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Dwyane Wade von den Miami Heat (l.) spielt für Team USA bei Olympia © getty

Josh Childress sorgte mit seinem Wechsel von den Atlanta Hawks nach Piräus für einen Tabu-Bruch. Doch auch Stars wie Dwyane Wade, Jason Kidd und Chris Bosh sind Europa nicht abgeneigt.

Von Hubert Schmidt

München - Josh Childress' Wechsel von den Atlanta Hawks zu Olympiakos Piräus kommt einem Tabu-Bruch gleich.

Zum ersten Mal entschied sich ein US-amerikanischer Spieler seines Kalibers im Alter von nur 25 Jahren, sein Glück außerhalb der NBA zu versuchen.

Der Restricted Free Agent, der in der letzten Saison für die Hawks 29,9 Minuten pro Partie zum Einsatz kam, war auf dem Transfermarkt der NBA durchaus begehrt. Dennoch fiel seine Wahl auf Griechenland.

Neben finanziellen Gründen - er wird rund 20 Millionen Dollar netto für drei Jahre bekommen - war auch das Management in Atlanta mitverantwortlich dafür, dass ein Stammspieler seines Klubs die Liga verlässt.

"Könnte ein Trend werden"

"Ich habe mit einigen Burschen gesprochen, das könnte ein Trend werden", meinte Childress nach dem vollzogenen Transfer.

"Wenn die Leute sehen, dass ein NBA-Spieler nach Europa geht, ein normales Leben führt und sich an die Kultur anpasst, dann könnten sie sich fragen: Warum nicht ich?"

Weitere NBA-Spieler interessiert

Der Small Forward glaubt noch an weitere hochrangige Wechsel. "Ich bin gespannt, ob in den nächsten Wochen der ein oder andere Restricted Free Agent aus meinem Draft-Jahrgang in Europa unterschreiben wird."

Laut den Verantwortlichen von Olympiakos hatten Agenten zweier Spieler von Childress' Kaliber Interesse angemeldet, falls es mit diesem keine Einigung gegeben hätte.

Europäische Philosophie als Anreiz

Childress ist von der Stadt Athen und der Organisation Olympiakos begeistert, aber auch von der Philosophie im europäischen Basketball.

"Ich dachte, ich müsste hier 20 oder 22 Punkte im Schnitt erzielen. Aber der Euroleague-MVP bringt es meistens auf einen Schnitt von rund zwölf Punkten, fünf Rebounds und fünf Assists. Die Auszeichnung geht an denjenigen, der seinem Team am besten hilft, so viele Siege wie möglich einzufahren."

Ein Ansatz, der dem Allrounder gefällt. "Die Coaches hier wollen, dass ich vielseitig bin und auf vier Positionen eingesetzt werde. Ich soll dem Team in so vielen Arten wie möglich helfen zu gewinnen."

Bosh zeigt Interesse

Wechsel von Spielern wie Childress dürften also bald zur Regel werden. Doch kommt früher oder später auch so mancher Superstar?

Raptors-Star und US-Nationalspieler Chris Bosh sagt, er könne sich gut vorstellen, in Europa zu spielen. "Ich wollte schon immer reisen und eine andere Kultur kennen lernen. Das wäre sehr interessant."

Bosh weiter: "Natürlich wirst du irgendwann zurückkommen wollen. Aber ich bin sicher, dass die Burschen, die drüben waren, gerne auf die Zeit zurück blicken und viel Spaß hatten."

Kidd: "Warum nicht Italien?"

Auch Jason Kidd wäre einem Auslands-Engagement nicht abgeneigt. Seine Körpergröße, Kraft und Spielintelligenz würden im Alter von 35 im europäischen Spiel die schwindende Explosivität gut wettmachen.

"Ob ich in den nächsten vier oder fünf Jahren möglicherweise dort spielen werde? Hey, warum sollte ich nicht in Italien oder sonstwo spielen wollen? Das könnte eine tolle Erfahrung sein."

Wade scherzt - noch

Und selbst ein junger Superstar wie Dwyane Wade will nichts ausschließen, wenn er auch darüber scherzt. "Dreißig Millionen Dollar nach Steuern? Ich würde darüber nachdenken müssen", meinte der Miami-Guard.

Die Beträge, die manche Spieler in Europa bekämen, seien unglaublich. Und es seien mittlerweile auch "Big-Time"-Spieler, die nach Übersee gingen, so Wade. "Das ist interessant."

"Wenn sie mir 40 Millionen Dollar nach Steuern anbieten, dann würde ich wohl hinüber gehen müssen", schloss Wade seinen Auftritt bei der US-Team-Pressekonferenz mit einem Lachen.

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