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Marc Zwiebler wurde zu Deutschlands erfolgreichstem Badmintonspieler aller Zeiten © dpa Picture Alliance

Deutschlands Badminton-Ass Zwiebler hat bis zur WM diverse Hindernisse überwunden. Sogar Depressionen hielten ihn nicht auf.

London - Im Hotelzimmer des Quality In folgt die Unordnung einem Plan. Verschwitzte Shirts lüften über der Heizung.

Schuhe, Schläger und Trainingsanzüge liegen griffbereit auf dem Boden verstreut. Mittendrin im Chaos entspannt Marc Zwiebler (EXKLUSIV: Zwiebler im SPORT1-Interview)

Der deutsche Badmintonmeister ist auf Reisen und macht Station bei den Weltmeisterschaften in der Londoner Wembley Arena. Endgültig ankommen will er im nächsten Jahr, wenn an gleicher Stelle die Olympischen Spiele stattfinden.

"Die Olympischen Spiele sind für mich das Größte, was ich erreichen kann. Mit allen deutschen Sportlern in einem Team zu starten, macht den Reiz aus", sagt Zwiebler.

Es sei ein besonderes Gefühl durchs Olympische Dorf zu schlendern und einen Plausch mit Superstar Dirk Nowitzki zu halten, schwärmt Zwiebler.

Reisen bis zur Tortur

Die Gemeinschaftsunterkunft steht im kommenden Jahr in Stratford. Von der Wembley Arena sind es bis dorthin ganze zwölf Kilometer.

Ungleich weiter ist der Weg, den Zwiebler zurücklegen muss, um dort 2012 tatsächlich einchecken zu dürfen. Mehrmals umrundet der Bonner bis dahin noch den Globus, spielt um Weltranglistenpunkte in fast allen Teilen der Welt.

Turniere in China, Japan, Hongkong und ganz Europa sind unter anderem fest eingeplant. Eine Tingeltour, die schnell zur Tortur werden kann, wie der 27-Jährige vor der WM feststellen musste.

"Ich dachte, ich sei ernsthaft krank"

Da forderte der Körper seinen Tribut und bestrafte Zwiebler für sein Spiel mit der Zeit.

Von Afrika über Europa, Asien und Amerika bereiste er vier Kontinente in wenigen Wochen und hatte ein paar Tage vor der Abreise nach London mit den Auswirkungen des Jetlags zu kämpfen.

Plötzliche Müdigkeit, Schweißausbrüche und Depressionen waren die Symptome - und das ausgerechnet vor dem Saisonhöhepunkt.

"Ich habe eine Woche versucht, normal zu trainieren. Das war nicht möglich und ich dachte, ich sei ernsthaft krank", sagte Zwiebler.

Sieg bei den Canada Open

Den Olympischen Spielen in London, es wären seine zweiten nach Peking 2008, ordnet er alles unter.

Auf die Weltranglistenpunkte der WM kann der BWL-Student jedoch kaum verzichten. Mindestens das Achtelfinale muss er erreichen, um die Punkte aus dem vergangenen Jahr zu verteidigen.

Fast 5000 Zähler schreibt ihm der Weltverband dafür gut. Die kassierte er zuletzt bei seinem Grand-Prix-Sieg bei den Canada Open (NEWS).

Erster Chinese ausgeschieden

Wie im vergangenen Jahr in Paris trifft Zwiebler auch am Mittwoch in der zweiten Runde auf den Spanier Pablo Abian. Er will seinen Sieg wiederholen und noch einen Schritt weiter gehen. Die Chancen, zum ersten Mal in seiner Karriere das WM-Viertelfinale zu erreichen stehen ausgezeichnet.

Mit Cheng Long flog der erste Spieler der chinesischen Übermacht, auf den Zwiebler hätte treffen können, sensationell in der ersten Runde aus dem Turnier.

Wissen will er davon allerdings nichts: "Das spielt für mich keine Rolle. Mich interessiert nur die nächste Runde."

Eine Medaille möglich

Im Umfeld der deutschen Delegation steigt jedoch bereits die Vorfreude auf die kommenden Aufgaben.

"Cheng Long ist raus. Das ist für uns erst einmal eine gute Nachricht und besser, als wenn wir noch auf ihn treffen könnten", sagte Bundestrainer Jakob Híi.

Wie lange Zwiebler seinen Aufenthalt in London in diesem Jahr verlängern kann, hängt nur von ihm selbst ab. Spielt sein Körper mit und behält er selbst seine glänzende Form, rückt sogar eine Medaille in den Bereich des Möglichen 434896(DIASHOW: Die Sportstätten in London).

Dann wird Zwiebler seine Taschen erst am Wochenende packen und die Zeit zwischen den Spielen inmitten seines organisierten Chaos genießen.

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