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Marc Janko wechselte 2005 von VfB Admira Wacker Mödling nach Salzburg © imago

Der sensationelle Lauf von Österreichs neuem Sturmriesen Marc Janko weckt überall Begehrlichkeiten - auch in Deutschland.

Von Martin Hoffmann

München - Georg Stangassinger kann sich derzeit nicht über einen Mangel an Beschäftigung beklagen.

"Vier bis fünf Stunden pro Tag" verbringt der Berater von Marc Janko nach eigener Auskunft täglich damit, Anfragen für seinen Schützling zu bearbeiten.

Der Stürmer von Österreichs Tabellenführer Red Bull Salzburg lockt mit seinem sensationellen Lauf die Scouts aus ganz Europa an - auch aus deutschen Landen.

Am Wochenende hat der baumlange Sturmtank (Spielerporträt) mit einem Hattrick beim 4:1 gegen Austria Kärnten erneut für Aufsehen gesorgt und damit gleich zwei Rekorde gebrochen.

Drei deutsche Vereine interessiert

Zum einen übertraf Janko mit den Treffern 23 bis 25 im 18. Saisonspiel Toni Polsters 22 Jahre alte Bestmarke an Toren in der ersten Saisonhälfte.

Zum anderen hat er schon jetzt zwei Treffer mehr auf dem Konto als Salzburgs bis dahin bester Torschütze in einer gesamten Saison - Oliver Bierhoff mit 23 Toren.

Vor allem die englischen Klubs reißen sich um den 25-Jährigen. Unter anderem wird Tottenham, Middlesbrough, Everton und Hull City Interesse nachgesagt.

Aber auch Beobachter von Hertha BSC Berlin, Stuttgart und Schalke wurden schon in der Red Bull Arena gesichtet.

Zerplatzter EM-Traum

Der 1,96-m-Hüne befindet sich in der Form seines Lebens, ausgerechnet in der Saison, vor der ein sportlicher Lebenstraum des Hünen zerplatzt ist.

Bei der EM im eigenen Land ließ ihn der ehemalige Nationalcoach Josef Hickersberger außen vor, weil er nicht von seiner Fitness überzeugt war.

Janko hatte seit seiner Jugendzeit immer wieder mit Verletzungsproblemen zu kämpfen.

Schnelles Wachstum sorgte für Probleme

Der Spross einer Sportlerfamilie - Mutter Eva gewann 1968 Olympia-Bronze im Speerwurf, Vater Herbert war österreichischer Meister im Hochsprung - kämpfte lange mit den Folgen seiner Wachstumsschübe.

Weil er so schnell in die Höhe schoss, litt er an einer Schiefstellung des Beckens, auch Sprunggelenk und Muskeln bereiteten ihm chronische Probleme.

Fast das ganze Jahr 2007 war Janko mit einer Knöchelverletzung außer Gefecht. Er kämpfte sich zurück, konnte aber Hickersbergers Zweifel an seinem körperlichen Zustand nicht ausräumen.

"Für mich der perfekte Stürmer"

Janko reagierte trotzig auf seine Ausbootung: "Erfolg ist es, nach Niederlagen, wieder aufzustehen?, erklärte er auf seiner Homepage. Janko stand wieder auf - und wie.

"Für mich ist er der perfekte Stürmer", umschmeichelt ihn sein niederländischer Coach Co Adriaanse: "Ich habe noch nie einen Stürmer trainiert, der so einen Lauf hatte wie Marc Janko."

Dieser Lauf hat Janko auch zurück ins Nationalteam katapultiert, wo Hickersbergers Nachfolger Karel Brückner ihm eine Schlüsselrolle zugewiesen hat.

Janko ist für Brückner das, was Jan Koller in Tschechien bei ihm war: Die kopfballstarke Speerspitze seines 4-3-3-Systems.

Bonus bei Brückner

Dabei hatte auch Jankos Verhältnis zu Brückner einen schwierigen Start: Für das erste Spiel unter Brückner gegen Italien stieß Janko erst als Nachrücker in den Kader.

Janko traf beim 2:2 gegen den Weltmeister dann aber ebenso wie beim sensationellen 3:1-Erfolg gegen Vize-Weltmeister Frankreich.

Mittlerweile gilt er als Lieblingsschüler Brückners, der sagt: "Janko hat bei mir einen Bonus."

Auch mal unbequem

Da erlaubt es sich Janko inzwischen auch mal, den Unbequemen zu geben.

Nach dem viel verspottetem 1:1 auf den Färöer-Inseln und dem 1:3 gegen Serbien sorgte er mit einem Interview-Boykott und offener Kritik an seinem Verband für Aufsehen.

Janko erregte sich darüber, dass der ÖFB nach dem Färöer-Spiel Verbandsfunktionäre und Sponsoren in das erste freie Flugzeug setzte, so dass die Spieler erst drei Uhr nachts in den Flieger steigen konnten.

Ausland als klares Ziel

Janko bekam dafür von Red-Bull-Coach Adriaanse auf den Deckel, der inzwischen generell etwas auf die Euphoriebremse steigt.

Der Niederländer warnt seinen Top-Angreifer, sich einen Wechsel ins Ausland gut zu überlegen: "Der Schritt in eine Spitzenliga ist auch für ihn sehr groß."

Janko selbst, der noch bis 2011 an Red Bull gebunden ist, will ihn dennoch wagen: "Mein Ziel ist ganz klar das Ausland, aber das Gesamtpaket muss passen."

Sein Berater wird noch genug damit zu tun haben, Janko dieses Paket zu schnüren.

Zu welchem Verein soll Janko? Im Forum mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

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