

Contador genervt

Die Armstrong-Show geht also weiter. Der Lautsprecher des Pelotons redet auf allen Kanälen. Auch am Ruhetag in Limoges wurde es rund um das Astana-Hotel laut.

Hunderte Fans und über ein Dutzend Kamerateams belagerten den Amerikaner, der genervte Contador konnte dagegen fast unbehelligt auf sein Rennrad steigen. So war es auch auf dem Transfer via Flugzeug von Tarbes nach Limoges.

Armstrong nahm ganz vorne Platz, für Contador blieb nur Reihe 18 (Eiszeit bei Astana).

"Ich habe das Thema satt. Wir sind nicht die besten Freunde. Wir essen zusammen und fahren gemeinsam im Bus. Die Atmosphäre war schon mal besser. Es sollten alle ruhig bleiben. Das wäre besser für das Team", sagte Contador.

Keine Zukunft bei Astana

Lange muss sich der 26 Jahre alte Kletterkönig aus Madrid das Getöse aber wohl nicht mehr antun.

Es gilt als sicher, dass der elf Jahre ältere Medienprofi genauso wie Teamchef Johan Bruyneel keine Zukunft mehr beim kasachischen Rennstall hat, zumal Alexander Winokurow nach abgesessener Dopingsperre Ende Juli zurück ins Team drängt.

Sponsor am Haken

Aber Armstrong wäre nicht Armstrong, hätte er nicht eine Lösung parat. So ließ er durchblicken, dass er bereits an einem neuen Team mit einem US-Sponsor arbeite.

"Ich arbeite daran, Partner für mehrere Saisons zu finden." Im Gespräch ist eine Zusammenarbeit mit dem Sportartikelhersteller Nike und seiner Krebsstiftung Livestrong. So soll sein Tour-Comeback nach vier Jahren keine einmalige Sache gewesen sein. "Wahrscheinlich nicht, vielleicht fahre ich noch eine."

Gerdemann glaubt nicht an Armstrongs Sieg

Die Chancen auf einen Toursieg werden aber 2010 kaum steigen, deshalb setzt Armstrong alles dran, um in diesem Jahr auf den Thron zurückzukehren. Für die deutsche Tour-Hoffnung Tony Martin ist das Duell offen. "Beide fahren in etwa auf einem Niveau. Alberto ist am Berg stärker, dafür hat Armstrong vielleicht im Zeitfahren Vorteile. "

Milram-Kapitän Linus Gerdemann glaubt dagegen nicht an einen achten Toursieg Armstrongs.

"Für mich ist Contador der Favorit. Man hat am Berg gesehen, dass Armstrong nicht übermenschlich ist. Er hat gelitten. Bei Contador sieht das leichtfüßiger aus", sagte der Deutschland-Toursieger, während Jens Voigt sich mit einem vorschnellen Urteil zurückhielt: "Er sieht sehr stark aus, aber es gab noch nicht die Möglichkeit, seine Beine wirklich zu testen."

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