vergrößernverkleinern
Sportminister Norbert Darabos meldet sich im Anti-Doping-Kampf zu Wort © getty

In die österreichische Doping-Affäre greift nun die Politik ein. Der Sportminister kündigt harte Strafen an.

Wien - Österreichs Regierung will im Kampf gegen Doping rigoros durchgreifen, auch mit bis zu fünf Jahre langen Haftstrafen gegen Sportler.

Die Alpenrepublik war zuletzt ins Zentrum des weltweiten Anti-Doping-Kampfes gerückt, nachdem bekannt geworden war, dass in einer Wiener Blutbank offenbar systematisch Spitzensportler aus dem In- und Ausland mit illegalen leistungssteigernden Substanzen versorgt worden waren. (Wiener Blutbank schwer belastet)

Die Ermittlungen der österreichischen Justiz hatten laut Staatssekretär Reinhold Lopatka "internationale Verwobenheiten" in Sachen Doping ergeben, es seien auch Sportler aus dem Ausland nach Wien gereist. Insgesamt habe es in der Doping-Affäre in Österreich neun Verhaftungen gegeben, sechs Personen davon sitzen derzeit noch im Gefängnis.

Kronzeugenregelung geplant

"Für Handel mit Doping-Mitteln drohen derzeit zwischen sechs Monaten und fünf Jahren Haft. Das könnte ich mir auch für dopende Sportler vorstellen", sagte Österreichs Sportminister Norbert Darabos am Mittwoch.

"Allerdings plane ich auch eine Kronzeugenregelung für all jene Doping-Sünder, die auspacken. Das ist der eigentliche Beweggrund für die Strafandrohung. Mir geht es nicht um Verfolgung der Sportler. Mir geht es darum, dass wir an die Hintermänner herankommen. Auch zum Schutz der sauberen Sportler", so Daraobos weiter.

Vernetzter Anti-Doping-Kampf

Zudem sollen in Wien die einzelnen Ministerien wie Sport- und Justiz-Ressort künftig besser vernetzt werden, um den Kampf gegen Doping zu führen.

Laut Darabos gehe es nicht um Spitzensportler, die wegen Verkühlungen Nasensprays nehmen und auch nicht um Nahrungsergänzungsmittel. Der Minister sagte der Zeitung "Österreich": "Es geht mir um einen Bereich, der auch ethisch bedenklich ist: um jene Sportler, die sich bewusst dem Doping aussetzen. Blutdoping, Gen-Doping, Wachstumshormone - das sind die drei Punkte."

Radprofi Bernhard Kohl hatte zuletzt gestanden, dreimal zum Blutdoping in der Wiener Blutbank "Humanplasma" gewesen zu sein. (Kohls Tabula Rasa schockt Österreich)

Kohls Manager Stefan Matschiner war im Zusammenhang mit der Doping-Affäre in Österreich inhaftiert worden, die des Dopings überführte Triathletin Lisa Hürtthaler hatte ein umfassendes Geständnis abgelegt und auch die Hintermänner wie einen Wiener Kinderarzt genannt.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel