vergrößernverkleinern
Teamgeist als Waffe: Stefan Thurnbichler (l.) freut sich mit Gregor Schlierenzauer © getty

Österreichs Adler fliegen in einer eigenen Liga. Die "beinharten Konkurrenten" finden die optimale Balance zwischen Spaß und Arbeit.

Innsbruck - Die Fans in Österreich sind begeistert, die Gegner aus aller Welt frustriert - die Austria-Adler fliegen bei der 58. Vierschanzentournee in einer eigenen Liga.

"Sie sind momentan als Team allen meilenweit überlegen", sagt der deutsche Bundestrainer Werner Schuster anerkennend.

Euphorisch bejubelten am Sonntag 25..000 rot-weiß-rote Anhänger in der ausverkauften Bergisel-Arena von Innsbruck Skisprung-Genie Gregor Schlierenzauer, Papa Wolfgang Loitzl und Teenieschwarm Andreas Kofler 189412(DIASHOW: Das Neujahrsspringen).

"Es ist einfach lässig, wenn wir da oben zusammen auf dem Podest stehen. Und wir versuchen immer, noch eins draufzusetzen", sagt Thomas Morgenstern, Nummer vier der Skisprung-Musketiere aus Österreich.

"Beinharte Kontrahenten" haben Spaß

Das Quartett räumte bei den beiden Tournee-Springen in Deutschland vier der sechs Podestplätze ab und will den Tournee-Gesamtsieg unter sich ausmachen.

Nicht nur die einzigen verbliebenen Kontrahenten Simon Ammann (Schweiz) und Janne Ahonen (Finnland) rätseln über das Erfolgsgeheimnis der Skisprung-Nation Nummer 1.

"Im Wettbewerb sind wir beinharte Kontrahenten", sagt der erfahrene Tournee-Titelverteidiger Loitzl. Österreichs Sportler des Jahres ist der Ruhepol unter den jungen Wilden: "Außerhalb haben wir ein sehr freundschaftliches Verhältnis miteinander. Wir haben einfach Spaß."

Regenerationsurlaub in Ägypten

Die Harmonie im Austria-Team ist nicht gespielt, und der gerade 39 Jahre alt gewordene Cheftrainer Alexander Pointner versucht, sie mit seinem deutschen Co-Trainer Marc Nölke immer wieder, mit besonderen Maßnahmen zu fördern.

Zum Beispiel fuhr das Team kurz vor Beginn des Olympiawinters gemeinsam in einen Regenerationsurlaub ins 30 Grad warme Ägypten.

Schlierenzauer lag faul am Strand, Loitzl tauchte am Hausriff und Kofler versuchte sich in allen denkbaren Sportarten.

Balance zwischen Spaß und Arbeit

"Fußballn, Beachn, Tauchen, Schnorcheln, Pokern, Chilln, Quadn, extrem Boccia, Surfn", berichtete er im Austria-Slang über seine Aktivitäten: "Der Tapetenwechsel bringt wieder frische Motivation und die nötige Lockerheit."

Genau die Balance zwischen Spaß und Arbeit beherrschen die Austria-Adler perfekt.

Hightech und Musiktherapie

Auch Hightech spielt eine große Rolle: Der Innsbrucker Sportwissenschaftler Harald Pernitsch hat über Jahre ein Programm entwickelt, um die im Skispringen entscheidenden Faktoren Körpergewicht und Sprungkraft optimal zu vereinbaren.

Auch Musiktherapie wird direkt vor den Wettkämpfen gezielt eingesetzt - dann laufen die vier Musketiere mit dicken Kopfhörern durch die Gegend.

"Gewachsene Skisprung-Kultur"

Obwohl Österreich nicht annähernd so viele junge Sportler wie Deutschland zur Verfügung hat, kommen aus dem Sportgymnasium Stams am Ende doch viel mehr Talente in der Weltspitze an.

"In Stams herrscht eine Philosophie, die sich von unten nach oben durchzieht, wo der eine Trainerkollege auf den anderen aufbauen kann. Das ist eine über Jahre gewachsene Skisprung-Kultur", sagt Schuster, selbst Österreicher.

In Lukas Müller oder Stefan Thurnbichler stehen die nächsten Überflieger aus Österreich schon in den Startlöchern.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel