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Anfang 1990 betreute Dietmar Constantini Österreich bereits zwei Mal © imago

Nach Brückners Aus präsentiert der ÖFB einen Nachfolger, der schon zweimal eingesprungen war. Herzog hat keine Lust mehr als Co.

Wien - Dietmar Constantini wird neuer Trainer der krisengeschüttelten österreichischen Fußball-Nationalmannschaft.

Das gab der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) nun bekannt. Erst am Montag hatte sich der Verband vom tschechischen Coach Karel Brückner getrennt. Co-Trainer von Constantini wird der bisherige U-21-Coach Manfred Zsak.

Pikant: Ex-Bundesliga-Profi Andreas Herzog, der Co-Trainer von Brückner war, rückt bewusst ab von seinem Amt als zweiter Mann, übernimmt dafür Austrias U-21-Auswahl.

Bemerkenswert außerdem: Constantini war bei der österreichischen Nationalmannschaft schon zweimal als Trainer kurzfristig eingesprungen.

Gegen Deutschland an der Linie

1991 saß er bei zwei Länderspielen auf der Trainerbank, zudem betreute der 53-Jährige die ÖFB-Auswahl am 18. November 1992 nach dem Tod von Ernst Happel beim Länderspiel in Nürnberg gegen Deutschland (0:0).

Constantini geht die schwere Aufgabe unterdessen optimistisch an. "Natürlich ist das Team jetzt in einer schwierigen Situation, aber dieser Herausforderung muss man sich stellen", meinte der Innsbrucker.

"Es ist die größte Ehre und größte Verantwortung für einen Trainer, wenn er die Nationalmannschaft seines Heimatlandes betreuen darf", sagte Constantini der "Kronenzeitung".

Der 53-Jährige wird am Donnerstag (11.30 Uhr) im Wiener Hotel Intercontinental offiziell vorgestellt.

Brückners Abgang keine Überraschung

Dass Brückner als Nationaltrainer Österreichs nach nur sieben Monaten zu Ende gehen musste, war keine Überraschung mehr.

Auch wenn es zwei unterschiedliche Versionen über Art und Zeitpunkt der Trennung gab und deshalb schon von einem "Abschied made in Hollywood" ("Der Kurier") die Rede war - die Erleichterung in der Alpenrepublik war groß.

"Karel Brückner hat ja mitbekommen, wie bei uns die Stimmung ist. Ich glaube, es waren beide Seiten erleichtert", meinte auch Leo Windtner nach seiner ersten Amtshandlung. Der neue ÖFB-Präsident sprach von einer "gewissen Amtsmüdigkeit" beim 69 Jahre alten Tschechen.

"Keine Vertrauensbasis"

Brückner, dessen Vertrag bis zum Ende der WM-Qualifikation gelaufen wäre, wird wohl aus gesundheitlichen Gründen seine Trainer-Karriere ganz beenden.

"Es hat sich überhaupt keine Vertrauensbasis zwischen der Nationalmannschaft und dem Trainer entwickelt", sagte der ÖFB-Boss. "Ich habe Elan und Power vermisst. Ich hätte niemals gedacht, wie verunsichert alle sind. Und jetzt greifen wir eben zum letzten Strohhalm, den wir haben."

"Ich brauche einen Feuerwehrmann - und er ist einer", hatte Windtner schon am Montag Constantinis Benennung angedeutet. Spekuliert worden war zudem über den Ex-Lauterer Franco Foda (derzeit Trainer bei Sturm Graz) - und sogar über eine Rückkehr von Josef Hickersberger. Der hatte die Österreicher noch bei der EURO im vergangenen Jahr betreut.

Herzog will selbst entscheiden

Herzog zieht es derweil vor, sich der Nachwuchsarbeit in der U 21 zu widmen:

"Ich bin gefragt worden, ob ich es mir vorstellen könnte, weiter Assistent zu bleiben, aber ich habe abgelehnt", sagte der frühere Bundesliga-Profi der österreichischen Nachrichtenagentur "APA". "Ich will endlich Entscheidungen treffen und den Kopf dafür hinhalten, nicht für Entscheidungen, die ich nicht getroffen habe. Drei Jahre als Assistent sind genug."

Die Erwartungen an den neuen ÖFB-Chefcoach Constantini sind so oder so hoch.

Problem Selbstvertrauen

"Er muss bei den Spielern Selbstvertrauen und Stolz wecken. Nur dann können wir noch ein Wunder schaffen", sagte Windtner.

In der Qualifikation zur WM 2010 in Südafrika liegt Österreich in der Gruppe 7 mit vier Punkten aus vier Spielen fast schon aussichtslos zurück.

Zuletzt kam das Team nicht über ein 1:1 auf den Färöern hinaus, verlor obendrein mit 0:2 in Litauen.

Brückners Traumstart

Brückners Amtszeit im vergangenen Spätsommer hatte sensationell begonnen.

Mit einem 3:1 über Frankreich und einem 2:2 gegen Italien hatte der langjährige tschechische Nationalcoach für große Euphorie gesorgt - die jedoch genauso schnell wieder verflogen war.

Schon seit einigen Wochen wurde der Rauswurf Brückners erwartet, nach dem 0:2 gegen Schweden vor knapp drei Wochen standen die Zeichen endgültig auf Abschied.

Zwei Trennnungs-Versionen

Wie es letztendlich zur Trennung kam, darüber gibt es jedoch zwei Versionen. Windtner erklärte, dass er erst am Montag Brückner informiert habe.

Der Tscheche wiederum behauptet, "dass ich selbst bereits am 23. Februar in Verhandlungen mit dem ÖFB um eine vorzeitige Beendigung meines Vertrags ersucht habe. Der ÖFB hat am 23. Februar die Beendigung des Vertrages zum 28. Februar bestätigt, aber nicht veröffentlicht".

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