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Foul Nummer 1: Der linke Ellbogen geht nach oben, anschließend folgt der rechte © getty

Die Lakers profitieren in Spiel 4 von nicht gepfiffenen Fouls gegen ihren Starspieler. Orlando schiebt es auf die eigene Dummheit.

Von Rainer Nachtwey

München/Orlando - Kobe Bryant steht an der Freiwurflinie mit dem Rücken zum Korb. Orlandos Jameer Nelson eilt Teamkollege Mickael Pietrus zur Hilfe, um Bryant zu doppeln.

Der Starspieler der Los Angeles Lakers sieht Mitspieler Derek Fisher allein an der Dreierlinie, passt auf den Lakers-Point-Guard, der den Ball im Korb versenkt - 94:91 bei noch 30 Sekunden zu spielen in der Verlängerung von Spiel 4 der NBA-Finals.

Es ist der alles entscheidende Korb, der den Lakers durch den 99:91-Sieg nach Verlängerung (Lakers kurz vor dem Titel) eine 3:1-Führung in der Best-of-Seven-Serie beschert (STATISTIK: Der NBA-Playoffbaum). Nun fehlt den Kaliforniern nur noch ein Sieg zum vierten Meistertitel in den 2000ern.

"Glasklares Foul"

Doch dieser Dreier von Fisher hätte nicht zählen dürfen - zumindest wenn es nach dem ehemaligen Spieler und heutigen TV-Experten Mark Jackson geht: Dem Wurf ging ein deutliches Foul Bryants an Nelson voraus.

Kurz vor dem Pass gab L.A.s Shooting Guard Nelson einen Schwinger mit dem Ellbogen mit, bevor er den Ball auf Fisher ablegte (116901Die Bilder zu Spiel 4).

"Das war ein glasklares Offensivfoul. Das müssen die Schiedsrichter sehen und auch abpfeifen", echauffierte sich der ehemalige Playmaker der Indiana Pacers, mit denen er 2000 Kobe Bryant und den Lakers in den Finals gegenüberstand. "Klarer geht es nicht."

Bryant ist eben Bryant

"Mein Kiefer schmerzt jetzt noch", meinte Nelson, wollte sich aber zu der Situation nicht weiter äußern.

Orlandos Shooting Guard und bester Verteidiger gegen Bryant, Mickael Pietrus, brachte zu dem Foul nur fünf Wörter hervor. "Er ist eben Kobe Bryant", sagte der Franzose und deutete damit an, dass der Lakers-Guard bei den Schiedsrichtern einen Star-Bonus genießt.

Dieser Schluss lässt sich nach den Ereignissen in den diesjährigen Playoffs durchaus ziehen.

"Das ist nicht das erste Mal", deutete auch Jackson darauf hin.

Zwei Schwinger gegen Howard

Nur wenige Minuten zuvor, 98 Sekunden waren noch im dritten Viertel zu spielen, hatte sich Bryant einen weiteren Aussetzer geleistet.

Nachdem er Dwight Howard einen Rebound abspenstig gemacht hatte, umklammerte der Magic-Center den letztjährigen MVP. Bryant missfiel diese "Liebkosung" und wollte sich losreißen.

Er holte nach hinten aus, und seine beiden Ellbogen, erst der linke, dann der rechte, verfehlten Howards Gesicht nur knapp. "Zu jedem anderen Zeitpunkt in den Playoffs wäre das ein technisches Foul gewesen", hielt Jackson fest. "Eigentlich müsste man es auch in den Finals geben."

Artests Bekanntschaft mit Bryants Ellbogen

Und auch in der Serie gegen Houston sorgte Bryant mit einem Ellbogen-Schwinger für einen Eklat. Bei einem Gerangel um einen Rebound mit Ron Artest traf der 30-Jährige den Rockets-Spieler mit dem Ellbogen im Gesicht (DATENCENTER: Ergebnisse).

Doch während Bryant mit einem einfachen Foul davon kam, erhielt Artest ein technisches, weil er sich bei den Schiedsrichtern beschwerte und wurde nachdem er nicht aufhörte zu lamentieren, sogar des Feldes verwiesen.

"Wir waren dumm"

Aus Sicht der Magic hätte es erst gar nicht zu dem Foul respektive der Verlängerung kommen dürfen.

"Wir waren dumm", fasste es Hedo Türkoglu knapp zusammen. "Wir haben viel zu viele Freiwürfe vergeben. Nicht nur Dwight in der Schlussphase, auch ich."

Damit spielte der Türke auf seine vier vergebenen Versuche von der Linie im letzten Viertel an.

Auch Magic-Coach Stan Van Gundy hielt in seiner Spielanalyse fest: "Das hat nichts Final-Erfahrung zu tun. Das ist ein Klischee. Jeder meiner Spieler hat schon in wichtigen Partien auf dem Parkett gestanden. 19:8 Turnover, unsere Freiwurfschwäche und unser schlechter Abschluss haben die Partie entschieden."

Im Nachhinein ist man immer schlauer

Und eine Unaufmerksamkeit 4,6 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit, als Fisher mit seinem ersten verwandelten Dreier zum 87:87 die Lakers in die Verlängerung warf.

"Da haben wir ihm zu viel Platz gelassen. Wir haben verteidigt, als hätten wir den Weg zu einem Korbleger zumachen wollen."

Darauf angesprochen, ob sein Team nicht den Ball führenden Lakers-Spieler hätte foulen sollen, was die Chance auf den Ausgleich genommen hätte, antwortete Van Gundy: "Im Nachhinein würde ich es wohl anders machen. Das wird mich ewig verfolgen."

Kämpfen bis zum Umfallen

Die Möglichkeit dazu bietet sich dem Trainer und seiner Mannschaft in der Nacht auf Montag (ab 2 Uhr LIVESCORES) in Spiel 5, wenn die Magic den vorzeitigen Titelgewinn der Lakers abwenden müssen.

Trotz des deutlichen Rückstands geben die Magic nicht auf. "Wir haben sehr viel gut gemacht und ein paar Sachen schlecht. Leider haben die überwogen. Wir lassen den Kopf nicht hängen und werden bis zum Schluss kämpfen", sagte Howard, der mit neun Blocks einen Finals-Rekord aufstellte.

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