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High Voltage: KERS-Warnschild am BMW-Sauber-Boliden von Robert Kubica © imago

Das Ende eines 40-Millionen-Grabes: Die Teams wollen das Energie-Rückgewinnungssystem KERS ab 2010 nicht mehr benutzen.

Von Marc Ellerich

München - Vier Buchstaben, ein großer Flop?

Dass das kinetische Energie-Rückgewinnungssystem KERS, welches vor der Saison mit viel Getöse in der Formel 1 eingeführt worden war, womöglich nichts als ein teures Millionengrab ist, hatte sich bereits seit längerem abgezeichnet (KERS - der teuerste Fehlgriff der Formel 1?).

Nur haben es die Kritiker des "Turbo-Boost"-Systems schwarz auf weiß: Die Formel-1-Rennställe haben sich am Wochenende nach einem Treffen am Rande des Türkei-Grand-Prix (Kein Platz mehr frei auf Planet Button) für eine Abschaffung des KER-Systems ausgesprochen.

Sparzwang als Grund

Begründet wird dies nach Informationen der "BBC" offiziell mit dem Spardruck, den der Weltverband FIA den Teams auferlegt.

Doch es ist längst kein Geheimnis mehr, dass nach einem guten Drittel der Saison kaum ein Team mehr auf KERS setzt, das seinem Besitzer bis zu 80-Extra-PS verleiht und so Überholmanöver erleichtern soll.

In Istanbul war auf den vorderen Plätzen weit und breit kein KERS-Bolide vertreten. Bester KERS-Pilot war Felipe Massa im Ferrari auf Platz sechs.

In der WM-Wertung liegt Massa als bester KERS-Fahrer weit abgeschlagen mit elf Punkten auf dem achten Platz.

Drei Befürworter

Neben Ferrari sind offenbar nur noch zwei Rennställe Befürworter des Systems: das McLaren-Mercedes-Team, bei dem der Zusatzschub einwandfrei funktioniert und BMW-Sauber, die sich vor der Saison viel von KERS versprochen hatten, es mittlerweile wegen gravierender Balance-Probleme ihres Autos aber ausgebaut haben.

Ihren Widerstand gegen die Abschaffung der Innovation hat das Trio am Wochenende offenbar aufgegeben - vermutlich weil alle drei in diesem Jahr mit viel gravierenderen Problemen zu kämpfen haben: Brawn GP und Red Bull, die neuen Herrscher der Formel 1, fahren den einstigen Platzhirschen der PS-Liga auch ohne KERS gnadenlos um die Ohren.

"Wenn nicht, dann nicht"

"Wir haben für den Erhalt von KERS gestimmt", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen, "aber wie bei allen FOTA-Entscheidungen zuvor werden wir mit der Mehrheit gehen."

Und Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali erklärte nach der Teamsitzung im Toyota-Motorhome: "Wenn man es logisch sieht, wäre es schön, wenn alle KERS verwenden würden, aber wenn nicht, dann nicht."

Späte Einsicht

Und auch McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh leistete nur noch schwachen Widerstand gegen das Aus der Hybrid-Technik: "Die Formel 1 muss sehen, dass sie ein paar grüne Zutaten hat", so der Brite: "Aber in der aktuellen wirtschaftlichen Situation sieht jeder zu, dass er Kosten spart. Wenn die Mehrheit KERS nicht haben möchte oder es sich nicht leisten kann, dann müssen wir realistisch sein."

Ein späte Einsicht angesichts der bis zu 40 Millionen Euro Kosten, die einzelne Teams in die Entwicklung des Systems gesteckt haben sollen.

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