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Dirk Bauermann wurde von 1990 bis 1996 sieben Mal Meister mit Leverkusen © getty

Mission erfüllt, der FC Bayern ist erstklassig. Bei SPORT1 erklärt Dirk Bauermann, worauf es in den nächsten Wochen ankommt.

Von Andreas Kloo

München - Real Madrid hat eine. Der FC Barcelona sowieso. Und der FC Bayern München jetzt auch.

Natürlich sind diese drei klangvollen Klubs zuallererst für ihre ruhmreichen Kicker bekannt. Deutschlands Fußball-Krösus ist aber gerade auf dem besten Wege, auch auf einem anderen Feld mit seinen spanischen Konkurrenten gleichzuziehen.

Am Wochenende haben die Basketballer von Bayern München mit dem 69:58 (41:28)-Erfolg bei den Crailsheim Merlins den Aufstieg in die Beko BBL perfekt gemacht.

Dass den Münchnern die Rückkehr in die Erstklassigkeit nach über 20 Jahren nicht reicht, hat Bayern-Präsident Uli Hoeneß schon mehrfach kundgetan. Der FC Bayern will auch mit seinem zweiten sportlichen Standbein ganz flott ins internationale Geschäft.

Eine Aufgabe für Dirk Bauermann. Im Interview mit SPORT1 spricht er über die Feierlichkeiten nach dem Aufstieg, die Entwicklung des Basketballs in München und über die Diskussion um seine Doppelfunktion als Vereinstrainer und Nationalcoach.

SPORT1: Herr Bauermann, haben Sie es nach dem Aufstieg so richtig krachen lassen?

Bauermann: Die Spieler haben gefeiert, ich nicht so wirklich. Steffen Hamann hat das alles organisiert. Wenn man so hart arbeitet, so konsequent und erfolgreich ein Ziel verfolgt, muss man auch mal feiern dürfen. Das haben sie jetzt auch ausgiebig getan. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

SPORT1: Ihr Team war gleich zu Saisonbeginn Favorit. Haben Sie immer daran geglaubt, dass es klappt, oder gab es auch mal Zweifel, als sie viele Verletzte hatten?

Bauermann: Ich war mir immer sicher, dass wir unser Ziel erreichen. Natürlich gehören Phasen mit Verletzten oder mit Sand im Getriebe auch dazu, aber deshalb verliert man nicht das Vertrauen in die Mannschaft und die eigenen Fähigkeiten.

SPORT1: Auch so unangefochten, wie es nun der Fall ist?

Bauermann: Dass das so überzeugend, zu so einem frühen Zeitpunkt und mit 18 hintereinander gewonnenen Spielen passiert ist, dafür muss man der Mannschaft ein großes Lob zollen. Selbst als Favorit ist so etwas nie selbstverständlich. Der Druck ist dann nämlich so groß, dass die anderen immer ihre Spiele des Jahres oder des Jahrzehnts gegen uns machen. Man durfte sicher von uns erwarten, dass wir aufsteigen - aber dass dies so souverän passiert, ist schon schön. (DATENCENTER: ProA)

SPORT1: Haben Sie mit einem so großen Zuschauerinteresse gerechnet?

Bauermann: Nein, das habe ich nicht so erwartet. Das Präsidium hat ja, damit sie den Eindruck haben, dass Basketball in München funktioniert, zunächst einmal definiert: 2000 plus sollten es sein. Als Uli Hoeneß dann immer von 2500 gesprochen hat, habe ich schon versucht, intern zu bremsen.

SPORT1: Warum das denn?

Bauermann: Im Vergleich zum Vorjahr war es die gleiche Liga, aber ein anderer Anspruch. Dass es so sensationell funktioniert hat, alle Spiele bisher ausverkauft waren, und dazu diese Riesennummer in der Olympiahalle, ist schon ganz besonders. Und es zeigt auch, welches Potenzial Basketball im Großraum München besitzt.

SPORT1: Das Problem ist nur, dass die aktuelle Halle für die Beko BBL zu klein wäre. Ist da schon eine Lösung in Sicht?

Bauermann: Es gibt sehr intensive Gespräche mit der Stadt über die Rudi-Sedlmayer-Halle, in der Basketball bei den Olympischen Spielen 1972 gespielt wurde. Es ist eine sehr schöne Rundsporthalle, in der man von überall gut sieht und die mit einem Fassungsvermögen von um die 7000 eigentlich ideal ist.

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SPORT1: Eigentlich...

Bauermann: Ja, es gibt einen Königsweg, aber in dieser älteren Halle muss man auch einige Veränderungen vornehmen. Ich hoffe, dass das bis zum Ende der Woche eine positive Lösung findet. Aber durch sind wir mit der Halle noch nicht.

SPORT1: Gibt es überhaupt Alternativen dazu?

Bauermann: Dazu bin ich im Thema zu wenig drin. Aber so wie ich es verstehe, muss es schon die Rudi-Sedlmayer-Halle sein. Sonst könnte es schwierig werden.

SPORT1: Wie könnte man die aktuelle Mannschaft in der Beko BBL einordnen? Um den Klassenerhalt würde es mit ihr ja wohl nicht gehen.

Bauermann: Sie wären sicherlich eine Mannschaft, die auch mit um die Playoff-Plätze kämpfen würde. So viel Qualität hat sie sicher.

SPORT1: Reicht das dem FC Bayern oder legen Sie jetzt personell nach?

Bauermann: Wir müssen jetzt erstmal abwarten, ob wir das Hallenproblem lösen können. Dann müssen wir mit Bernd Rauch (Vizepräsident FC Bayern, Anm. d. Red.) und Uli Hoeneß abstimmen: Welche Ziele haben wir für die nächsten drei oder fünf Jahre? Welche wirtschaftlichen Bedingungen sind dafür sicherzustellen? Wenn man diese Eckpfeiler gesetzt hat, muss man sich überlegen und analysieren: Mit welchen Spielern kann man diese Ziele erreichen.?

SPORT1: Aber einige Spieler haben Sie doch im Hinterkopf, oder?

Bauermann: Ich werde den Teufel tun, vor dem letzten Spieltag auch nur über einen Namen möglicher Neuzugänge zu philosophieren. Die Jungs, die hier sind, haben einen so tollen Job gemacht, dass dies nicht in Ordnung wäre. Andere können das machen - aber sich als Trainer an solchen Dingen zu beteiligen, werde ich nicht machen. Wir spielen die Saison mit dieser Mannschaft, hoffentlich weiter ungeschlagen, zu Ende - alles andere danach.

SPORT1: Wie geht es mit Ihnen weiter? Hat sich die Beko BBL schon gemeldet? (KOMMENTAR: Der Ball liegt bei der Beletage)

Bauermann: Nein, aber sie muss sich auch nicht bei mir melden. Ich bin beim DBB unter Vertrag. Und wenn der mich nicht freigestellt hätte, weil er diese große Chance für den Basketball erkannt hat, dann wäre das alles nicht so gekommen. Aber die Verantwortlichen des DBB und der BBL, die vor zwei Jahren das Doppelverbot beschlossen haben, müssen sich zusammensetzen und eine Lösung finden. Wobei ich optimistisch bin, dass sie das tun werden.

SPORT1: Haben Sie sich für die persönliche Planung eine Deadline gesetzt, bis wann alles geklärt sein muss?

Bauermann: Sicher, wobei es nicht auf ein oder zwei Tage ankommt. Vor allem der FC Bayern, aber auch der DBB - im Sommer werde ich die Nationalmannschaft betreuen - brauchen Planungssicherheit. Insofern muss das in den nächsten zwei bis vier Wochen geklärt sein.

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