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Luca di Montezemolo ist auch Chef der Teamvereinigung FOTA © imago

Luca di Montezemolo gibt dem Reglement die Schuld am desaströsen Abschneiden seines Teams. Im Regelstreit um 2010 legt er nach

Von Matthias Becker

München - Die Saison 2009 kann Ferrari schon jetzt abschreiben.

Nach sieben Rennen steht für die Scuderia durch Kimi Räikkönens dritten Rang beim Rennen in Monte Carlo ein einziger Podiumsplatz zu Buche.

In der Konstrukteurswertung liegt Ferrari mit mageren 20 Punkten schon 76 Zähler hinter dem WM-Führenden BrawnGP. (DATENCENTER: Formel-1-Ergebnisse)

Den Schuldigen für diese desaströse Bilanz hat man in Maranello nach nicht ganz der Hälfte der Saison inzwischen gefunden.

Und es ist - wenig überraschend - Max Mosley.

Di Montezemolo: "Wir waren nicht betrunken"

"Es gibt nur zwei Erklärungen: Entweder, wir sind alle bei der Konstruktion unserer neuen Rennautos völlig besoffen gewesen oder die Regeln sind nicht klar definiert worden", sagte Ferrari-Boss Luca die Montezemolo am Rande des 24-Stunden-Rennens von Le Mans.

Welchen der beiden Erklärungsansätze er für zutreffend hält, machte di Montezemolo natürlich auch klar:

"Ich kann nur sagen: Ersteres kann nicht stimmen, weil wir zumindest bis jetzt noch nicht betrunken waren."

Giftpfeil in Richtung Mosley

Die Aussagen des Ferrari-Chefs können nur als weiterer Giftpfeil in Richtung von Mosley und dessen Regeländerungen für die laufende Saison verstanden werden.

Schließlich hatten diese es einem zuvor nicht existierenden Team wie BrawnGP ermöglicht, mit einer technischen Neuerung wie dem Doppel-Diffusor das Feld von hinten aufzurollen.

Man sei im vergangenen Jahr auf ein schwammiges Regelwerk zugesteuert, dessen unterschiedliche Interpretation durch die Teams "sehr unvorhersehbar war", erklärte di Montezemolo.

Dass es auch ein Versäumnis von Ferrari gewesen sein könnte, die Grauzonen des Regelwerks nicht auszunutzen, ließ er dabei unter den Tisch fallen.

Ferrari bekräftigt Drohungen

Die Regelschmerzen Ferraris beschränken sich aber weiterhin nicht nur auf die laufende Saison.

Die Italiener bekräftigten erneut ihre Drohung bei fehlenden Zugeständnissen seitens Mosley und der FIA im kommenden Jahr nicht antreten zu wollen.

"Wir können nicht jeden Tag wiederholen, dass wir unter diesen Regeln nicht an der WM teilnehmen werden", sagte di Montezemolo bei seinem medienwirksamen Besuch in Le Mans, äußerte aber auch Hoffnung auf ein Ende des Machtkampfes:

"In ein paar Jahren wird das Problem mit der Formel 1 gelöst sein. Entweder dahingehend, dass die FIA verantwortungsbewusst und vernünftig sein wird - das wäre unser Wunschszenario ? oder, wie es in anderen Sportarten geschieht, indem wir unsere eigene Meisterschaft austragen."

"Wir haben die Formel 1 im Blut"

Die Gründung einer eigenen Rennserie wäre nach Meinung des Italieners, der auch Chef der Teamvereinigung FOTA ist, kein Problem.

"Wenn man Motor, Getriebe, Marken, Technologien, Organisationen und Eigenkapital hat, ist das keine schwierige Sache", sagte di Montezemolo, der allerdings viel lieber weiter in der Königsklasse antreten würde.

"Ferraris Herz schlägt in der Formel 1. Wir haben sie im Blut, in unserer DNA. Gerade deswegen tun wird das Mögliche, um die Formel 1 zu retten", sagte der Italiener:

"Was wir verlangen, um weiterhin in der Formel 1 zu bleiben, ist einfach und logisch: Wir werden nicht erlauben, dass sie eine Formel 3 wird. Wir wollen Stabilität, klare Regeln und ein transparentes System, das den Teams eine Reduzierung der Kosten ermöglicht."

Material über Mosleys Fehler

Di Montezemolo führte erneut aus, dass durch Vorschläge der FOTA die Kosten um rund 50 Prozent gesenkt werden könnten. Die von Mosley propagierte Budget-Obergrenze sei daher gar nicht nötig.

Zudem sind die Teams verärgert, dass der FIA-Chef ihren Vorschlag für ein neues Concorde Agreement, die Verfassung der Formel 1, ignoriert und sich ihrer Meinung nach über vorgegebene Entscheidungswege hinweggesetzt habe.

In einem Brief an den Senat und das World Motor Sport Council der FIA hat die FOTA um Vermittlung gebeten, diesem Schreiben soll auch umfangreiches Material über Mosleys angebliche Fehler beiliegen. (FOTA will Mosley umgehen)

Hersteller fordern Reformen

Auch der Verband der europäischen Hersteller ACEA hatte am Freitag Reformen innerhalb der FIA gefordert.

"Mosley provoziert, Fiat und Co. erklären ihm den Krieg", titelte die italienische Zeitung "La Repubblica": "Fiats Geschäftsführer Sergio Marchionne verlangt de facto Mosleys Kopf."

Ecclestone will die Wogen glätten

Kein Wunder, dass Formel-1-Boss Bernie Ecclestone versucht, die Wogen zu glätten.

"Ich kann nur alle Beteiligten auffordern, endlich aufzuhören, sich entweder in der Öffentlichkeit oder hinter dem Rücken des jeweils anderen mit Schmutz zu bewerfen", sagte der Brite der "Times":

"Alle sollten jetzt mal etwas ruhig sein und die Sache sacken lassen."

Ferrari zurück nach Le Mans?

Auf die Hilfe von di Montezemolo braucht Ecclestone dabei aber nicht zu setzen. Stattdessen brachte er sogar eine werksseitige Rückkehr von Ferrari nach Le Mans ins Gespräch.

"Wir wollen alles daransetzen, in der Formel 1 weitermachen zu können, sollten die richtigen Bedingungen herrschen", sagte er:

"Sollte das aber nicht der Fall sein, betone ich vor all unseren Tifosi auf der ganzen Welt: Der Lebenssaft von Ferrari heißt Wettbewerb. Sollten wir aus der Formel 1 aussteigen, werden wir etwas anderes machen, und mit Sicherheit wird einer unserer ersten Hauptaugenmerke auf Le Mans liegen."

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