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Die USA stehen erstmals in ihrer Geschichte im Finale eines FIFA-Turniers © getty

Der Europameister verpasst den alleinigen Weltrekord. Die Presse in Spanien und den USA kommentiert das deutlich respektive enthusiastisch.

Von Martin van de Flierdt

München - Jede Serie findet einmal ihr Ende.

Doch dass sich die spanische Nationalmannschaft bei ihrem Rekordlauf von der Auswahl der USA würde stoppen lassen, hätten vor dem sensationellen 2:0-Erfolg der Amerikaner am Mittwochabend wohl nur wenige gedacht. 117760 (Die Bilder zum Confed-Cup)

Die Niederlage im Halbfinale des Confed Cups war für Spanien die erste Pleite nach 35 Begegnungen, Brasilien blieb zwischen Dezember 1993 und Januar 1996 genauso lange unbesiegt. Zuletzt hatte der Europameister gar 15 Spiele am Stück gewonnen.

Vor dem Duell in Bloemfontein waren die Iberer zuletzt im November 2006 nach einem Duell mit Rumänien als Verlierer vom Platz gegangen. Die spanische Presse reagierte auf das unerwartete Turnier-Aus mit deutlichen Worten.

"Die Yankees holen uns von der Wolke", titelte die Sportzeitung "Marca", die "Seleccion" habe "vor der amerikanischen Küste Schiffbruch erlitten". "El mundo deportivo" fasste sich kurz: "Die Fiesta ist zuende."

Die direkt Beteiligten stritten unterdessen vehement den Vorwurf ab, sie seien überheblich in die Partie gegangen und hätten die Vereinigten Staaten unterschätzt.

"Hundert Prozent haben nicht gereicht"

"Wir haben hundert Prozent gegeben", versicherte Spaniens Nationaltrainer Vicente del Bosque. "Wir haben nicht gewonnen, weil diese hundert Prozent gegen diese USA nicht genug waren. Wir sind das Verlieren nicht mehr gewohnt, aber heute waren wir einfach mal an der Reihe."

Für Del Bosque war das 0:2 die erste Niederlage als Verantwortlicher der spanischen Auswahl. Letztere vermochte es nicht, dem aggressiv verteidigenden Gegner die entscheidenden Nadelstiche beizubringen. (USA beenden Spaniens Rekordjagd)

"Die Amerikaner haben eine Mauer aufgebaut, die wir nicht einreißen konnten", gestand Del Bosque.

Pique und Ramos patzen

Nach dem Führungstor von Jozy Altidore (27.), der bislang bei Deportivo Xerez und dem FC Villarreal in Spanien noch keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, hatten die USA tief gestanden und auf die Chance zum zweiten Tor gelauert.

Die kam, als weder Gerard Pique noch Sergio Ramos eine Hereingabe des Ex-Bayern Landon Donovan aus der Gefahrenzone bugsierten. Clint Dempsey sagte danke und staubte aus sieben Metern zum 0:2 ab (74.).

Auf der Gegenseite blieben Fernando Torres und David Villa, das von den Namen her womöglich aktuell beste Sturmduo der Welt, ohne Durchschlagskraft.

Einigkeit in der US-Innenverteidigung

Nicht zuletzt, weil die US-Innenverteidiger Jay DeMerit und Oguchi Onyewu sich ? wie "Marca" urteilte ? "darauf geeinigt hatten, am gleichen Abend das jeweilige Spiel ihres Lebens zu machen".

Dass der Mönchengladbacher Michael Bradley in der 87. Minute die Rote Karte sah und im Finale gegen den Sieger der Partie Brasilien gegen Südafrika (Do., ab 20.15 Uhr LIVE) fehlen wird, werden die Amerikaner verschmerzen können. (DATENCENTER: Spielplan Confed-Cup)

"Jetzt noch drei Tage hierzubleiben, um ein Spiel um den dritten Platz zu bestreiten, passt natürlich niemandem in den Kram", bekannte Spaniens Kapitän Iker Casillas offen.

Die USA bleiben gerne bis Sonntag, denn in der Heimat werden sie gefeiert wie nie. Erstmals in der seit 1916 andauernden Länderspielgeschichte stehen die USA im Finale eines FIFA-Turniers.

US-Team wird gefeiert

"Mission: Possible", titelte "ESPN": "Wer sagt, es wäre unmöglich, gegen Spanien zu gewinnen?"

Die "New York Times" stellte den Triumph der Fußballer gar auf die gleiche Stufe mit dem großen Sieg der US-Eishockey-Auswahl, die 1980 als krasser Außenseite bei Olympia in Lake Placid gegen Russland die Goldmedaille errang.

"Nennen Sie es das Wunder auf Rasen", riet das Blatt in Anlehnung an das damalige "Miracle on Ice". "Die USA schlagen das beste Team des Planeten. Das lässt die Welt aufhorchen."

"Marca" formulierte das Lob für den Gegner wenig nüchterner: "Spanien war an diesem Abend nicht Spanien, und die USA erschienen als Dream Team."

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