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Josh Childress erzielte 07/08 für Atlanta 11,8 Punkte pro Spiel © getty

Juan Carlos Navarro sagte der Liga seiner Träume schon nach einem Jahr Good-bye.

Hatte der spanische Weltmeister im Vorjahr noch auf viel Geld verzichtet, um sich bei den Memphis Grizzlies versuchen zu können, unterschrieb der beste Dreier-Werfer unter den Rookies 2008 einen Fünf-Jahres-Vertrag, der ihn zum bestbezahlten Spieler in der Geschichte des FC Barcelona macht.

Gerade bei internationalen Spielern steht nicht nur das Geld hinter einem Wechsel nach Europa. Doch auch für US-amerikanische Athleten, die sich in der NBA einen Namen gemacht haben, ist der Sprung über den Teich ein Thema.

Crippa: Auch Superstars werden kommen

Claudio Crippa, seines Zeichens Scouting-Direktor von Euroleague-Sieger ZSKA Moskau, glaubt, dass sich der Trend noch weiter verstärken wird.

"Die europäischen Spitzenteams können immer mehr Geld anbieten. Ich bin mir sicher, dass wir in einigen Jahren auch den einen oder anderen NBA-Superstar in Europa sehen werden", meinte der Italiener im Juni im Gespräch mit Sport1.

Ein kommender Superstar wird bereits ab Herbst in Italien zu sehen sein. High-School-Phänomen Brandon Jennings unterschrieb bei Euroleague-Klub Virtus Roma, weil er nach einer neuen Regel nicht direkt von der High School in die NBA wechseln darf.

Unterbezahlte Rookies

Eine andere diskussionswürdige NBA-Regelung trägt dazu bei, dass manche Top-Spieler gar nicht erst in die USA gehen.

So verdient der Brasilianer Tiago Splitter, mit dem Clippers-Center Chris Kaman beim Olympia-Qualifikations-Turnier Probleme hatte, beim spanischen Meister angeblich das Achtfache von dem, was er bei den San Antonio Spurs, die seine NBA-Rechte innehaben, erhalten würde.

Das kuriose Problem: Weil der 23-Jährige in der ersten Runde gedraftet wurde, unterliegt er dem Kollektiv-Vertrag für Rookies. Als Zweitrundenpick könnte er bedeutend mehr verdienen. Auch ältere Stars wie Theodoros Papaloukas kassieren lieber in ihrer Heimat ab, als in der NBA um Minuten kämpfen zu müssen.

Dass sich die NBA trotzdem immer noch als unantastbar sieht, zeigt die Reaktion der Spurs auf Splitters Verbleiben in Europa. Der Klub akzeptiere seine Entscheidung, könne sie aber trotz der eklatanten Gehalts-Differenzen nicht verstehen, sagte der Center spanischen Medien.

Stern macht sich keine Sorgen

NBA-Commissioner David Stern macht sich - zumindest nach außen hin - keine Sorgen. "Wenn Spieler tatsächlich in Europa bleiben, weil sie dort mehr verdienen, dann ist das in Ordnung. Der europäische Basketball, den wir unterstützen wollen, wird dadurch gestärkt - und das ist gut so", so Stern gegenüber "ESPN.com".

Solange der Aderlass nicht zu groß wird, hat Stern mit seiner Einschätzung wohl auch Recht. Auf einige Spieler kann die NBA durchaus verzichten.

Ernsthafte Gedanken machen wird man sich in der Führungsetage wohl erst, wenn tatsächlich auch Superstars abwandern.

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