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Ex-Leichtathletik-Star Marion Jones spielt in der WNBA für Tulsa Shock © getty

Für die Ex-Sprinterin beginnt am Samstag das zweite sportliche Leben nach Doping-Skandal, Knast und Pleite: als Basketballerin.

Tulsa - Am Samstag beginnt für die frühere US-Starsprinterin Marion Jones offiziell die zweite Sport-Karriere.

Dann nämlich fängt für die überführte Dopingsünderin, die wegen Falschaussage unter Eid und Beihilfe zum Scheckbetrug sechs Monate im Gefängnis saß, die Saison in der amerikanischen Frauenbasketball-Profiliga WNBA an.

Im März, rund 18 Monate nach dem Ende ihrer Haftstrafe, hatte die 34-Jährige ihren Vertrag bei Tulsa Shock unterschrieben.

"Ich habe mich dazu entschieden, nicht zu verschwinden und in meinem Loch zu bleiben, sondern mich den Urteilen und der Kritik zu stellen", sagte Jones vor dem Auftakt gegen die Minnesota Lynx kämpferisch.

Comeback begeistert

Das Comeback der gefallenen Sprintkönigin scheint die Fans zu elektrisieren: Alle 7500 Tickets für die Partie sind verkauft.

"Ich denke, dass ich ein besserer Mensch bin als damals", sagte die dreifache Mutter, die von ihrem Klub in diesem Jahr das Minimalgehalt der WNBA von 35.000 US-Dollar erhält.

Die in akute Geldnot geratene Jones hatte ihre bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney gewonnenen Medaillen für Siege über 100 m, 200 und 4x400m sowie dritte Plätze im Weitsprung und mit der 4x100m-Staffel wegen ihrer Verwicklung in die Doping-Praktiken des kalifornischen Balco-Labors zurückgegeben.

"Der Wettkampf hat mir gefehlt"

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) erkannte ihr die Erfolge ab.

Für Jones steht nun allein der Sport im Vordergrund: "Das Training hat mir gefehlt, der Wettkampf hat mir gefehlt, das alles hat mir zu sehr gefehlt."

Als Korbjägerin kehrt Jones zu ihren sportlichen Wurzeln zurück. 1994 hatte sie mit den North Carolina Tar Heels als Stammspielerin den US-Collegetitel gewonnen.

Trainer Richardson zufrieden

Als eine Verletzung sie um einen Platz im US-Basketball-Team für Olympia 1996 brachte, konzentrierte Jones sich auf die Leichtathletik.

Im einzigen Vorbereitungsspiel für die neue Saison hatte Jones am vergangenen Sonntag gegen Seattle Storm in elf Minuten Spielzeit vier Punkte, drei Rebounds und zwei Steals verbucht.

Shock-Trainer Nolan Richardson ist mit der ältesten Spielerin seines Kaders zufrieden: "Auch wenn sie länger nicht gespielt hat, erinnert sie mich an ein Messer, das wieder schneidet, sobald es geschliffen wird. Das machen wir im Training."

Rampenlicht nicht das Ziel

Die ehemals schnellste Frau der Welt betonte, die neue Sportart sei für sie keineswegs nur ein Mittel, um in die Öffentlichkeit zurückzukehren: "Wenn ich es still und leise hätte machen können, wäre es toll gewesen. Doch wenn es um mich geht, ist es niemals wirklich leise."

Obwohl Jones nach eigener Aussage noch einige Zeit brauchen wird, um das Basketball-Gefühl aus ihrer College-Zeit wiederzufinden, wirkte sie fit und angriffslustig: "Es ist mir nie in den Sinn gekommen, darüber nachzudenken, ob ich im Wettkampf bestehen kann oder ob ich talentiert genug zum Laufen oder Basketballspielen bin."

Im Training vor dem Spiel wirkte sie wie befreit. Sie alberte mit ihren Teamkolleginnen herum und versicherte, sie habe sogar in ihrer dunkelsten Zeit im Gefängnis gewusst, dass dieser Tag kommen werde: "Ich war mir sicher, dass ich irgendwann wieder glücklich und zufrieden sein würde. Nur wohin mein Weg mich führen würde, war eine Überraschung."

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