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Georg Totschnig gewann am 16. Juli 2005 eine Etappe der Tour de France © getty

Österreichs Doping-Skandal weitet sich aus: Weitere Sünder sind überführt, Kohl belastet zwei Tour-Etappensieger.

Wien/München - Der Dopingskandal im österreichischen Sport hält die Alpen-Republik mit immer neuen Skandalen in Atem.

Während die Wiener Ärztekammer am Donnerstag ankündigte, gegen Dopingsünder aus den eigenen Reihen streng vorgehen zu wollen, berichtete die Tageszeitung "Österreich", dass bei Tests von zwei heimischen Radteams bei einem Rennen in Kroatien 10 von 13 Fahrern einer Mannschaft in der A-Probe positiv auf das Blutdopingmittel Epo getestet worden seien.

Die Tests wurden von den Doping-Fahndern der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA nach einer erfolgreichen Handy-Spionage durchgeführt. Die Kontrolleure waren nach einer ersten Überprüfung schon wieder auf dem Heimweg.

IOC-Labor deckt Doping auf

Als sie jedoch von der SOKO Doping des österreichischen Bundeskriminalamtes aufgrund abgehörter Handyanrufe den Hinweis erhielten, dass die Radprofis nach der Abreise der NADA-Crew zu Dopingmitteln gegriffen hätten, kehrten sie sofort um.

Die Fahnder holten sich erneut Blutproben, die zur Analyse ins IOC-Labor nach Lausanne geschickt wurden.

Dies berichtete das Blatt unter Berufung auf einen anonymen Zeugen.

Prominentes Duo belastet

Laut "Österreich" soll Kohl auch die früheren Bergspezialisten der Tour de France, Georg Totschnig und Michael Rasmussen, schwer belastet haben.

Totschnig gewann im Gerolsteiner-Trikot 2005 eine Pyrenäen-Etappe.

Rasmussen ist ebenfalls Schützling des ins Visier der Dopingfahnder geratenen Stefan Matschiner.

Während der Tour 2007 warf das Rabobank-Team den Dänen aus der Mannschaft, da dieser nach verpassten Dopingkontrollen falsche Angaben über seinen Aufenthaltstrikot gemacht hatte.

Zu diesem Zeitpuntk trug Rasmussen das Trikot des Gesamtführenden.

Österreich-Rundfahrt vor dem Aus

Unter dem Eindruck der täglich neuen Schreckensmeldungen droht der Österreich-Rundfahrt vom 5. bis 12. Juli das Aus.

Rudolf Massak, der Generalsekretär des österreichischen Radsportverbandes, erklärte: "Wenn das alles so weitergeht, kann sich jeder ausrechnen, dass die Veranstaltung kippt."

Der "ORF" gab bekannt, dass es zumindest keine Live-Übertragungen geben werde. Auch geplante Aufzeichnungen und Zusammenfassungen könnten gestrichen werden. Sollte der ORF auf eine Übertragung ganz verzichten, wird die Rundfahrt wohl abgesagt.

"Es ist ganz einfach ein Sumpf"

An den Kragen gehen soll es den Dopingärzten. Die Disziplinarkommission der Wiener Ärztekammer ermittelt gegen einen Wiener Kinderarzt, auch dem Labor Humanplasma droht Ungemach.

"Es ist ganz einfach ein Sumpf, der wirklich trockengelegt gehört", erklärte Ärztekammerpräsident Walter Dorner.

Ärzten droht Disziplinarverfahren

Der betreffende Arzt war zuletzt erneut von Triathletin Lisa Hütthaler schwer belastet worden. "Wir haben aufgrund der Medienberichte Disziplinaranzeige erstattet", sagte der Leiter der Rechtsabteilung der Ärztekammer, Thomas Holzgruber.

Auch Ärzten aus dem Blutlabor Humanplasma in Wien-Alsergrund droht ein Disziplinarverfahren, auch wenn das Strafverfahren gerade eingestellt worden ist. Die Dopingbeichte von Bernhard Kohl ist vermutlich strafrechtlich nicht relevant.

Seine Aussagen beziehen sich auf eine Zeit, bevor das Doping-Gesetz in Kraft war. Die Ärzte könnten aber zumindest die Berufsethik verletzt haben. Das wird geprüft. Dorner: "Das Netz ist sehr sehr eng gewoben, sodass uns da niemand durchrutschen kann."

Kohls Aussage nicht bestätigt

Humanplasma konnte Kohls Aussage, sich dreimal in den Räumlichkeiten der Humanplasma aufgehalten zu haben, weder bestätigen noch dementieren. (Kohls Tabula Rasa schockt Österreich) Kohl sei aber kein Kunde von Humanplasma gewesen, so Unternehmenssprecherin Michaele Eisler am Donnerstag.

Eisler bestätigte aber, dass einer jener beiden Ärzte von Humanplasma, gegen die ermittelt worden war, von sich aus das Unternehmen gebeten habe, sein Vertragsverhältnis bis zur Klärung der nun erhobenen Vorwürfe ruhen zu lassen.

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