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Jan Jagla nahm mit dem DBB-Team an den Olympischen Spielen 2008 in Peking teil © imago

Nach seinem Wechsel zu Türk Telekom spricht Jan Jagla über seine Zeit in Gdynia, seine Aussichten in Ankara und im Nationalteam.

Von Michael Spandern

München - Und wieder geht der vielleicht beste deutsche Basketballer außerhalb der NBA den Bundesligisten durch die Lappen.

Jan Jagla, Topscorer des DBB-Teams bei der WM 2010, wechselt von Asecco Prokom Gdynia zu Türk Telekom nach Ankara, wo der Power Forward bereits 2006/07 seine Zelte aufschlug.

Von 2001 an, als der Berliner in die NCAA ging, spielte er nur eine Saison in Deutschland, und kritisierte die Beko BBL noch vor einem Jahr heftig.

Im Interview der Woche von SPORT1 revidiert der 29-Jährige nun seine Meinung und hält sich eine Rückkehr in die Bundesliga bereits im Sommer offen.

Zudem spricht Jagla über seine Gründe, Gdynia zu verlassen, den Einfluss seines Nationalteam- und jetzt auch Klubkollegen Heiko Schaffartzik beim Wechsel und seine Aussichten bei der EM 2011.

SPORT1: Herr Jagla, vor dieser Saison sagten Sie, sie seien in Gdynia sehr zufrieden. Noch vor Ende der Hinrunde verlassen Sie Asecco Prokom. Weshalb?

Jan Jagla: Ich glaube, das lag einfach daran, dass wir in der Euroleague nicht unter die letzten 16 gekommen sind. Und da es in der polnischen Liga die Regel gibt, dass immer zwei Polen auf dem Feld sein müssen, war es für mich einfach schwierig. Und da sich im Klub jetzt einiges ändert und ich zu diesem Zeitpunkt auch ein, zwei ganz gute Angebote auf dem Tisch hatte, habe ich gefragt, ob ich derjenige sein kann, der geht.

SPORT1: Was hat dazu geführt, dass Sie in nur zwei Ligaspielen aufs Feld kamen?

Jagla: Da Gdynia auch einen polnischen Power Forward - Robert Witka - hat und ich auch sehr viel in der Euroleague gespielt habe, hat der Coach mich in der polnischen Liga oft geschont, weil er gesagt hat: "Ruh dich lieber aus für die Euroleague. Das Spiel gewinnen wir eh!"

SPORT1: Zwei der fünf Spiele ohne Sie hat Asecco Prokom aber nicht gewonnen?

Jagla: ?nein, hat es nicht.

SPORT1: Sind Sie enttäuscht, dass der Klub nicht stärker auf Sie gesetzt hat?

Jagla: Nein, eigentlich nicht. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich sehr zufrieden war und es ein toller Verein ist, der auf hohem Niveau spielt. Was mich jedoch enttäuscht hat, war, dass wir es nicht geschafft haben uns für die nächste Runde in der Euroleague zu qualifizieren. Das war ganz klar unser Ziel, nachdem wir im Vorjahr im Viertelfinale standen.

SPORT1: Sie sprachen von mehreren Angeboten. Gab es auch Interessenten aus der Beko BBL?

Jagla: Ja, da waren auch einige Angebote aus der Bundesliga dabei, die sehr interessant waren.

SPORT1: "Interessant" klingt so, als ob Sie einen Wechsel in die Bundesliga, die Sie noch 2009 scharf kritisiert hatten, nicht mehr kategorisch ausschließen?

Jagla: Auf gar keinen Fall. Die Bundesliga entwickelt sich und ich glaube auch, dass deutsche Spieler immer besser integriert und vom Management immer besser gefördert werden. Beispiele sind Ulm, Trier oder ähnliche Mannschaften, die ja gute deutsche Spieler hervorbringen und mit denen gut arbeiten. Was ich damals gesagt habe, war zu dem Zeitpunkt richtig. Ich meine aber auch, dass sich in den letzten zwei Jahren einiges getan hat. Die BBL wird für viele Spieler immer attraktiver.

SPORT1: Wie lange haben Sie sich an Türk Telekom gebunden?

