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Bernhard Kohl lässt die Hintermänner seines Dopingskandals weiter im Dunkeln © getty

Nach der Dopingsperre gegen Bernhard Kohl drohen dem Österreicher nun weitere Konsequenzen seitens Teamchef Hans-Michael Holczer.

Hamburg/Wien - Nach der am Montag verkündeten zweijährigen Dopingsperre steht Radprofi Bernhard Kohl wohl weiterer Ärger seitens seines ehemaligen Arbeitgebers Team Gerolsteiner ins Haus.

Hans-Michael Holczer, Chef des sich zum Jahresende offiziell auflösenden Rennstalls, will den Österreicher möglicherweise rechtlich belangen.

"Wir behalten uns diese Schritte vor", sagte Holczer. Er will vor allem die Hintermänner des Dopingskandals aufdecken: "Ich will wissen, wer dahintersteckt. Es muss ein Lerneffekt erfolgen. Wir werden sehen, was möglich ist, und uns das Ganze auf lange Sicht anschauen."

Kohl, der bei der diesjährigen Tour de France den dritten Rang belegt hatte und ins Bergtrikot gefahren war, nannte seine Quellen für die nicht erlaubten leistungsfördernden Substanzen entgegen vorheriger Ankündigungen nicht.

"Von Arzt erhalten"

Das hatte schon vor vier Wochen dazu geführt, dass Holzcer den Profi nicht aus seinem Vertrag entlassen hatte. "Ich habe mich damals mit Bernhard Kohl in Stuttgart getroffen. Neben Gesprächen mit den Anwälten beider Seiten haben wir uns auch unter vier Augen unterhalten", erklärte Holczer.

Er sagte weiterhin: "Nach seinen Aussagen habe ich entschieden, den Auflösungsvertrag nicht zu unterschreiben."(Ergebnisse 2008)

Unterdessen wurde bekannt, dass Kohl in seiner Befragung durch die Rechtskommission der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) ausgesagt hatte, dass er die verbotene Substanz Recombinantes Erythropoietin (MIRCERA) von einem Arzt erhalten und sich selbst verabreicht habe. Nähere Angaben zu jenem Arzt hatte Kohl aber nicht gemacht.

Befragung vor Gericht

Neben der drohenden juristischen Auseinandersetzung mit seinem ehemaligen Team werden auf Kohl wohl weitere rechtliche Probleme zukommen.

Nach Angaben von Phillipe Dautry, dem Generalsekretär der franzöischen Anti-Doping-Agentur (AFLD), wird der 26-Jährige Anfang 2009 auch vor einem Gericht in Frankreich befragt werden.

Der ebenfalls geständige Dopingsünder Jörg Jaksche äußerte derweil "sehr viel Verständnis" dafür, dass Kohl die Hintermänner seines Fehltritts verschweigt. "Er weiß, wenn er komplett auspackt, wird er nie mehr in seinen Beruf zurückkommen", sagte der Fürther in einem ORF-Interveiw.

"Nestbeschmutzer" unerwünscht

Jaksche hatte 2007 ein umfassendes Geständnis über seine Dopingvergangenheit abgelegt und war nach Ablauf seiner Sperre von einigen Teammanagern als Nestbeschmutzer bezeichnet worden:

"Ich habe ausgepackt und Fakten auf den Tisch gelegt. Aber danach bin ich gegen Wände gelaufen und habe kein Team mehr gefunden."

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