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Josh Childress erzielte 07/08 für Atlanta 11,8 Punkte pro Spiel © getty

Ruft der Euro, werden selbst gestandene NBA-Spieler hellhörig. Immer mehr Basketballer der US-Profiliga zieht es wegen des schwachen Dollars nach Europa. Kommen bald auch die ersten Topspieler?

Hubert Schmidt

München - 1 Euro ist gleich 1,57 Dollar. Eine interessante Gleichung, auch für so manchen Basketballer, der mit Mathematik im Normalfall nicht viel am Hut hat.

Nicht nur für Wirtschaftsbosse und Finanzminister ist die Schwäche des Dollars ein brisantes Thema.

Dass das Geld in Europa mehr wert ist, bekommt langsam auch die NBA zu spüren.

Immer mehr Spieler, die gezeigt haben, dass sie in der besten Liga der Welt durchaus ihren Platz haben, folgen dem Ruf des Euro und heuern auf dem Alten Kontinent an.

Bestes und aktuellstes Beispiel: Josh Childress wechselt von den Atlanta Hawks zu Olympiakos Piräus. Der 25-jährige Small Forward unterschrieb am Mittwoch gleich für drei Jahre. Werbung

Dickster Vertrag der Euroleague-Geschichte

Laut eines Medienberichts ist sein Vertrag der dickste der Euroleague-Geschichte.

Der Nummer-6-Draft-Pick von 2004 war am Montag nach Athen geflogen und auf Anhieb begeistert: "Eine tolle Stadt und ein toller Klub." Childress kam im Vorjahr in 29,9 Minuten auf 11,8 Punkte pro Partie.

Vor diesem Paukenschlag waren Juan Carlos Navarro, Carlos Delfino, Bostjan Nachbar die bekanntesten Protagonisten einer in den USA schon als "Euro-Trend" bekannten Entwicklung.

"NBA sollte vorsichtig sein"

Der Slowene Nachbar verlässt die NBA nach sechs Jahren und wechselt zu Dynamo Moskau. Neun Millionen Euro bekommt er für drei Jahre. Viel mehr, als er in den USA verdienen könnte.

Pro Jahr erhält er das Doppelte von dem, was in der letzten Saison auf seinem Gehaltszettel gestanden hat. "Die NBA sollte besser vorsichtig sein. Europäische Teams bieten sehr viel Geld", meint der 28-jährige Small Forward, der auch hervorhebt, dass die Beträge in Europa ohne Steuern zu verstehen sind. "Ich verdiene hier viel mehr, als ich unter der Midlevel-Exception in der NBA bekommen könnte."

Auch Garbajosa wird gelockt

Komplizierte Salary-Cap-Regeln verhindern oft, dass die NBA-Klubs - obwohl sicher nicht minder finanzkräftig als die europäischen Spitzenteams - mit deren Angeboten mithalten können.

Dabei war Nachbar in den USA keiner, der auf der Bank versauert ist. Rund 22 Minuten pro Partie kam er in der abgelaufenen Saison zum Einsatz, 9,8 Punkte erzielte er im Schnitt.

Khimki lockt außerdem Weltmeister Jorge Garbajosa mit einem Millionen-Angebot. Da ist selbst das Interesse der Los Angeles Lakers an ihm nicht unwiderstehlich.

Von der NBA in den EuroCup

Auch Carlos Delfino verabschiedete sich aus der NBA. Der argentinische Olympiasieger heuerte wie Nachbar in Moskau an, bei Dynamos Lokalrivalen Khimki.

Khimki spielt wie Dynamo nicht einmal in der Euroleague, sondern im EuroCup. 2005 stand Delfino mit den Pistons in den Finals, 2007/08 erzielte er für die Raptors 9,0 Punkte in 23,5 Minuten.

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