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Roger Federer will seinen sechsten Wimbledon-Titel gewinnen © getty

Der Schweizer kann sich in Wimbledon mit einem Sieg die Weltranglistenführung und einen Rekord sichern. Nicolas Kiefer ist es zu laut.

London - Schafft Roger Federer den Rekord von 15 Grand-Slam-Siegen und holt sich damit Platz eins der Weltrangliste zurück?

Oder kann Andy Murray als erster Brite seit Fred Perry 1936 Wimbledon gewinnen? Und wie schwer ist die Verletzung von Titelverteidiger Rafael Nadal wirklich? (Tendinitis! Nadal sagt ab)

Vor den 123. All England Championships in London (Montag, ab 13 Uhr LIVESCORES) schwirrten Spekulationen aller Art über die modernisierte Anlage an der Church Road.

Die Spannung war bei den Profis auf den Trainingsplätzen im Aorangi Park ebenso zu greifen wie bei den treuesten Fans, die bereits seit Samstag im Wimbledon Park campierten, um einige der begehrten Tickets zu ergattern.

Deutsche Herren zuletzt sehr erfolgreich

Über die insgesamt 15 Deutschen im Hauptfeld (zehn Männer, fünf Frauen) redet dabei noch niemand.

Der einzige deutsche Tennisspieler, der momentan in Wimbledon im Gespräch ist, ist mal wieder Boris Becker, der sich in unmittelbarer Nähe der Anlage für 2,3 Millionen Euro eine Villa gekauft hat.

Dabei sind deutsche Profis vor Wimbledon so erfolgreich wie seit Jahren nicht mehr gewesen.

Sowohl Tommy Haas (letzte Woche in Halle/Westfalen) als auch Benjamin Becker am Samstag in 's-Hertogenbosch gegen Raemon Sluiter kommen mit der Empfehlung frischer Turniersiege auf Rasen nach London. ("Hätte nie gedacht, noch mal ein Turnier zu gewinnen")

Haas beginnt bereits am Montag gegen den Österreicher Alexander Peya, Becker muss erst am Dienstag gegen Wayne Odesnik (USA) spielen. (Auslosung: Haas im Glück - Kracher für Görges)

Gute Lose, wie für alle deutschen Männer: Neben Haas greifen zum Turnierauftakt auch schon Vorjahres-Halbfinalist Rainer Schüttler, Philipp Kohlschreiber, Simon Greul und Andreas Beck ein. (Malek und Greul überstehen die Quali)

Kiefer ist es zu laut

Nicolas Kiefer, der erst am Dienstag gegen den Franzosen Fabrice Santoro ins Geschehen eingreift, übt derweil Kritik am traditionsreichen Wimbledon.

Dem Hannoveraner ist es teilweise deutlich zu laut. "Es ist ein Zirkus in den Kabinen und in der Players Lounge. Es wimmelt von Leuten, die viel erzählen", sagte der 31-Jährige der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung":

"Das raubt viel Energie, das unterschätzt man leicht. Es ist immer Action da unten."

Kiefer zieht sich dann gerne in eine der Kabinen zurück, die Wimbledon für seine gesetzten Spieler und für jene reserviert hat, die schon einmal bei den Championships im Viertelfinale standen "Dort ist es ruhiger, darum halte ich mich dort auf, höre Musik oder lege mich für eine halbe Stunde schlafen."

In den in Wimbledon nicht gerade unüblichen Regenpausen gehören Backgammon, Schach oder Kartenspiele zum bevorzugten Zeitvertreib der Spieler zwischen den Mahlzeiten.

"Man isst ständig Bananen oder Sandwiches, und wenn ich weiß, dass ich in zwei Stunden spiele, dann kann ich auch eine Portion Nudeln essen", sagte Kiefer, aktuelle Nummer vier der deutschen Tennis-Rangliste.

Und man mache sich warm, "gefühlte zehn Mal am Tag. Denn es kann ja sein, dass die Turnierleitung sagt, demnächst geht's weiter."

Die Gespräche in den Pausen drehen sich überwiegend um Sport, aber auch ganz andere Themen werden hier und da mal besprochen: "Als ich vor zwei Jahren in der Kabine neben Maria Scharapowa saß, fing ihr Vater an zu erklären, wie er in Russland Bären jagt."

Von den deutschen Damen sind am Montag Anna-Lena Grönefeld und Kristina Barrois aktiv.

Wimbledon wird moderner

Wimbledon passt sich schrittweise der Moderne an, ohne den Charakter der Anlage zu verändern. Ein neuer Platz zwei für 4000 Zuschauer wurde gebaut, die rund 100 Millionen teure Überdachung des Centre Courts ist abgeschlossen.

Zum letzten Mal wird in diesem Jahr der berühmte Platz 3 genutzt, der "Friedhof der Stars", der nach den zwei Wochen abgerissen wird.

Aber der Spieler, der das mit rund 14,1 Millionen Euro dotierte Turnier eröffen wird, ist derselbe wie immer seit 2004: Roger Federer.

Fünfmal in Folge betrat der Schweizer als Titelverteidiger den "heiligen Rasen".

Diesmal hat er als Vorjahresfinalist die Ehre gegen den Taiwan-Chinesen Lu Yen-Hsun, weil Rafael Nadal wegen seiner Kniebeschwerden am Freitag absagen musste. 119247(DIASHOW: Die Wimbledon-Favoriten)

"Dass Rafa nicht dabei ist, ist sehr enttäuschend für mich und für das Turnier", sagt Federer, "ich liebe es, gegen ihn zu spielen."

Man kann es ihm glauben, trotz oder gerade wegen der epischen Fünf-Satz-Niederlage vor einem Jahr. Nur kurz am Mittwoch haben sich die beiden großen Kontrahenten gesehen, sich kurz zugenickt.

Federer will seinen Titel zurück

Federer weiß, dass er durch das Verletzungspech des Spaniers die alte Ordnung wieder herstellen kann.

Bei seinem sechsten Turniersieg an der Church Road würde der Schweizer wieder die Führung in der Weltrangliste übernehmen, die er am 18. August 2008 an den Spanier abgeben musste.

Und er kann ein weiteres Kapitel Tennisgeschichte schreiben, wenn er den 15. Grand-Slam-Titel gewinnen sollte und damit Pete Sampras überflügelt.

Der Amerikaner hat angekündigt, in diesem Fall nach London zu kommen und seinem Nachfolger die Ehre persönlich zu erweisen. "Die Rekorde interessieren mich im Moment nicht", so Federer, "ich will nur meinen Wimbledon-Titel zurück."

Einfach wird es für ihn trotz der Abwesenheit von Nadal nicht. Andy Murray hat eine ganze Nation mit seinem Sieg beim Vorbereitungsturnier im Queens Club elektrisiert.

"Ich fühle mich in diesem Jahr besser in der Lage, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen", sagt der 22-Jährige. "Ich habe eine Chance, aber ich muss sehr gut spielen, um es zu schaffen."

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