vergrößernverkleinern
Max Mosley leitet die FIA seit 1993 © imago

Der Kleinkrieg zwischen dem FIA-Präsidenten und den Teams geht weiter: Die FOTA will sich nicht entschuldien, Max Mosley droht.

London - Die Teamvereinigung FOTA lässt FIA-Präsident Max Mosley auf die geforderte Entschuldigung warten und blickt stattdessen bereits in die Zukunft der Formel 1.

Obwohl Mosley die am vorigen Mittwoch ausgehandelte Einigung zwischen dem Automobil-Weltverband und der FOTA wieder infrage gestellt hat, wollen die Teams den Brief des 69 Jahre alten Briten offenbar unbeantwortet lassen (Frieden in Gefahr).

"In voller Lebensgröße"

Mosley gibt sich aber noch nicht geschlagen.

"Sie machen den Fehler, schon auf meinem Grab zu tanzen, bevor ich beerdigt bin", wurde der FIA-Chef von der englischen Zeitung "Mail on Sunday" zitiert: "Es ist nicht gut, wenn die Teams mich von einer PR-Agentur für tot erklären und begraben lassen, solange ich hier noch in voller Lebensgröße stehe. Ich werde aus der ganzen Welt bedrängt, mich zur Wiederwahl zu stellen."

Eigentlich wolle er ja aufhören, so Mosley: "Aber wenn es einen Konflikt mit der Autoindustrie, beispielweise mit den FOTA-Teams gibt, werde ich nicht aufhören. Ich werde nicht das Präsidenten-Büro verlassen, wenn unterstellt wird, dass die Leute aus der Autoindustrie mich rausgedrängt haben. Wenn dieser Eindruck nicht komplett zerstreut wird, werden die Klubs fordern, dass ich wieder antrete."

Di Montezemolo blickt nach vorne

Ferrari-Präsident und FOTA-Chef Luca di Montezemolo blickt nach dem am Mittwoch vereinbarten Ende der monatelangen Streitigkeiten über die Königsklasse allerdings lieber nach vorne (Mosley dankt ab - Formel 1 gerettet) .

"Ich freue mich sehr über die Vereinbarung. Ich kann die Zuschauer verstehen, denen diese Polemik schon auf den Wecker geht - die ganzen Pressemitteilungen, unklare Regeln, die sich alle sechs Monate ändern. Wir brauchen Stabilität. Wir brauchen Frieden. Wir brauchen Transparenz", sagte der Italiener und forderte: "Die Polemik muss aufhören. Wir lieben die Formel 1 und wir wollen nicht dazu beitragen, den großen Charme und die Einzigartigkeit der Formel 1 zu zerstören."

Lösung im Regelstreit

Am Mittwoch hatten Mosley, Monzezemolo und Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone eine Lösung im Regelstreit gefunden ("Sein Leben wäre verpfuscht gewesen").

Die Regeln bleiben gegenüber dieser Saison unverändert, die von Mosley geforderte Budget-Obergrenze von 45 Millionen Euro ist vom Tisch. Dafür sollen die Kosten nach FOTA-Plänen unter anderem über Beschränkungen von Teilen und Mitarbeitern um 50 Prozent gegenüber 2008 gesenkt werden.

Mosley hatte sich mit diesen Sparmaßnahmen und der Aufnahme von drei neuen Teams zufrieden gegeben und seinen Verzicht auf eine Kandidatur zur Wiederwahl im Oktober erklärt 116389(DIASHOW: Die Teams 2010).

Briefeflut von Mosley

Weil er sich nach dem Kompromiss in der Öffentlichkeit von FOTA-Mitgliedern allerdings als "Diktator" verunglimpft fühlte und das Zustandekommen und die Umstände der Einigung seiner Meinung nach von den Teams falsch wiedergegeben worden sind, will er über den Rücktritt doch noch einmal nachdenken.

Das schrieb er in einem von der FIA am Freitag veröffentlichten Brief an Montezemolo, in dem er eine Entschuldigung und Richtigstellungen forderte.

In zwei weiteren Briefen an das World Motor Sport Council und die Mitgliedsverbände der FIA stellte Mosley klar, dass er auf jeden Fall bis zur Generalversammlung im Oktober, auf der der nächste FIA-Präsident gewählt wird, sein Amt ausüben wird.

Verbal-Angriff auf den Italiener

Während Montezemolo jetzt die Show der Formel 1 und den Wettbewerb verbessern will und sich auf die Sache konzentriert, legte Mosley, der selbst vor Kurzem die Teamchefs bereits als "Verrückte" bezeichnet hatte, gegen den Italiener noch einmal verbal nach (Mosley: "Nehme das nicht so ernst") .

"Ich gehe nicht davon aus, dass Luca sich entschuldigt oder etwas zurücknimmt. Aber auf der anderen Seite, niemand im Motorsport nimmt ihn ernst", behauptete Mosley: "Er wird als das wahrgenommen, was Italiener als 'bella figura' (eine Person, die in gutem Licht stehen will, Anm. d. Red.) bezeichnet. Er ist Präsident von Fiat, aber die Person, die dort ernsthaft führt, ist Sergio Marchionne. Ich nehme nicht an, dass der viel Notiz von Luca nimmt."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel