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Juliane Schenk ist erst die dritte Deutsche, die eine WM-Medaille im Badminton gewonnen hat © imago

WM-Bronze soll erst der Anfang sein. Juliane Schenk geht ihren eigenen Weg, um Gold bei den Sommerspielen 2012 zu gewinnen.

London - Manchmal kann Juliane Schenk einen ganz schönen Dickschädel haben. Als in London die Krawalle tobten, das Chaos regierte und ganze Häuserzeilen in Flammen aufgingen, blieb sie stur.

Lieber wohnte sie im Brennpunkt Ealing, als ins sichere Mannschaftshotel nach Wembley zu ziehen.

Die Bronzemedaille bei der Badminton-WM bestätigte Schenk, ihren eigenen Weg konsequent weiter zu gehen.

Bronze erobert

"Ich mache etwas anders als die anderen. Und dabei kommt dann auch etwas anderes heraus - wie jetzt die Medaille", sagt Schenk.

Die 28-Jährige setzt ihren Kopf gegen alle Widerstände durch und lässt sich nicht beirren.

Erst im Halbfinale war ihr Weg bei der WM zu Ende, sie verlor gegen die Taiwanesin Shao Chieh Cheng 18:21, 6:21 (BERICHT). Bronze, da Platz drei beim Badminton nicht ausgespielt wird.

Sie engagiert Mentaltrainer

Während der Weltmeisterschaft wohnte Schenk nicht nur Kilometer von der deutschen Nationalmannschaft entfernt, sondern verzichtete auch auf den Teampsychologen.

Dafür hatte sie auf eigene Kosten eine Mentaltrainerin engagiert.

Mit Gaby Frey teilte sie sich ihr Apartment. Nun schreibt sie große Teile ihres Erfolgs ihrer Mentorin zu: "Ich habe es ihr zu verdanken, dass ich einen Schritt nach vorne gemacht habe."

Verzicht auf Videoanalyse

Die technischen Neuerungen, auf die der Deutsche Badminton-Verband (DBV) stolz ist, und die ihn bei den Weltmeisterschaften in der Wembley Arena eine Menge Geld gekostet haben, schlägt Schenk dankend aus.

"Die Videoanalyse habe ich komplett weggelassen", sagt sie und erklärt: "Ich wollte mich auf mich selbst konzentrieren, wofür muss ich mir dann die Gegner anschauen?"

"Erfolg gibt mir recht"

Auch die Tipps in den kurzen Spielpausen hört Schenk nur selten.

"Ehrlich gesagt, brauche ich die Trainer auf dem Feld sehr wenig. Die können auch nicht mehr viel ausrichten. Für mich ist die Vorbereitung der zentrale Punkt", sagt die gebürtige Krefelderin, die am Leistungszentrum in Mülheim an der Ruhr mit der Damen-Nationalmannschaft trainiert.

Sie weiß, dass dies die Bundestrainer Jakob Hii und Xu Yan Wang nicht gerne hören werden: "Ich habe ganz schön für Unruhe gesorgt. Aber mein Erfolg gibt mir recht."

Tennisprofis als Vorbild

Auf Kriegsfuß mit dem Verband steht Schenk keineswegs. Sie lobt den DBV sogar. "Die Verantwortlichen haben mir den Raum gelassen, den ich benötige. Dafür bin ich ihnen wirklich dankbar", sagt Schenk.

Ihre erste WM-Medaille hat der Sportsoldatin der Bundeswehr allerdings auch die Überzeugung vermittelt, ihren "besonderen Weg" weiter zu gehen:

"Ich versuche mein Team auszubauen. Die Tennisspieler, die mit ihren eigenen Leuten um die Welt reisen, sind das Vorbild."

Projekt Olympia-Gold

Das DBV-Modell sieht dagegen eher die zentrale Steuerung vor. "Wir hatten bei der WM ein so großes Betreuerteam wie nie zuvor", sagt Sportdirektor Martin Kranitz nicht ohne Stolz.

Den Aufschwung im deutschen Badminton macht er vor allem am funktionierenden System fest, weiß jedoch auch: "Wenn mehr Geld in die Sportart kommt, wird auch der Verband seine sportliche Rolle verlieren."

Bis es soweit ist, werden allerdings noch einige Medaillen benötigt. "Am liebsten bei Olympia", sagt Kranitz und ist sich in diesem Punkt mit Einzelgängerin Schenk einig.

"Meine Mentaltrainerin und ich haben das Projekt 'Gold' ausgegeben. Die WM-Medaille war dafür ein richtiger Schritt - mehr nicht."

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