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Dirk Bauerman ist seit seit Sommer 2010 Coach von Uli Hoeneß' FC Bayern © imago

Dirk Bauermann spricht über seine schwierige Doppelfunktion, den Bayern-Präsidenten und den Machtwechsel in der Bundesliga.

Von Michael Spandern

München - Die Doppelfunktion als Nationaltrainer und Coach des FC Bayern München scheint Dirk Bauermann nicht zu belasten. Im Gegenteil, es läuft alles nach Plan.

Mit den Münchnern steht der 53-Jährige in der Pro A souverän an der Tabellenspitze (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) und kann allmählich schon für die Beko BBL planen.

Zudem steht für den Bundestrainer und die DBB-Auswahl die Olympia-Qualifikation an.

Bauermann kann sich dabei über die bestechende Form seines Star-Legionärs Dirk Nowitzki freuen, der mit seinen Dallas Mavericks in der NBA von Sieg zu Sieg eilt und mit 32845821.798 Punkten nun sogar in die Top 25 der besten Korbjäger vorgestoßen ist.

Allerdings könnte bei einem Aufstieg der Bayern das Regelwerk zuschlagen und Bauermanns Doppeljob beenden.

Im zweiten Teil des Interviews mit SPORT1 spricht Bauermann über seine Doppelfunktion, Bayern-Präsident Uli Hoeneß und den Machtwechsel in der Bundesliga. (Teil 1: "Für Dirk liegt immer ein Trikot bereit")

SPORT1: Herr Bauermann, im Falle eines Aufstiegs mit dem FC Bayern in die Beko BBL wäre da noch die Hürde Lex Bauermann, die einen Doppeljob als BBL-Klubtrainer und Bundestrainer verbietet. Zweifeln Sie daran, dass es da eine Ausnahmeregelung geben wird?

Dirk Bauermann: Ja sicher, da bestehen noch viele Zweifel. Das ist eine ganz besondere Situation. Es wird ja auch immer viel Kritisches über mich gesagt. Aber wenn mir einer wie Uli Hoeneß den Ritterschlag erteilt und sagt, das ist eine der interessantesten und überzeugendsten Persönlichkeiten im Sport, die ich je kennen gelernt habe, dann bedeutet das auch ein großes Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit. Ich weiß es nicht sicher, aber es könnte sein, dass es in die Richtung geht: FCB nicht ohne Bauermann. Das ist schwierig für alle Beteiligten, aber es ist auch eine große Chance.

SPORT1: Könnten Sie sich denn vorstellen, Ihre Arbeit als Bundestrainer zu beenden?

Bauermann: Momentan ist es undenkbar, die Nationalmannschaft zu verlassen. Wir haben zwei Jahre lang hart gearbeitet mit den jungen Spielern, wir haben die Olympia-Quali vor der Brust. Ich glaube, auch für Dirk Nowitzki und Chris Kaman ist eine Kontinuität auf der Trainerposition wichtig. Insofern ist es nicht vorstellbar, dass ich jetzt aufhöre. Ich hoffe, dass nicht ich und die übertriebenen Befürchtungen für die Beteiligten eine Rolle spielen. Es muss einfach das Interesse an der Weiterentwicklung der Sportart im Fokus stehen. Das wäre mein Wunsch. Sicher geht eine Lösung wie in Bamberg, bei der ich vier Jahre lang beide Positionen ausgefüllt habe, nicht mehr. Es geht um kurz- bis mittelfristige Lösungen.

SPORT1: Verstehe ich es richtig, dass Ihr Herz mehr am Nationaltrainer-Posten als an den Bayern hängt?

Bauermann: Die beiden Dinge lassen sich nicht vergleichen. Mein Herz hängt an der Nationalmannschaft, den jungen Spielern und natürlich auch an Dirk, keine Frage. Aber anderseits darfst du als Basketball-Chefcoach nur acht Wochen im Jahr Trainer sein. Das war ein Grund für mich in die Pro A zu gehen. Ich hätte es für keine andere Situation gemacht. Die Aufgabe beim FCB ist eine besondere. Ich möchte auch mittelfristig nicht vor diese Entscheidung gestellt werden, zwischen dem FC Bayern und dem Nationalteam wählen zu müssen. Das ist, als ob man sich zwischen Heidi Klum und Tyra Banks entscheiden müsste.

