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Andreas Ivanschitz debütierte mit 16 Jahren in der ersten Liga © getty

Andreas Ivanschitz sucht mit seinem Wechsel zum Bundesligisten Mainz 05 eine neue Herausforderung. Trotz seiner 25 Jahren steht er sportlich beim Aufsteiger vor dem Scheideweg.

Flachau/Mainz - So einen wie ihn nennen sie in Österreich ein "gschlampertes Genie". Talent hat er ja, der Andreas Ivanschitz, sagen die Fußball-Experten der Alpenrepublik über ihren Ex-Kapitän.

Doch dann folgt stets ein Aber. Der Zugang von Bundesliga-Aufsteiger FSV Mainz 05 steht am Scheideweg: Obwohl erst 25, ist Mainz für ihn so etwas wie die letzte Chance zu beweisen, dass er mehr als nur ein Versprechen auf eine bessere Zukunft ist.

Ivanschitz schien eine große Karriere vor sich zu haben, als er im Oktober 1999 mit 16 Jahren als jüngster Spieler in der Geschichte bei Rapid Wien debütierte.

Steile Karriere

Mit 18 war er Stammspieler, mit 19 der jüngste ÖFB-Kapitän der Nachkriegszeit, mit 20 Fußballer des Jahres, mit 21 österreichischer Meister. Mit 22 wechselte er nach Salzburg, wo der Abstieg begann.

Zuletzt wurde er nicht einmal mehr für das Nationalteam nominiert. "Er ist das personifizierte Spiegelbild des österreichischen Fußballs: Zu früh hochgelobt, später verdammt und gedemütigt", sagt Ex-Nationaltrainer Josef Hickersberger.

"Zu brav"

Ivanschitz war bei der Heim-EM 2008 Hickersbergers Kapitän und als solcher nach Meinung der breiten Öffentlichkeit überfordert. Zu zahm, zu zurückhaltend, zu anständig, viel zu lieb für das Geschäft Profifußball - so lautete der Vorwurf. "Der Andi war bisher einfach zu brav", sagt auch Andreas Herzog: `Er muss seinen Kritikern jetzt beweisen, dass sie ihn zu Unrecht abgeschrieben haben."

Gelernt ein Drecksack zu sein

Der österreichische Rekordnationalspieler sieht in Ivanschitz' Wechsel von Panathinaikos Athen zu Mainz, wo er zunächst zwei Jahre auf Leihbasis spielen soll, `genau den richtigen Schritt, wie es für mich damals der Wechsel zu Werder Bremen war. Da musste ich lernen, auch mal ein bisserl ein 'Strizzi', ein Drecksack zu sein."

Ein Typ wie Andi Herzog

Auch FSV-Trainer Jörn Andersen sieht Parallelen. "Er ist die klassische Zehn, hat ein gutes Auge, spielt tolle Pässe. Er erinnert mich vom Typ her an Andreas Herzog. Ich hoffe, er ist in Deutschland so erfolgreich, wie Herzog es war", sagt er. Laut Manager Christian Heidel passt Ivanschitz "genau in unser Anforderungsprofil", zumal Mainz zu Saisonbeginn die Zugänge Eugen Polanski und Filip Trojan, die den abgewanderten Markus Feulner beerben sollten, fehlen werden.

Ordentliches Debüt

Beim eigens zur Erleichterung seiner Integration anberaumten Testspiel gegen Drittligist Grödig (2:0) gab Ivanschitz ein ordentliches Debüt, leitete das zweite Tor ein. Seine Leistung war "okay", sagt er selbst. Er müsse niemandem etwas beweisen, meint er, "nur mir. Es hätte leichtere Lösungen gegeben als in Mainz gegen den Abstieg zu spielen, aber ich nehme diese Herausforderung an."

"Ich weiß, was ich kann"

Dass er eine Weltkarriere weggeworfen habe, auch diesen Vorwurf kennt Ivanschitz. "Aber diese Dinge haben immer andere Leute von mir erwartet. Ich weiß, was ich kann. Aber ich träume nicht von Madrid, Barcelona oder Mailand. Das ist absurd", sagt er.

Dass Andersen in ihm einen potenziellen Führungsspieler sieht, überrascht ihn jedoch. "Oh, ich bin eigentlich eher ein ruhiger Mensch."

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