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Linus Gerdemann hat in diesem Jahr die Bayern Rundfahrt gewonnen © getty

Das deutsche Team dämpft bei der Präsentation des Tour-Kaders die Erwartungen. Linus Gerdemann setzt auf Ruhe und ein Deja-Vu.

Dortmund - Als das Team Milram mit viel Brimborium in der großen Westfalenhalle seine Tour-Mannschaft präsentierte, hatte Kapitän Linus Gerdemann seine Zuversicht wiedergefunden.

"Ich darf jetzt nicht die Nerven verlieren und muss ruhig bleiben. In zwei Wochen kann sich noch viel ändern", sagte der große Hoffnungsträger, der jüngst bei der Tour de Suisse seiner Form weit hinterhergefahren war.

Auch wenn die Terminator-Musik im Hintergrund und die Nebelschwaden beim Auftritt in Dortmund anderes vermuten ließen, wollte vom Gelben Trikot oder von einer Top-Ten-Platzierung bei der am 4. Juli beginnenden Tour de France keiner reden.

"Zwischen Platz 10 und 15 im Gesamtklassement"

"Davon wage ich nicht zu träumen. Unser Ziel ist es, eine Etappe zu gewinnen. Außerdem wollen wir attraktiv und spektakulär fahren. Vielleicht ist für Linus ein Platz zwischen 10 und 15 im Gesamtklassement möglich", sagte Teamchef Gerry van Gerwen.

Nach einer bislang enttäuschenden Saison des letzten verbliebenen deutschen Teams wäre jeder andere Anspruch aber auch vermessen.

24 Siege hatte van Gerwen als Ziel ausgegeben, das wurde bisher weit verfehlt, es langte gerade einmal zu sieben Erfolgen. So schlecht hatte das Team in seiner nun vierjährigen Geschichte noch nie abgeschnitten.

Vertrag gilt noch bis 2010

Zum Vergleich: Der T-Mobile-Nachfolge-Rennstall Columbia siegte bereits 43-mal in

dieser Saison.

Keine guten Voraussetzungen, um den Hauptsponsor Nordmilch langfristig bei der Stange zu halten. Bereits vor der Saison hatten die Bosse aus Bremen angekündigt, das Engagement nach der Saison überdenken zu wollen.

Für das kommende Jahr besitzt van Gerwen ("Die Mannschaft ist noch nicht am Ende. Wir werden noch überraschen.") aber noch einen gültigen Vertrag.

"Vor zwei Jahren noch schlechter"

Vor allem das schwache Abschneiden von Gerdemann in der Schweiz - der Deutschland-Toursieger landete mit 16 Minuten Rückstand auf dem 41. Platz - bereitet im Hinblick auf die Tour Sorgen.

"Natürlich war ich nicht zufrieden. Was mich aber zuversichtlich stimmt, ist die Tatsache, dass ich vor zwei Jahren eine noch schlechtere Tour de Suisse gefahren bin", sagte Gerdemann.

Eine Erkältung sei ein Grund gewesen, auch habe er sich aufgrund der hohen Trainingsbelastung nicht ganz frisch gefühlt.

Van Gerwen macht sich keine Sorgen

2007 hatte der 26-Jährige bei seiner bisher einzigen Frankreich-Rundfahrt eine Etappe gewonnen und für einen Tag das Gelbe Trikot übernommen.

Van Gerwen hatte vor der Saison voll auf die Karte Gerdemann gesetzt und den Youngster aus dem Vertrag bei Columbia herausgekauft.

"Ich habe vollstes Vertrauen zu ihm. Ich hätte größere Sorge, wenn er die Tour de Suisse gewonnen hätte. Dann hätte er seinen Leistungs-Höhepunkt nämlich überschritten", sagte der Niederländer.

Ciolek will Meister werden

Für die Sprint-Abteilung ist der frühere U23-Weltmeister Gerald Ciolek vorgesehen. Nach einem schwachen Frühjahr zeigte die Formkurve des Kölners in den letzten Wochen wieder nach oben.

So darf sich Ciolek große Hoffnungen machen, im Kampf um das Grüne Trikot ein Wörtchen mitzureden.

Vorher will er aber noch am Wochenende in Cottbus zum zweiten Mal nach 2005 deutscher Meister werden.

Wegmann setzt auf Eskapaden

Derzeit trägt noch Teamkollege Fabian Wegmann das Meistertrikot. Er wird beim Grand Depart der Tour am 4. Juli in Monaco zum sechsten Mal an den Start gehen und ist damit der

erfahrenste Tour-Teilnehmer im Milram-Team. In Frankreich will der Freiburger mit Ausreiß-Attacken wieder für Furore sorgen.

Einziger Debütant im Team ist Johannes Fröhlinger (Freiburg). Außerdem komplettieren Markus Fothen (Kaarst), Christian Knees (Bornheim), der Niederländer Niki Terpstra, der Österreicher Peter Wrolich und Peter Velits aus der Slowakei das neunköpfige Aufgebot.

Velits' Bruder Martin sowie der Niederländer Servais Knaven stehen als Ersatzfahrer bereit.

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