SPORT1: Liga-Boss Jan Pommer erinnert, dass Sie in einer Doppellösung mehr Einfluss auf Schiedsrichter und mehr Zugkraft bei deutschen Spielern hätten und dass beide Jobs nicht zu vereinbaren wären. Was sagen Sie dazu?

Bauermann: Diese Argumente nehme ich sehr ernst. Es ist wie gesagt richtig, dass die beiden sehr anspruchsvollen Aufgaben schwer nebeneinander umzusetzen sind. Kurzfristig ja, aber nicht über einen längeren Zeitraum. Was die Schiedsrichter angeht, glaube ich, dass es zwei gegensätzliche Effekte gibt: Es gibt Schiedsrichter, die mir als Bundestrainer etwas mehr durchgehen lassen, aber andersherum gleich viele oder sogar mehr, die diesem Verdacht frühzeitig entgegensteuern, genauer hingucken und sagen: Du darfst dir hier gar nichts erlauben, du stehst hier unter besonderer Beobachtung. Nimm dich zurück. Dass Mannschaften sich benachteiligt fühlen, kommt immer wieder vor, wie bei ALBA Berlin im vorigen Jahr. Aber wäre ich damals bei einem Konkurrenten Trainer gewesen, wäre dies instrumentalisiert worden und man hätte den Bundestrainer-Job vorgeschoben.

SPORT1: Aber einen Vorteil bei Rekrutieren der Deutschen haben Sie schon?

Bauermann: Nach meiner Erfahrung, entscheiden Spieler eher nach anderen Argumenten: Wie geht der Trainer mit jungen Spielern um, wie viel Spielzeit bekomme ich, wie steht der Verein wirtschaftlich da. Außerdem gibt es mittlerweile viele Trainer in Deutschland, die an deutschen Spielern interessiert sind, sie entwickeln und ihnen vertrauen. Ich denke, dass ich sogar im Nachteil wäre: Über eine lange Saison gibt es zwischen Spielern und Trainern gibt es immer mal Reibungspunkte, und denen wollen Nationalmannschaftskandidaten eher entgehen. Auch fallen bei intensivem Training mehr mögliche Defizite auf, als wenn ich als Bundestrainer Spieler nur bei fünf sechs Partien im Jahr und der Vorbereitung sehe. Ich glaube, es gibt kein Argument, dass eine Doppellösung verbietet.

SPORT1: Sie sprachen ALBA an. Die Berliner haben in der Beko BBL drei Niederlagen in Folge kassiert, in Bamberg die höchste Pleite ihrer Klubgeschichte. Muss man sich um das Aushängeschild des deutschen Basketballs Sorgen machen?

Bauermann: Zuerst mal muss man sagen, dass sich inzwischen Bamberg mit drei Meisterschaften in den letzten fünf Jahren zu Recht das Aushängeschild des deutschen Basketballs nennen darf. ALBA ist sicher ein großer Name, und natürlich ist niemand mehr enttäuscht über die Niederlagen als die Verantwortlichen selbst. Aber ALBA hat so große Konstanz und Potential auf allen Ebenen, dass sie sich von dieser Krise erholen werden.

SPORT1: Abschließend, mit den Augen des Bundestrainers: Welche Deutschen machen in dieser Saison den größten Schritt nach vorn?

Bauermann: Den größten Schritt machen derzeit wohl die, die bisher mehr in der zweiten Reihe standen. Ludwigsburgs Johannes Lischka spielt eine sehr gute Saison, Philip Zwiener hatte zwei schwere Jahre und spielt jetzt in Trier ebenfalls sehr überzeugend. Bremerhavens Philipp Schwethelm hat sich aus meiner Sicht noch mal gesteigert, obwohl er schon in der vorigen Saison eine sehr wichtige Rolle bei Bremerhaven einnahm. Dass diese Spieler richtig Druck auf die Etablierten machen, ist gut so. Aber auch Robin Benzings Leistungen in Ulm sind sehr erfreulich, Bambergs Tibor Pleiß entwickelt sich sichtbar weiter. Insofern kann man sehr zufrieden sein.

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