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Für NBA- und Jordan-Fan Uli Hoeneß (l.) gab es ein neues Trikot mit der Nummer 23 © imago

Dirk Bauermann und Uli Hoeneß geben den Startschuss für die Mission Aufstieg der Bayern-Basketballer. Die Erwartungen sind groß.

Von Matthias Becker

München - Die Sporthalle des FC Bayern war dann doch ein wenig zu groß, als dass Dirk Bauermann sie mit seiner Ausstrahlung komplett ausfüllen konnte.

Aber dafür hatte der neue Trainer des Münchner ProA-Teams - und des wahrscheinlich spannendsten Basketball-Projekts seit vielen Jahren - ja auch noch Verstärkung dabei.

Uli Hoeneß hatte sich beim, passend zum Fußball-Rekordmeister als "Kickoff" bezeichneten, Presse-Event an Bauermanns Seite gesellt und lobte den Coach in den höchsten Tönen.

Anfang April habe er den Nebenraum eines Münchner Restaurants zum Abendessen betreten, um über das Basketball-Projekt der Bayern zu sprechen.

Bauermann war auch da. "Ich hatte das Gefühl, der Raum ist voll", erinnert sich Hoeneß an die Begegnung.

Binnen zehn Minuten habe er die Bauchentscheidung getroffen: "Das machen wir."

Real und Barca als Vorbild

Und wenn die Bayern etwas machen, dann machen sie es richtig. In den vergangenen Monaten haben die Münchner sechs neue Spieler verpflichtet, darunter Nationalspieler Demond Greene.

"Wir können mit dem Basketball eine zweite starke Sportart beim FC Bayern etablieren", weiß Hoeneß, der als Vorbilder Real Madrid oder den FC Barcelona nennt: "Dafür wollen wir alles tun." (Bauermanns Vision vom Balkon)

Das Ziel ist klar definiert. Den "klaren und direkten Aufstieg" fordert Bauermann. Und auch Hoeneß macht klar: "Das muss jetzt innerhalb eines Jahres fliegen. Deshalb wird auch nicht gekleckert, sondern geklotzt." (DATENCENTER: Die ProA)

Der Etat der Basketballer wird deutlich erhöht und dürfte weit über dem der Konkurrenz liegen. Dafür der geht der Verein Bayern München auch "ein gewisses finanzielles Risiko ein", wie Hoeneß berichtet.

Hoeneß als Türöffner

Um dieses Risiko möglichst klein zu halten, haben die Bayern in den vergangenen Wochen aber viele Weichen gestellt. Hoeneß nutzte seine zahlreichen Kontakte, um als Türöffner in der Wirtschaft aktiv zu werden.

Das Tochterunternehmen eines Partners der Fußballer wurde als Hauptsponsor ins Boot geholt. Der Ausrüster der Kicker liefert Sportkleidung und beteiligt sich auch finanziell.

"Was wir tun konnten, haben wir getan", stellt Hoeneß fest: "Mit Dirk Bauermann haben wir den deutschen Trainer schlechthin verpflichten können und wir haben eine sehr attraktive Mannschaft."

Bauermann bereit für Doppelbelastung

Vor allem der Headcoach sprüht vor Tatendrang, auch wenn er sich momentan ja noch in seinem zweiten Job als Bundestrainer mit dem DBB-Team auf die WM in der Türkei vorbereitet.

Die Doppelbelastung, 2008 noch Grund für seinen Abschied aus Bamberg, ist kein Problem mehr. "Man muss die Energie haben, zwei so wichtige und schwierige Aufgaben mit allem was man hat anzugehen", erklärt Bauermann auf Nachfrage von SPORT1.

Dieser Verantwortung könne man nur gerecht werden, "wenn der Akku voll ist - und das ist er bei mir nach zwei Jahren wieder."

"Atmosphäre wird aufgeheizt sein"

Im Gespräch wird klar, was Hoeneß damals beim ersten Zusammentreffen mit Bauermann beeindruckt hat. Mit der gesunden Bräune aus dem DBB-Trainingslager auf Mallorca strahlt Bauermann Selbstvertrauen und natürliche Autorität aus.

Er ist sich bewusst, was seine Spieler bei den Gastspielen in den Hallen der Zweiten Liga erwartet - bei aller Freude der Konkurrenten über das neue Zugpferd für den deutschen Basketballsport.

"Man darf die Zweite Liga überhaupt nicht unterschätzen, sie hat etwas sehr Unberechenbares. Vor allem auswärts wird die Atmosphäre in den Hallen extrem aufgeheizt sein", sagt Bauermann, der sich aber sicher ist:

"Uns wird nichts aufhalten. Es wird schwer, aber es wird gelingen."

Leistung, Herzblut, Demut

Einen amerikanischen Aufbauspieler wird Bauermann noch dazu bekommen. Genauso wichtig wie die sportlichen Qualitäten seines Teams sind ihm aber auch die charakterlichen Eigenschaften der Spieler.

Nur so könne das Projekt, eine weitere Profi-Sportart neben Fußball in München zu etablieren, erfolgreich sein:

"Die Menschen müssen in die Halle kommen, weil sie wissen, dass sie Leistung, Herzblut und Demut für ihr Geld geboten bekommen."

Der Traum von Nowitzki

Ob die Bayern den Fans irgendwann auch die größte deutsche Basketball-Attraktion, Dirk Nowitzki, präsentieren wird, kann Bauermann noch nicht sagen.

"Dirk hat in Dallas noch vier Jahre Vertrag, dann ist er 36. Ganz abgelehnt hat er es nicht", sagte Bauermann mit einem Schmunzeln über ein Gespräch, dass er jüngst mit dem Superstar geführt hat.

Doch nicht nur Uli Hoeneß wird sich sicher sein: Wenn einer Nowitzki in die Beko BBL locken kann, dann dieser Bauermann.

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