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Wolfgang Loitzl (l.) und Gregor Schlierenzauer (r.) tragen Andreas Kofler auf den Schultern © getty

Exakt ein Jahr nach dem Tiefpunkt seiner Karriere gelingt Andreas Kofler mit dem Vierschanzentournee-Sieg sein größter Erfolg.

Bischofshofen - Zwischen Hölle und Himmel lag für Tournee-Sieger Andreas Kofler genau ein Jahr. Als der Flieger aus dem Stubaital von 25.000 Austria-Fans in Bischofshofen auf dem obersten Siegerpodest begeistert gefeiert wurde, dachte er an den 6. Januar 2009 zurück.

"Damals bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich mich retten werde. Ich habe begriffen, dass ich mich nur selbstständig aus dem Sumpf rausziehen kann", sagte Kofler.

Er hatte als 55. die Qualifikation für das finale Tourneespringen verpasst und war nach der Blamage einfach verschwunden: "Ich war beim Skifahren. Und habe im TV gesehen, wie Wolfgang Loitzl die Vierschanzentournee gewonnen hat."

Um 0,1 Punkt Olympia-Gold verpasst

Es war der Tiefpunkt, und es war auch der Moment der Umkehr für einen sensiblen jungen Mann, dem das Prädikat des "ewigen Zweiten" anhaftete.

Begründet wurde der Ruf bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin, wo er Gold um 0,1 Punkte gegen seinen Teamkollegen Thomas Morgenstern verpasst hatte.

"Ich denke, dass ich Silber gewonnen und nicht Gold verloren habe", sagt Kofler heute.

Zwei Jahre in der Versenkung

Vor vier Jahren war das Gefühl ein anderes gewesen. Turin markierte den Beginn einer schweren Lehrzeit.

Ein Jahr später stürzte Kofler in Oberstdorf und verschwand aus der Weltspitze (DATENCENTER: Der Skisprung-Weltcup).

"Die letzten zwei Jahre waren nicht einfach. Ich bin nach einem Supererfolg im Niemandsland verschwunden", sagt er heute: "Und ich musste erkennen, dass ich jede Stufe da raus selbst nehmen muss."

Versöhnung mit Morgenstern

Der Teenieschwarm kehrte zu seinem Jugendtrainer Markus Maurberger zurück und wurde vom Jungen zum Mann - der bei dieser Tournee endlich auch alle Probleme mit dem Turiner "Goldräuber" Morgenstern ausräumte: "Wir haben ein Gespräch geführt und alles aus der Welt geschafft."

Deshalb war es auch ein besonders schönes Gefühl, dass diesmal in Bischofshofen erst "Morgi" als Tagessieger und dann "Kofi" als Gesamtsieger geehrt wurde.

"Das war ein kleiner Ausgleich für damals", sagt der 25-jährige Kofler.

Kofler der neue Austria-Boss

Der Olympiasieger und Weltmeister im Team kann seinen größten Einzel-Erfolg nach den Rückschlägen jetzt "ganz anders schätzen".

Im österreichischen Team der Überflieger mit Stars wie Morgenstern oder Gregor Schlierenzauer ist Kofler außerdem zumindest für ein paar Tage der Skisprung-Gott.

Loitzl: "Teamleader ist immer der Beste. Deshalb ist Kofi jetzt der Boss."

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