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Die Crew im Visier: Rubens Barrichello ist sauer aufs Brawn-Team © imago

Obwohl Rubens Barrichello sein Team bereits zum zweiten Mal attackiert, hat Ross Brawn Verständnis. Der Brasilianer droht.

Von Marc Ellerich

München - Rubens Barrichello war nach dem verkorksten Deutschland-Grand-Prix außer sich vor Wut.

Nach seinem sechsten Platz auf dem Nürburgring, den der Brasilianer als schwere Niederlage auffasste, richtete der WM-Vierte schwere Vorwürfe gegen sein Brawn-Team.

Er sei "unglaublich sauer" über die Fehler, die sein Team gemacht habe, wütete Barrichello nicht lange nach der Zieldurchfahrt. Brawn habe vorgeführt, "wie man ein Rennen herschenkt".

Er selbst habe alles richtig gemacht, zürnte Barrichello in einem TV-Interview, die Kollegen hätten "das Rennen für mich verloren" (NACHBERICHT: "Desaster, wenn Vettel gewonnen hätte") .

Probleme beim Tanken

Was war passiert? Der Teamkollege und bis dato schärfste Verfolger von WM-Spitzenreiter Jenson Button hatte nach einem hektischen Start zunächst die Führung erobert 128245(Bilder des Rennens).

Doch im weiteren Rennverlauf fiel Barrichello nach und nach zurück. Und was den heißblütigen Ex-Kollegen von Rekord-Weltmeister Michael Schumacher so erboste, war ein schlimmer Patzer der Brawn-Crew beim zweiten Tankstopp, der ihn zu einer Dreistopp-Strategie zwang, die nicht funktionierte (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

Aus dem ersten Tankschlauch floss gar kein Benzin, aus dem zweiten, den die Brawn-Crew in der Hektik verwendete, kam dann zu wenig Sprit.

Keine Lust auf Blabla

Unmittelbar nach dem Rennen wäre Barrichello am liebsten sofort abgereist. "Ich würde am liebsten sofort ins Flugzeug steigen und nach Hause fliegen", moserte er: "Ich habe keine Lust, mit irgendjemandem vom Team zu sprechen. Das wäre nur Blabla."

Doch auch später konnte sich der älteste Fahrer des Feldes nicht beruhigen.

"Ich habe mit dem Team gesprochen, und meine Meinung ist immer noch die gleiche", sagte der dem "Guardian": "Ohne die vielen Fehler wäre ich Dritter geworden."

Brawn zeigt Verständnis

Und Barrichello setzte noch einen drauf. Es sei zwar nicht seine Absicht, einen Streit mit seinem Rennstall vom Zaun zu brechen, denn er wolle weiter um den Titel kämpfen.

"Also muss ich meinen Kopf senken und arbeiten. Aber am Jahresende kann ich kündigen, wenn ich will." Eine Drohung also.

Teamchef Ross Brawn bemühte sich, die Wogen zu glätten. Er zeigte Verständnis für Barrichellos Wutausbruch.

"Das war Zorn eines frustrierten Rennfahrers", sagte der Brite gegenüber Reportern: "Wenn du soviel Energie in ein Rennen steckst und es dann nichts bringt, passiert das manchmal."

Dann fügte er hinzu: "Das ist die Leidenschaft, die manche Fahrer haben."

Brawn: Zu langsam

Dennoch widersprach Brawn seinem Piloten, der sich um den Sieg oder zumindest eine bessere Platzierung gebracht sah.

"Du kannst kein Rennen gewinnen - egal mit welcher Strategie - wenn deine schnellste Rundenzeit nur die elftbeste Zeit ist. Das sind die Fakten", sagte der Teamchef: "Rubens hatte die elfschnellste Rundenzeit heute."

Eine Strafe gegen den aufsässigen Brasilianer mochte das Formel-1-"Superhirn" nicht ankündigen. Erst wolle er sich eingehender mit Barrichellos Aussagen befassen.

"Rubens ist ein wichtiges Mitglied unseres Teams", so Brawn: "Er ist in schweren Zeiten bei uns geblieben und war sehr loyal. Das ist nichts, was mit ein paar wütenden Worten nach einem Rennen zerstört werden könnte."

Wutausbruch in Barcelona

Allerdings ist es bereits der zweite verbale Angriff, den sich der Brasilianer gegen seinen giftgrünen Rennstall leistet. Weil er sich beim Barcelona-Grand-Prix ungerecht gegenüber seinem Kollegen Button behandelt fühlte, hatte Barrichello wütend mit seinem Fortgang gedroht.

Die Rolle als Nummer zwei bei Brawn wolle er keinesfalls akzeptieren, schimpfte "Rubinho" seinerzeit.

Das allerdings steht mittlerweile fest. Aus eigener Kraft kann Barrichello nicht mehr Weltmeister werden, selbst wenn er immer gewänne und Button jedes Mal nur Zweiter würde.

Vielleicht hat auch diese Erkenntnis den Brasilianer so aus der Fassung gebracht.

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