Jagla: Erst mal nur bis zum Saisonende.

SPORT1: Haben Sie eine Option zu verlängern?

Jagla: Nein, wir werden jetzt erstmal die Saison durchspielen und dann werde ich gucken, was ich weiter mache. Natürlich ist auch die Euroleague ein Ziel für mich, aber auch die Bundesliga. Aber für das nächste Jahr gibt es jetzt noch keinen konkreten Planungen.

SPORT1: Was kann Türk Telekom mit Ihnen erreichen?

Jagla: Das Team hat mittlerweile schon den dritten Trainer. Am Anfang der Saison gab es hier auch einige Probleme, das hat sich jetzt aber geändert. Es wurden einige Spieler ausgetauscht. Wir müssen uns jetzt als Mannschaft finden, die Playoffs sind auf jeden Fall unser Ziel.

SPORT1: Auf internationaler Bühne geht es auch bei Ihrem neuen Klub nicht weiter. Was reizt Sie dennoch?

Jagla: Die türkische Liga ist mittlerweile unter den besten zwei oder drei Ligen Europas angekommen. Und wenn man gegen Teams wie Fenerbahce, Efes und Galatasaray spielt, ist das immer eine große Herausforderung.

SPORT1: Welchen Einfluss hat Heiko Schaffartzik bei dem Wechsel genommen?

Jagla: Heiko kenne ich schon sehr lange, und er ist auch ein guter Freund von mir. Ob er dort spielt oder nicht war für mich aber nicht wirklich ausschlaggebend. Aber natürlich ist es immer schön, wenn man einen alten Bekannten im Team hat, der einem den Einstieg erleichtert.

SPORT1: Haben Sie im Vorfeld mit ihm kurz telefoniert?

Jagla: Ja, klar. Wir standen über die gesamte Saison in Kontakt und haben viel geredet, noch bevor meine Personalie zur Debatte stand.

SPORT1: Wie kam Ihr Name in Ankara ins Gespräch?

Jagla: Den neuen Head Coach - Timucin Meric - kenne ich noch von meinem ersten Engagement hier. Ich habe mich damals immer sehr gut mit ihm verstanden und auch viel mit ihm individuell gearbeitet. Als er dann mitten in der Saison befördert wurde, hat er sich bei mir gemeldet und dann haben wir einen Weg gefunden, dass ich zurückkomme.

SPORT1: Hat sich auch Dirk Bauermann mal als Klubtrainer des FC Bayern bei Ihnen gemeldet?

Jagla: Nein, Dirk Bauermann ist ja erst mal in der Zweiten Liga tätig. Ich nehme an, dass er sich erstmal damit beschäftigt, diesen großartigen Verein mit der langen Tradition im Fußball in die BBL zu führen. Ich glaube nicht, dass er schon große Planungen darüber hinaus anstellt.

SPORT1: Denken Sie denn schon bis zum Sommer und zur EM in Litauen voraus?

Jagla: Die ist für mich noch in weiter Ferne. Man kann ja noch nicht wirklich sagen, welche Spieler dabei sein werden. Ich glaube auch, dass in der Trainerfrage noch einige Entscheidungen fallen werden, weil die BBL ja nicht will, dass ein Vereinstrainer auch Bundestrainer wird. Daher versuche ich mich erst mal komplett auf den Verein zu konzentrieren.

SPORT1: Stört es Sie, womöglich wieder Reservist zu werden, wenn Dirk Nowitzki und Chris Kaman zurückkommen?

Jagla: Nein, ich bin immer ein Spieler gewesen, der sagt: Ich versuche der Mannschaft das zu geben, was ich ihr geben kann. In welcher Form, muss man im Sommer wieder neu einschätzen. Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.

SPORT1: Rechnen Sie denn damit, in Ankara zum Starter zu werden?

Jagla: Auch in der Türkei gibt es ja Regeln, wie Ausländer eingesetzt werden dürfen. Es dürfen nur fünf im Zwölferkader stehen, und zwei Türken müssen auf dem Feld stehen. Ich glaube aber schon, dass ich ein wichtiger Teil des Teams werde und von Anfang an spiele.

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