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Nur noch die Bayern? Dirk Bauermann deutete zuletzt eine leichte Präferenz an © getty

Verhärtete Fronten: Der Verband sieht "kein Problem" in Bauermanns Ämterunion. Die BBL schiebt einem Hin und Her den Riegel vor.

Von Michael Spandern

München - Der Kampf um Dirk Bauermann nimmt Fahrt auf.

Nachdem die Beko BBL am Sonntag noch einmal auf ihr Doppel-Trainerjob-Verbot pochte und ein fortgesetztes Hin und Her zwischen dem FC Bayern und dem Nationalteam als "Umgehungstatbestand" einstufte, hat der Deutsche Basketball-Bund offenbar genau das vor.

"Er wird die EM in Litauen als Bundestrainer machen. Anschließend kann er ohne Probleme bis Juni 2012 als Bayern-Trainer arbeiten", zitiert die "Bild" den DBB-Präsidenten Ingo Weiss.

"Und selbst, wenn er dann Deutschland bei Olympia in London vertreten will, so wird es dafür eine Lösung geben", kündigte der Verbands-Chef vollmundig an.

"Das wird es nicht geben"

Daraufhin erhielt er umgehend einen Anruf vom überraschten Liga-Präsidenten Thomas Braumann.

Ein (erneuter) Acht-Monats-Vertrag für Bauermann bei den Münchnern? "Das wird es nicht geben", stellte er klar.

Das widerspräche der Sporthygiene und sei eine "Taschenspieler-Mogelei", hatte Beko-BBL-Geschäftsführer Jan Pommer am Rande des Top Four in Bamberg erklärt.

Schließlich gäbe es gute Gründe, dass die Spielordnung seit der Saison 2008/09 und eben auch aus Anlass der damaligen Ämterunion Bauermanns in Paragraph 3.2 vorschreibt: "Trainer und Co-Trainer eines Bundesligisten dürfen nicht haupt- oder nebenamtlich als Verbandstrainer inländische nationale Auswahlmannschaften betreuen."

Doppeljob-Verbot: Ein Alleingang der BBL?

Doch so gut sind die Gründe aus Sicht des DBB nicht: "Wir halten eine Doppelfunktion für in Ordnung", sagte Generalsekretär Wolfgang Brenscheidt zu SPORT1. "Jede Seite hat Argumente, die sie für die besseren hält."

Brenscheidt, der sich am Dienstag in Hagen mit Bauermann-Manager Patrick King getroffen hat, betont, dass das Verbot "nicht in Absprache mit uns" zustande gekommen sei,. Es sei "ein Beschluss, den alleine die BBL getroffen" habe.

Der Verband sei lediglich darüber informiert worden.

"Davon profitiert die gesamte Sportart"

Der Generalsekretär verweist auf Bauermanns bis 2013 gültigen Vertrag als Nationaltrainer; sein Kontrakt mit dem FC Bayern laufe dagegen Ende Mai aus.

Bisher habe der Aufsteiger in der Trainerfrage noch keine Gespräche mit dem DBB geführt, sondern wolle zuvor die Voraussetzungen fürs Oberhaus schaffen.

Doch die Verhandlungen werden kommen, und an der Einschätzung des Projekts FC Bayern Basketball hat sich beim DBB seit dem Sommer 2010, als er Bauermann hierfür freistellte, nichts geändert: "Davon profitiert die gesamte Sportart", so Brenscheidt.

Wie Tanjevic in der Türkei

Und anders als in anderen Sportarten sei der Spagat zwischen Vereins- und Nationalteam machbar, da der internationale Wettkampfkalender "keine Berührung mit nationalen Wettbewerben" hat.

Also sei es Bauermann, anders als der Boulevard bereits schreibt, nicht möglich, gegnerische Spieler in unbedeutenden Freundschaftspartien müde zu spielen.

Und schießlich leistete sich die Türkei in Bogdan Tanjevic ja auch drei Jahre lang einen Trainer, der während der Saisons den Renommierklub Fenerbahce Istanbul betreute.

Bauermann kann EM abwarten

Fest steht: Eine Entscheidung für die nächste Saison muss nach BBL-Statuten erst kurz vor dem ersten Spieltag am 3. Oktober fallen. Bauermann kann also die EM in Litauen (ab 31. August LIVE im TV auf SPORT1) abwarten, bevor er das Teilnahmerecht beantragt.

Das aber will er ganz und gar nicht: "Wir müssen mit Planungssicherheit in diesen Sommer gehen", sagte der 53-Jährige. "Es kann niemand wollen, es an diesem Paragrafen scheitern zu lassen. Jeder sollte ein Interesse daran haben, dass beide Dinge ermöglicht werden."

Brenscheidt ist nicht ganz so zuversichtlich wie Weiss, dass sich die Beko BBL dann auf einen Acht-Monats-Vertrag für den Bayern-Coach einlässt.

Aber gerade wenn dann noch Hoffnung auf die Olympia-Quali 2012 besteht, "werden wir versuchen, einen Weg zu finden".

Und dass sich die Liga dann neuen Gesprächen öffnet, "gebietet die langjährige Zusammenarbeit", meint Brenscheidt.

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