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Hannu Tihinen (M.) bejubelt sein Traumtor gegen den AC Mailand © getty

Zürich deckt beim Sensationssieg die Schwächen des AC Mailand gnadenlos aus. Trainer Leonardo steht frühzeitig in der Kritik.

Berlin - Der Brasilianer Leonardo spricht fließend fünf Sprachen, doch am Mittwochabend verriet die ratlose Miene des Trainers von AC Mailand mehr als tausend Worte.

Seine "Altherren-Mannschaft" konnte bei der peinlichen 0:1-Heimniederlage in der Champions League gegen den großen Außenseiter FC Zürich auch auf der internationalen Bühne nicht mehr verdecken, dass ihre große Zeit abgelaufen ist.

Während andere Favoriten wie Real Madrid mit einem glänzend aufgelegten Cristiano Ronaldo und der FC Chelsea auch ohne den verletzten Michael Ballack Pflichtsiege einfuhren, droht den Rossoneri der totale Absturz.

"Milan nur noch zum Weinen", titelte der "Corriere dello Sport" und meinte: "Der Klub versinkt. Jetzt ist die kohlenschwarze Krise da."

Zürich deckt Milans Schwächen gnadenlos auf

Der Saisonstart in der Serie A mit nur acht Punkten aus sechs Spielen und lediglich drei eigenen Treffern ist ein Desaster.

In der "Königsklasse" hat der 17-malige italienische Meister dank des 2:1-Auftaktsieges bei Olympique Marseille zwar noch alle Chancen aufs Weiterkommen, doch die Pleite gegen Zürich offenbarte eklatante Schwächen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Nach dem herrlichen Hacken-Tor des Finnen Hannu Tihinnen (10.) wirkte das in die Jahre gekommene Team (Durchschnittsalter gegen Zürich: 29,6 Jahre) schwerfällig und ideenlos.

"Unsere Leistung wird den Rest der Welt sicher nicht in Angst und Schrecken versetzen", sagte Leonardo beim Versuch eines Scherzes. Trotz der zunehmenden Kritik will der 40-Jährige weitermachen:

"Mich hat niemand mit einer Pistole vor dem Kopf zu diesem Job gezwungen. Ich werde weiter das tun, woran ich glaube."

"Zu früh Leonardo in Frage zu stellen"

Leonardo wurde von Klubboss und Regierungschef Silvio Berlusconi höchstpersönlich vom Technischen Direktor zum Nachfolger des erfolgreichen Carlo Ancelotti befördert.

Noch hält Berlusconi ("Ich leide wie alle AC-Tifosi") zum Trainer: "Es ist noch zu früh, ihn in Frage zu stellen."

Eine weitere Niederlage am Samstag beim Vorletzten Atalanta Bergamo könnte allerdings das Aus für den ehemaligen Milan-Profi bedeuten, der erst seit Mai im Amt ist.

Zürich kämpft ums Achtelfinale

In Zürich kannte die Freude über den Sensations-Sieg keine Grenzen. "Dieser Erfolg geht in die Klub-Geschichte ein", sagte Trainer Bernard Challandes, der fest an den Coup geglaubt hatte:

"Heldentaten beginnen immer mit Träumen." Die Zeitung "20 Minuten" jubelte über die Siegprämie für den Verein: "Mit der finnischen Ferse zu 1,2 Millionen."

Dabei winkt sogar das ganz große Geld, denn der FCZ kämpft plötzlich mit dem punktgleichen AC um das Achtelfinale.

Milan trifft in den beiden kommenden Spielen auf Real Madrid mit Kaka, dem man in Mailand so sehr nachtrauert.

Ronaldo überragend

Der Brasilianer traf auch beim 3:0 gegen Marseille per Foulelfmeter (61.), überragender Mann war jedoch sein Teamkollege Ronaldo, der den Strafstoß herausholte und die beiden anderen Tore (58. und 65.) selbst erzielte.

"Gesegnet seist du, Cristiano", schrieb das Sportblatt "Marca" aufgrund der alles anderen als "königlichen" ersten Halbzeit.

Allerdings droht der Weltfußballer nach einem Schlag auf den Knöchel für das mit Spannung erwartete Liga-Duell am Sonntag beim Tabellendritten FC Sevilla auszufallen.

Chelsea und Bordeaux mit Mühe

Auch der FC Chelsea tat sich beim 1:0 in Zypern gegen APOEL Nikosia schwer.

Nach dem frühen Treffer durch Nicolas Anelka (18.) verwalteten die Blues, die auf den deutschen Nationalmannschafts-Kapitän Ballack wegen Wadenproblemen verzichten mussten, die Führung und gerieten in arge Bedrängnis.

Mit so einer Leistung werde man gegen den FC Liverpool am Sonntag nichts holen, warnte Trainer Ancelotti.

In der Gruppe A mühte sich der französische Champion Girondins Bordeaux, der am 21. Oktober den deutschen Rekordmeister Bayern München empfängt, zu einem 1:0 gegen Maccabi Haifa.

Derweil kassierte der türkische Meister Besiktas Istanbul, nächster Gegner des VfL Wolfsburg, durch das 1:2 bei ZSKA Moskau bereits seine zweite Niederlage im zweiten Spiel.

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