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Allen Iverson spielte insgesamt 14 Jahre in der NBA © imago

In der NBA war für Allen Iverson kein Platz mehr. Der elfmalige All-Star versucht bei Besiktas in der Türkei einen Neustart.

München/Istanbul - Als in der Halle die Lichter ausgingen und sich ein kleiner Spot auf das Parkett richtete, war für Allen Iverson der große Augenblick gekommen.

Der gefallene NBA-Star betrat seine neue Bühne, wurde von den Teamkollegen in die Mitte genommen und war wieder ganz in seinem Element.

Knapp drei Wochen nach seiner Vertragsunterzeichnung hat der ehemals wertvollste Spieler (MVP) der besten Liga der welt im Eurocup sein umjubeltes Debüt für Besiktas Istabul gegeben. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle des Eurocup)

Die Türkei ist für Iverson eine Chance, ein Neustart nach dem Karriereknick eines Hochbegabten, der sich in den letzten Jahren häufig selbst im Weg stand und im Sommer vergeblich in der Heimat nach einem Klub gesucht hatte.

Iverson selbstkritisch

"Die Tatsache, dass ich in keinem NBA-Team untergekommen bin, hat nichts mit meinen basketballerischen Qualitäten zu tun. Es liegt in erste Linie an mir, ich darf mich nicht beschweren", zeigt sich der mittlerweile 35-Jährige selbstkritisch.

Dennoch traf den Top-Draftpick von 1996 das Desinteresse der Klubs. "Das hat mich definitiv überrascht, wirklich überrascht", so Iverson.

Warum genau "The Answer" inzwischen für die Manager der NBA-Teams kein Thema mehr ist, erklärt er nicht. Zu den Gründen für seinen Absturz hat Iverson bis heute keine Stellung genommen.

In der Vergangenheit war im Zusammenhang mit dem NBA-Routinier aber immer wieder von Alkoholproblemen und Spielsucht die Rede.

Absturz begann in Detroit

Vor zwei Jahren, als es für "A.I." von den Denver Nuggets zu den Detroit Pistons ging, war die Welt des elfmaligen All-Stars aus den Fugen geraten.

Mehr als zehn Jahre hatte Iverson auch ohne Titelgewinn zu den unantastbaren Stars der Liga gehört, plötzlich kam er nicht mehr über den Status eines Ersatzspielers hinaus.

Iverson unternahm einen weiteren Anlauf bei den Memphis Grizzlies, nach nur drei Einsätzen wurde der Vertrag wieder aufgelöst.

Und als es auch bei seiner alten Liebe, den Philadelphia 76ers, nicht klappte, war das Ende der NBA-Karriere besiegelt.

Mysteriöse Erkrankung der Tochter

Kein Klub interessierte sich mehr für Iverson, nachdem dieser sich unter merkwürdigen Umständen von den Sixers verabschiedet hatte.

Erst ließ sich der 1,83 m kleine Guard wegen einer Erkrankung seiner Tochter freistellen, vier Wochen später reichte seine Frau die Scheidung ein.

Welche Krankheit die vierjährige Messiah hatte, ist bis heute nicht bekannt.

All das ist für Iverson Vergangenheit, dem Kind geht es "100 Prozent besser" und ein neues Kapitel hat begonnen.

"Ich werde akzeptiert"

Iverson hat das akzeptiert. "Ich wollte weiter in der NBA spielen. Jetzt muss ich aus meiner Situation einfach das Beste machen", sagt der neue Hoffnungsträger von Besiktas, der sich zwei Jahre an den Klub gebunden hat.

Drei Millionen Euro überweist der türkische Erstligist im Gegenzug an den Amerikaner.

"Die Fans und der Klub haben mich mit offenen Armen empfangen. Ich habe die richtige Entscheidung getroffen", sagt Iverson und betont immer wieder: "Ich werde akzeptiert."

Durchwachsenes Debüt

Dass der Start etwas holprig verlief, wird man ihm sicher verzeihen.

Nur einer von sechs Würfen aus dem Feld ging in den Korb, 15 Punkte standen am Ende der 91:94-Niederlage gegen die Serben von KK Hemofarm für den NBA-MVP von 2001 zu Buche.

Schon in der kommenden Woche kann es Iverson im Europapokal besser machen, auch wenn der Empfang in der Halle nicht ganz so laut ausfallen wird.

Am 23. November tritt Besiktas zum Auswärtsspiel beim Bundesligisten BG Göttingen an.

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