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Heinrich Haussler hatte schon nach drei Kilometern die erste Attacke gestartet © AFP

Der Cervelo-Profi krönt eine Flucht über fast 200 Kilometer mit seinem ersten Tour-Etappensieg. Die Favoriten halten sich zurück.

Colmar - Heinrich Haussler weinte vor Glück, als er im Dauerregen von Colmar über den Zielstrich rollte.

Der Shootingstar konnte sein Glück kaum fassen und schüttelte immer wieder den Kopf.

Mit einem beeindruckenden Parforceritt durch die Vogesen stürmte der 25-Jährige zum Sieg auf der 13. Etappe der 96. Tour de France und feierte den größten Erfolg seiner Karriere.

Am Ende einer 197-km-Flucht verwies Haussler mit über vier Minuten Vorsprung den Spanier Amets Txurruka auf den zweiten Platz. Damit sorgte der 25-Jährige für den lang ersehnten ersten deutschen Etappensieg bei der diesjährigen Tour.

"Das war ein großer Tag für mich. Ich kann es nicht glauben, dass ich gewonnen habe. Ich bin aggressiv gefahren und habe meine Chance gesucht", sagte Haussler und ergänzte:

"Bei meinen Tränen habe ich an das viele Pech gedacht, das ich diese Saison hatte."

21. deutscher Etappensieger

Die Topfavoriten um Alberto Contador und Lance Armstrong einigten sich bei der letzten Kletterpartie vor den Alpen auf einen Waffenstillstand und brachten auf der 200 km langen Etappe von Vittel nach Colmar das Gelbe Trikot des Italieners Rinaldo Nocentini nicht in Gefahr. (ÜBERSICHT: Wo liegen die Favoriten?)

Unweit seiner neuen Heimat Freiburg ging Haussler, der im Frühjahr mit zwei zweiten Plätzen bei den Klassikern Mailand-San Remo und der Flandern-Rundfahrt einen großen Coup knapp verpasst hatte, als 21. deutscher Etappensieger in die Geschichte der Tour de France ein.

Für den letzten deutschen Erfolg hatte im Vorjahr Dopingsünder Stefan Schumacher mit seinem Sieg im Einzelzeitfahren gesorgt.

Entscheidende Attacke auf der Abfahrt

48 Kilometer vor dem Ziel hatte Haussler auf der rasenden Abfahrt vom 1193 m hohen Col du Platzerwasel, einem Berg der ersten Kategorie, für die Vorentscheidung gesorgt. Der Cervelo-Profi setzte sich von seinem Mitausreißer Sylvain Chavanel (Frankreich) ab und stürmte wie entfesselt nach Colmar.

Für Haussler, der in diesem Jahr in beeindruckender Manier in die Weltspitze vorpreschte, war es bereits der fünfte Saisonsieg und die 15. Podestplatzierung.

Nocentini bleibt in Gelb

An der Spitze des Gesamtklassements liegt indes Nocentini weiter sechs Sekunden vor Contador und acht vor Armstrong, dahinter gab es allerdings eine gravierende Änderung.

Armstrongs Edelhelfer Levi Leipheimer, der bislang den vierten Gesamtrang belegt hatte, musste nach seinem am Donnerstag erlittenenen Bruch des rechten Handgelenks die Heimreise antreten. "Das ist ein großer Rückschlag für das Team. Wir haben weiter eine starke Mannschaft, aber der Ausfall ist nicht hilfreich", sagte Armstrong.

Durch den Ausfall des Tour-Dritten von 2007 rückte Andreas Klöden auf den fünften Platz vor. Youngster Tony Martin, der zum zehnten Mal in Folge das Weiße Trikot des besten Nachwuchsprofis erfolgreich verteidigte, ist nun Sechster.

Auch Wrolich steigt aus

Für Armstrong dürfte der Ausfall Leipheimers besonders bitter sein. Der Amerikaner galt im gespaltenen Astana-Team als treuer Freund und Helfer des siebenmaligen Toursiegers. Leipheimer war indes am Boden zerstört: "Ich kann gar nicht beschreiben, wie enttäuscht ich bin."

Auch das deutsche Milram-Team verlor am Freitag seinen ersten Fahrer. Der Österreicher Peter Wrolich ist am Freitag vor der 13. Etappe von Vittel nach Colmar wegen Magen- und Darmproblemen ausgestiegen. Der 35-Jährige, der seine fünfte Tour bestritt, war insbesondere als wichtiger Helfer für Sprintkapitän Gerald Ciolek im Einsatz.

Angriff schon nach drei Kilometern

Ciolek spielte am Freitag erwartungsgemäß keine Rolle, wohl aber sein Landsmann Haussler. Der frühere Gerolsteiner-Profi hatte bereits drei Kilometer nach dem Start in Vittel mit Chavanel und dem Spanier Ruben Perez Moreno Moreno die Flucht ergriffen und bei der Fahrt über zwei Berge der dritten, zwei der zweiten und einem der ersten Kategorie zwischenzeitlich einen Vorsprung von 8:30 Minuten herausgefahren. Moreno konnte dem Tempo am Platzerwasel schon nicht mehr folgen.

Erstmals in Szene setzte sich bei der Tour auch Milram-Kapitän Linus Gerdemann - wenn auch erfolglos. Der 26-Jährige attackierte auf der Abfahrt des Col de la Schlucht und konnte fast zwei Minuten herausfahren, wurde beim darauffolgenden Anstieg aber wieder eingeholt.

"Ich habe mich gut gefühlt und habe es mal probiert, aber leider ist keiner mitgegangen", sagte Gerdemann.

Showdown am Sonntag?

Am Samstag könnten auf der 14. Etappe über 199 km von Colmar nach Besancon nochmal die Sprinter zum Zug kommen, ehe am Sonntag der Showdown in den Alpen beginnt. 124970(Die Höhen-Profile der Tour-Etappen)

Auf dem 207,5 km langen Weg von Pontarlier zur Schweizer Skistation Verbier müssen die Fahrer vier Berge der dritten, einen der zweiten und einen der ersten Kategorie bewältigen.

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