DBB-Trainer Dirk Bauermann verunglückte auf dem Weg zum Training schwer. SPORT1-Redakteur Wolfgang Kleine erinnert sich.

Dirk Bauermann wirkt heute souverän. Der Bundestrainer will bei der am Samstag beginnenden Basketball-WM mit der deutschen Nationalmannschaft die Außenseiterrolle nutzen.

Der gebürtige Oberhausener hat mit der DBB-Auswahl schon viele schöne, aber auch einige negative Dinge erlebt.

Doch das wohl schlimmste Erlebnis während seiner Basketball-Karriere hatte der damals 39-Jährige am 22. September 1997.

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Bauermann war Cheftrainer von Meister Bayer Leverkusen. Er fuhr an dem Morgen wie so oft schon von seiner Wohnung in Köln-Weiden über die Autobahn A1 mit seinem Mercedes in Richtung Leverkusen zur Wilhelm-Dopatka-Sporthalle. Das Europacup-Spiel der Bayer-Riesen im bosnischen Tuzla stand bevor.

Plötzlich geschah es. Bauermann fuhr über die Leverkusener Autobahnbrücke auf der linken Spur, als er bei Tempo 90 von einem Ford gerammt wurde. Bauermann konnte den Mercedes nicht mehr beherrschen, der Wagen kam ins Schleudern und überschlug sich mehrmals.

Bauermann bangte um sein Leben. "Ich dachte im Moment des Crash, es sei aus. Der Notarzt sagte mir dann, ich sollte jetzt noch einmal meinen Geburtstag feiern. Ohne den Sicherheitsgurt hätte ich wohl nicht überlebt." So schilderte der Chefcoach dem Kölner "Express" voller Euphorie und voll des Glücks, überlebt zu haben, die Situation.

Bauermann hatte, wie durch ein Wunder, nur Schnittwunden an der rechten Hand erlitten. Der Mercedes dagegen war Schrott.

So entschloss er sich, seine Mannschaft zum Europacup-Spiel nach Tuzla zu begleiten. Doch dann erlebte Bauermann das, was viele andere schon bei solch einem schrecklichen Unfall erlebten: Nach dem Stimmungs-Hoch kommt der Zusammenbruch.

Mit dem Team flog er noch bis Zürich. Die Mannschaft sollte in die Maschine nach Sarajevo umsteigen. Doch da geschah es: Bauermann erlitt einen Nerven-Kollaps. Er konnte nicht mehr. An einen Weiterflug war nicht mehr zu denken. Der Coach rief seinen Klub-Manager Otto Reintjes in der Geschäftsstelle an: "Es geht nicht mehr. Ich kann nicht."

Reintjes ließ Bauermann sofort nach Leverkusen zurückkommen: "Dirk war Stunden nach dem Unfall noch euphorisch, weil er das alles überlebt hatte. Doch wenige Stunden vor dem Abflug zeigten sich die psychischen Nachwirkungen", erklärte Reintjes. "Ich habe ihm gesagt, dass er sofort nach Hause fliegen soll und dass ich ihn in den nächsten Tagen nicht beim Training sehen will."

Die Mannschaft zeigte in Tuzla eine Trotzreaktion. Sie spielte für ihren Cheftrainer und gewann mit 81:78.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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