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Die Doping-Affären nehmen vor der Weltmeisterschaft in Berlin kein Ende © imago

Matschiner behauptet, einen Deutschen jahrelang mit Designer-Steroiden versorgt zu haben. Labore hätten sich bestechen lassen.

Berlin - Kurz vor dem Start der Weltmeisterschaft in Berlin am Samstag (bis 23. August) wird die Vorfreude durch neue Doping-Enthüllungen getrübt.

In der ARD-Reportage "Geheimsache Doping", die in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (0 Uhr) ausgestrahlt wird, offenbaren die zwei ehemaligen Doping-Drahtzieher Stefan Matschiner aus Österreich und Angel Heredia aus Mexiko erhebliche Defizite und Korruptionen im Anti-Doping-Kampf.

Auch ein namentlich nicht genannter deutscher Athlet wird als Doping-Kunde belastet.

Prokop will den Namen hören

Matschiner, Sportmanager und eine der Schlüsselfiguren im österreichischen Dopingskandal, erklärte, er habe jahrelang einen deutschen Top-Läufer mit Designer-Steroiden versorgt.

Der Athlet sei bei der DM in Ulm Deutscher Meister geworden. "Wir hatten nie direkten Kontakt. Es lief über Mittelsmänner", sagte Matschiner.

Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), forderte Matschiner und die ARD auf, "Ross und Reiter" zu nennen.

"Es ärgert mich, wenn Verdächtigungen ausgesprochen werden, ohne dass Beweismittel auf den Tisch kommen", sagte der Kelheimer Amtsgerichtsdirektor. Ohne den Namen zu wissen, könne er nicht aktiv werden.

Bestechungsvorwürfe gegen Labore

Behilflich bei der Vertuschung waren Matschiner angeblich Mitarbeiter von mehreren offiziell akkreditierten Laboren der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) in Mitteleuropa.

Er habe den Mitarbeitern Geld sowie Urinproben seiner Klienten übergeben und im Gegenzug erfahren, welches Ergebnis eine offizielle Dopingkontrolle bringen würde.

WADA-Generaldirektor David Howman zeigte sich entsetzt und kündigte Ermittlungen an: "Es wäre skandalös und einer der schlimmsten Regelbrüche überhaupt."

Robert Wagner streitet ab

Der zweite Insider, Angel Heredia, enthüllte, er habe von 2004 bis 2005 Geschäfte mit dem Manager Robert Wagner gemacht.

Wagner, der früher den bei Olympia 1988 überführten Sprinter Ben Johnson betreut hatte, war in dieser Zeit auch Agent für einige deutsche Spitzen-Leichtathleten.

Der Österreicher Wagner stritt die Vorwürfe ab: "Ich habe Herrn Heredia in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen oder gesprochen, auch nicht über Mittelsmänner."

JADOC im Zwielicht

Ins Zwielicht gerät auch die jamaikanische Leichtathletik. Zwar sprach der Chef der Jamaikanischen Anti-Doping-Kommission (JADCO) davon, dass es vor Olympia in Peking zahlreiche Tests bei den Athleten von der Karibikinsel gegeben habe.

Dem widersprach jedoch Stephen Francis, Trainer von Ex-Weltrekordler Asafa Powell: "Kein Jamaikaner sei durch die einheimischen Kontrolleure überprüft worden, außer bei den nationalen Meisterschaften."

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