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Weltmeister Lewis Hamilton (r.) ist bisher noch nie gegen Michael Schumacher gefahren © getty

Der Weltmeister kann das Duell mit dem Rekordchampion kaum abwarten. Auch, weil es zur persönlichen Genugtuung werden kann.

Von Christian Paschwitz

München - Der eine ist halt der "Iceman" und seit jeher nicht gerade emotional - der andere dagegen ein Sonnyboy und schon immer begeisterungsfähig:

Während Teamkollege Kimi Räikkönen der Comeback-Rummel um Michael Schumacher mehr oder weniger kalt lässt ("Mir ist egal, wer den zweiten Ferrari fährt"), wirkt Lewis Hamilton umso heißer auf das erste Duell mit "Schumi" in gut zwei Wochen beim Grand Prix in Valencia.

"Ich bin so aufgeregt, dass das wirklich geschieht, dass Michael Schumacher in die Formel 1 zurückkehrt", erklärte Hamilton fast schon euphorisch bei "autosport.com".

Wenngleich der Weltmeister eilfertig nachschiebt, in "meinen Gedanken noch immer bei Felipe und seiner Familie" zu sein. (SERVICE: Rennkalender und Kurse)

Duell mit dem "Besten aller Zeiten"

Hamilton ist vor allem anzumerken, dass Schumachers Rückkehr auch für ihn eine ganz besondere Herausforderung aufwirft:

Sich nämlich als aktueller Weltmeister zu messen mit dem siebenfachen Champion und in Augen vieler besten Piloten aller Zeiten.

Ein Vergleich, der bis vor Felipe Massas schwerem Unfall utopisch schien, der nun aber wahr wird dank Schumachers Bereitschaft, für den kopfverletzten Brasilianer bei der Scuderia in die personelle Bresche zu springen.

Konter für die Kritiker

Nicht zuletzt winkt Hamilton damit auch die unverhoffte Chance, all den Kritikern einen Maulkorb zu verpassen, die ihm vorgehalten hatten, wohl kaum jüngster Weltmeister der Formel-1-Geschichte geworden zu sein, wäre Schumacher noch dabei gewesen.

Das "Schumi"-Comeback ergo als willkommene Steilvorlage, Möglichkeit zur persönlichen Genugtuung - und als zusätzlicher Motivationsschub.

Zumal der McLaren-Mercedes-Pilot mit den Silberpfeilen bisher eine eher durchwachsene Saison erlebt, trotz des Siegs am vergangenen Wochenende in Ungarn.

Offiziell gibt sich Hamilton indes sportlich fair:

Vorfreude auf "die Legende"

"Michael ist einer der größten Wettkämpfer überhaupt und eine Legende", meint der 24-Jährige über den 16 Jahre älteren Schumacher.

"Und es ist großartig, sich mit ihm zu messen. Es ist eine Ehre und ein Privileg, zum ersten Mal gegen ihn zu fahren." (Reaktionen: "Schumacher ist Hardcore")

Das Rennen in Valencia wird Schumachers erster Einsatz im Cockpit eine F1-Boliden seit seinem Rücktritt vor drei Jahren.

"Die ganze Welt wird da auf seine Rückkehr ins Cockpit schauen", so Hamilton, für den es schon allein "faszinierend ist, zu sehen, wie er sich darauf vorbereitet."

Irritationen wegen Slicks

Bereits am Freitagmorgen hatte Schumacher unter Ausschluss der Öffentlichkeit im alten Ferrari-Modell F 2007 erste Testrunden auf der Rennstrecke in Mugello gedreht - und damit bei der Konkurrenz zunächst Irritationen ausgelöst.

Denn: Schumacher fuhr dabei mit Slick-Reifen von Bridgestone. (Schumi dreht erste Testrunden)

Die gibt es erst seit 2009 - laut den Regeln des Weltverbands FIA ist es verboten, mit neuen Bauteilen zu testen, was auch für Reifen gilt.

Gibt die Konkurrenz grünes Licht?

Ferrari gab indes umgehend Entwarnung und erklärte, dass Schumacher nur Slick-Reifen aus der Nachwuchserie GP 2 benutzt habe.

Möglicherweise kann der Kerpener bald aber schon den aktuellen Ferrari testen: Sportdirektor Massimo Rivola bat die Konkurrenten in einem Brief um eine Sondererlaubnis für einen Testtag Schumachers im aktuellen Boliden F60.

Allerdings ist ein einstimmiges Votum vonnöten, damit Schmumacher vor dem Spanien-Grand-Prix sein künftiges Arbeitsgerät testen kann. Zu dem ringen sich anderen Rennställe dem Vernehmen wohl aber durch.

Keine medizinischen Bedenken

Körperlich scheint Schumacher jetzt schon auf Stand zu sein - trotz Gerüchten über seine Nacken-Muskulatur, die im Februar bei einem Motorrad-Unfall in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Schumachers Arzt Johannes Peil sieht aus Fitnessgründen keine Bedenken: Schumacher habe "auch in der letzten Zeit an drei bis vier Tagen pro Woche hart trainiert hat. Von daher sollte das zu machen sein", sagte der Mediziner dem TV-Sender "N24".

Der derzeitige Gesamtführende Jenson Button meint über den Rekord-Champion ohnehin: "Er ist immer noch jung. 40 ist doch kein Alter, und er ist nah wie vor konkurrenzfähig."

Das dürfte neben Button und Hamilton auch Räikkönen wissen? (DATENCENTER: WM-Stand)

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