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Jörn Andersen wechselte erst im Vorjahr von Kickers Offenbach nach Mainz © getty

Nach der Pokalblamage in Lübeck hat Aufsteiger Mainz den Trainer gefeuert. Der Nachfolger kommt aus dem eigenen Klub.

Von Martin Volkmar

München/Mainz - Paukenschlag in Mainz!

Der Bundesliga-Aufsteiger hat vier Tage vor Saison-Start Trainer Jörn Andersen gefeuert.

Dem Norweger wurde die Pokalpleite beim Viertligisten VfB Lübeck zum Verhängnis. (Mainzer Blamage beim Viertligisten)

Nachfolger wird der bisherige U-19-Coach Thomas Tuchel, der die Mainzer A-Junioren in der letzten Spielzeit zur deutschen Meisterschaft geführt hatte.

Heidel: Fehlende Teamfähigkeit

Manager Christian Heidel begründete den unerwarteten Schritt indirekt mit der fehlenden Teamfähigkeit Andersens.

"Wir haben als Mainz 05 ein klares Anforderungsprofil, wie ein Trainer mit der Mannschaft und im Verein arbeiten soll. Unsere Stärken sind Teamwork, die Nähe zur Mannschaft und die interne Kommunikation", erklärte Heidel.

"Unser Ansatz und der von Jörn Andersen haben nicht mehr übereingestimmt, weil der Trainer sich in eine andere Richtung entwickelt hat."

Erste Trainer-Entlassung der Saison

Somit ist die erste Trainer-Entlassung noch vor dem Saisonstart der Mainzer am Samstag gegen Bayer Leverkusen perfekt. Das ist ein unrühmlicher Bundesliga-Rekord.

Die ortsansässige "Rhein-Zeitung" hatte bereits am Morgen von einer mehrstündigen Krisensitzung von Vereinsführung und Andersen berichtet.

Schon dort wurde die Trennung einstimmig beschlossen. Auch Co-Trainer Jürgen Kramny muss gehen.

"Wir haben diese Entwicklung beobachtet, intern ausführlich diskutiert und Jörn Andersen in einigen Gesprächen unsere Vereinsphilosophie klar gemacht", sagte Präsident Harald Strutz, der dem Coach für die geleisteten Dienste dankte.

"Am Ende müssen wir festhalten, dass seine und unsere Vorstellungen von der gemeinsamen Arbeit nicht mehr miteinander vereinbar waren. Da ist es konsequenter und auch ehrlicher, einen klaren Schnitt zu machen, als eine Entscheidung mit halbgaren Treueschwüren aufzuschieben."

"Haben keine gemeinsame Linie gefunden"

Andersen reagierte erwartungsgemäß enttäuscht auf die Trennung. "Wir haben lange zusammengesessen. Aber wir haben in unseren Auffassungen über die gemeinsame Arbeit keine gemeinsame Linie mehr gefunden", sagte der 46-Jährige.

"Das ist sehr schade, ich bedauere die Entscheidung des Vereins sehr. Aber unsere Vorstellungen waren einfach zu unterschiedlich. Wir gehen nicht im Bösen auseinander."

Die 1:2-Niederlage im DFB-Pokal in Lübeck hatte das Fass endgültig zum überlaufen gebracht. 135511(DIASHOW: Die Bilder der 1. Runde)

Andersen hatte im Sommer 2008 die Nachfolge der Mainzer Ikone Jürgen Klopp angetreten und war mit den Rheinhessen gleich in seiner ersten Saison in die Bundesliga aufgestiegen.

Mehrere Vorwürfe gegen den Coach

Die Kritiker warfen dem Trainer zuletzt aber vor, dass das Verhältnis zwischen ihm und den Profis zerrüttet sei und dass er falsch trainiere.

Andersen wird unter unter anderem dafür verantwortlich gemacht, dass während der Saison-Vorbereitung zwischenzeitlich 14 Profis verletzt ausfielen.

Zudem hatte er den Spielern verboten, private Fotos in ihren Umkleideschränken aufzubewahren, was für erheblichen Unmut im Team gesorgt hatte.

Darüber hinaus hatte der Ex-Profi Torwart Dimo Wache erneut zum Kapitän gemacht, dann aber gegen Lübeck durch Neuzugang Heinz Müller ersetzt.

Andersen, der am Sonntag beim Pokalspiel zwischen Regionalligist Eintracht Trier und Bundesligist Hannover 96 (3:1) als Beobachter auf der Tribüne saß, hatte diese Vorwürfe zurückgewiesen.

"Das ist alles völliger Quatsch. Wir haben nicht viel anders gemacht als im vergangenen Jahr", sagte er der "Mainzer Allgemeinen Zeitung".

Tuchel erst seit 2008 in Mainz tätig

Nachfolger Tuchel erhielt einen Vertrag über zwei Jahre. Der 35-Jährige besitzt zwar seit 2007 die Trainer-Lizenz, hat aber noch nicht im Profi-Bereich gearbeitet.

Tuchel betreut erst seit Sommer 2008 die A-Junioren von Mainz 05 in der Bundesliga, nachdem er zuvor die zweite Mannschaft des FC Augsburg trainiert hatte.

Als Profi spielte er für die Stuttgarter Kickers und den SSV Ulm, mit dem ihm 1998 unter Trainer Ralf Rangnick der Aufstieg in die Zweite Liga gelang.

Der dreimalige Junioren-Nationalspieler musste dann aber wegen eines Knorpelschadens im Knie seine Laufbahn beenden und trainierte in der Folgezeit die U 15 und als Assistent die U 19 des VfB Stuttgart.

2005 ging Tuchel nach Augsburg, wo er zunächst die A-Junioren übernahm und sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums war.

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