vergrößernverkleinern
Jan Ullrich war im Jahr 2002 wegen Amphetamin-Missbrauchs gesperrt worden © getty

Gegen den früheren deutschen Radstar Jan Ullrich ist in seiner Wahlheimat Schweiz ein Dopingverfahren eröffnet worden.

München - Während der für ihn immer unschlagbare Lance Armstrong mit seiner "Revolte" auf der 3. Etappe gegen Teamkollege Alberto Contador bei der Tour de France schon wieder für Furore gesorgt hat, muss sich Jan Ullrich mit einer Dopinklage auseinandersetzen. (Cavendish siegt - Armstrong hängt Contador ab)

Gegen den ehemaligen deutschen Radstar ist in seiner Wahlheimat Schweiz ein Dopingverfahren eröffnet worden. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung". (DATENCENTER: Tour de France)

Laut Präsident Gerhard Walter von der Disziplinarkammer des Schweizer Olympia-Komitees für Dopingfälle hat die Anti-Doping-Stiftung des Landes nach jahrelangen Ermittlungen gegen den 2007 zurückgetretenen Tour-Sieger von 1997 einen entsprechenden Antrag gestellt. 126146(DIASHOW: Die Bilder der 3. Etappe)

Der Blinddarm gibt Ruhe

"Sie sind der Überzeugung, dass ein Straftatbestand besteht, deshalb gibt es jetzt dieses Verfahren", erklärte der zuständige Jurist Bernhard Welten.

Ullrich zeigte sich vom anstehenden Verfahren wenig beeindruckt: "Ich sehe diese Sache gelassen, da ich inzwischen den nötigen Abstand gewonnen habe und zuversichtlich bin, demnächst einen Schlussstrich unter die vergangenen drei Jahre ziehen zu können", teilte er auf seiner Internetseite mit.

Er finde es einen "erstaunlichen Zufall", dass diese Nachricht ausgerechnet während der Tour de France verbreitet werde. Immerhin seien seit der ersten presseöffentlichen Ankündigung einer baldigen lebenslangen Sperre jetzt ganze drei Jahre vergangen.

Sein gereizter Blinddarm, teilte Ullrich süffisant mit, habe sich trotz der Meldung wieder beruhigt.

"Gut für uns und den Sport"

Unterdessen konkretisierte der Schweizer Radsport-Verband den Stand der Ermittlungen der nationalen Disziplinarkammer für Dopingfälle. "Dort läuft das Verfahren seit zwei Wochen. Sie haben einige neue Informationen erhalten", sagte Verbandsgeschäftsführer Viktor Andermatt der französischen Nachrichtenagentur "AFP".

Der Funktionär wies zugleich Ullrichs Kritik an der Verzögerung des Verfahrens, das die Schweizer Anti-Doping-Agentur aufgrund fehlender Beweise vorübergehend schon ausgesetzt hatte, zurück.

"Es ist gut für uns und den Sport, die Wahrheit herauszufinden. Es ist auch eine Frage des Prinzips und der ethischen Werte, die für den Radsport wichtig sind, warum wir diesen Fall nicht ohne Ergebnis sein lassen können", erläuterte Andermatt.

Verurteilung als Wiederholungstäter?

Ullrich droht trotz seines Rücktritts im Falle einer Verurteilung als Wiederholungstäter eine lebenslange Sperre.

Im Jahr 2002 war er wegen einer positiven Dopingkontrolle auf Amphetamine bereits sechs Monate gesperrt und 2006 im Zuge der Operacion Puerto um den spanischen Doping-Arzt Eufemniano Fuentes von der Tour de France suspendiert worden.

Die Schweiz ist sportjuristisch für den gebürtigen Rostocker zuständig, weil der 35-Jährige in Scherzingen lebt und bis zu seinem Karriereende in der Schweiz lizenziert war. Dass die Schweizer Antidoping-Stiftung ein Dopingvergehen Ullrichs für erwiesen hält, "dürfte offensichtlich sein", sagte Welten.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel