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Georg Koch spielte in der Bundesliga für Düsseldorf, Bielefeld, Lautern und Duisburg © imago

Rapid-Keeper Georg Koch kämpft immer noch mit den Folgen der Böller-Attacke im Wiener Derby, wie er im Interview erzählt.

Von Andreas Kloo

München - Der frühere Bundesliga-Torhüter Georg Koch erlitt im August beim Wiener Stadtderby nach einem Böllerwurf eines gegnerischen Fans ein Knalltrauma und kämpft immer noch mit den Folgen der Attacke.

Im Sport1.de-Interview schildert der Rapid-Keeper seine aktuellen gesundheitlichen Probleme.

Außerdem spricht er über das mögliche Karriere-Ende und den Fan, der den Böller warf.

Sport1.de: Herr Koch, erst einmal die wichtigste Frage: Wie geht es Ihnen?

Georg Koch: Im täglichen Ablauf habe ich keine Probleme mehr, nur im Training. Bei schnellen Links-Rechts-Drehungen habe ich immer noch Orientierungsprobleme, da sind die Gleichgewichtsstörungen noch zu spüren.

Sport1.de: Suchen Sie denn einen Spezialisten auf, der Sie behandelt?

Koch: Momentan bin ich in der Reha in Düsseldorf.

Sport1.de: Der Vorfall in Wien ist jetzt schon fast drei Monate her, und Sie haben immer noch gesundheitliche Probleme. Zweifeln Sie langsam daran, ob Sie noch einmal fit werden?

Koch: Noch gebe ich nicht auf, und tue alles dafür um wieder im Tor zu stehen. Aber klar kommen einem da Gedanken ans Karriere-Ende in den Kopf. Aber solange mir der Verein, Rapid Wien, die Zeit gibt, werde ich weiter kämpfen.

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Sport1.de: Denken Sie noch oft an das Erlebnis zurück, als der Feuerwerkskörper neben Ihnen explodierte?

Koch: Natürlich, ich bin in letzter Zeit wieder öfter im Stadion, dadurch wird man automatisch daran zurückerinnert. Es wird sicherlich auch psychologisch nicht einfach, wenn ich wieder ins Tor zurückkehre. Da werde ich mich anfangs schon fragen, was da gerade hinter mir passiert. Und bei solchen Vorfällen wie zuletzt beim Rhein-Derby kommt alles wieder hoch.

Sport1.de: Sie sprechen von der Szene in Leverkusen, als Kölner Fans einen Feuerwerkskörper in Richtung Michal Kadlec warfen.

Koch: Ja richtig, da hätte auch mehr passieren können.

Sport1.de: Sind die Sicherheitsvorkehrungen in den Stadien auch in Deutschland immer noch nicht streng genug?

Koch: Das weiß ich nicht, aber fakt ist, dass solche Fans draußen bleiben müssen. Was heißt Fans, das sind ja keine Fans, das sind Idioten. Als Fan unterstütze ich doch meinen Verein und gefährde nicht die Spieler. Solche Situationen schrecken doch auch die wahren Fans ab. Wir haben es im Fußball in den letzten Jahren geschafft, die Familien in die Stadien zu locken. Das soll auch weiter so bleiben. Die Jugendlichen sollen in die Stadien gehen. Das ist die Zukunft des Fußballs.

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Sport1.de: Würden Sie denn den Täter gerne mal sprechen?

Koch: Die Frage ist, ob der überhaupt mit mir sprechen will. Aber mich würde schon interessieren, was das für ein Typ ist, aus welcher Szene der kommt.

Sport1.de: Was würden Sie denn machen, falls sie nicht mehr fit werden? Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach der Karriere?

Koch: Konkrete Pläne habe ich noch nicht. Aber ich will dem Fußball auf jeden Fall erhalten bleiben. Das habe ich die letzten 17 Jahre gemacht. Der Fußball ist mein Leben.

Sport1.de: In Duisburg hatten sie ja einen Job für die Zeit nach Ihrer Karriere in der Tasche, bis es zu dem Zerwürfnis mit Präsident Hellmich kam. Gäbe es da noch einmal einen Weg zurück?

Koch (lacht): Das glaube ich kaum. Duisburg steht wohl nicht mehr zur Debatte. Man hatte mir damals eine Stelle im Verein in Aussicht gestellt. Aber absolut fest stand das damals auch noch nicht.

Sport1.de: Haben Sie Kontakte zu anderen Vereinen, bei denen Sie einsteigen könnten?

Koch: Ja, aber ich beschäftige mich damit noch nicht ernsthaft. Das Wichtigste ist, dass ich wieder fit werde. Alles andere wäre nicht fair gegenüber Rapid Wien.

Wie sehen Sie Georg Kochs Situation? Zum Forum ? jetzt mitdiskutieren

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