Der DBB zieht gegen die Bayern in eine nicht zu gewinnende Schlacht um Bauermann. Ein Leidtragender ist der neue Bundestrainer.

Die Schlacht ist geschlagen, der Deutsche Basketball-Bund steht als der große Verlierer da.

Monatelang hielt das Gezerre um Dirk Bauermann, der Leitfigur des hiesigen Basketballs, die Fans in Atem. Nun entschied sich der Bundestrainer, diesen Job vorzeitig aufzugeben und ab Oktober ausschließlich als Coach des Beko BBL-Aufsteigers FC Bayern München weiterzuarbeiten.

Zwar teilten DBB und FCB zeitgleich mit, diese Entscheidung sei bei einem Spitzengespräch gefallen. Doch dürfte es in München nur darum gegangen sein, Bauermann auf dessen Wunsch möglichst geräuschlos aus seinem bis 2013 währenden Vertrag zu herauszulassen.

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Der 53-Jährige war nach feststehendem Aufstieg gezwungen, eine Wahl zu treffen, da die Bundesliga einen Doppeljob nicht zulässt.

Doch der DBB - und eben das macht die Wucht der jetzigen Schlappe aus - wollte dies nicht wahrhaben, preschte in Person von Präsident Ingo Weiss wiederholt vor: Bauermann sei als Bundestrainer unverzichtbar, man wolle ihn bis 2022 halten und notfalls im Wechsel mit dem FCB unter Vertrag nehmen - außerhalb der Saison.

Im Kampf mit der Beko BBL sprach die gut begründete Regelung der Liga, im Buhlen mit den Bayern um Bauermann die Strahlkraft einer Weltmarke von vorneherein gegen einen Sieg des DBB.

Bauermann geht es zuvorderst um den Stellenwert und Aufmerksamkeit für seinen Sport - und da kommt er mit der nur wenige Spätsommerwochen im Jahr aktiven Nationalmannschaft kaum voran.

Ganz anders als Frontmann des schlagzeilenträchtigen FC Bayern: 34 Saisonspiele, dazu bis zu 15 Playoff-Duelle, bald wohl auch Partien auf europäischem Parkett.

Die Münchner um Präsident und Basketball-Fan Uli Hoeneß sollten sich aber nicht im Sieg sonnen: Sie haben Bauermann trotz bestehendem Vertrag mit dem DBB und im Wissen ums Doppeljob-Verbot im Oberhaus unter Beschlag genommen. Sie haben darauf gepocht, dass das Basketball-Projekt mit Trainer Bauermann steht und fällt - und damit die Schlacht ausgerufen.

Dass der Deutsche Basketball-Bund die Münchner Argumentationslinie, es gebe keine Alternative zu Bauermann, mehr oder weniger kopierte, ist fatal.

Besonders für den kommenden Bundestrainer: Er steht nun in der Außen- und wohl auch in der Selbstwahrnehmung als Notnagel da. Der Eindruck, dass in den Augen von DBB und FC Bayern nur ein Mann die beiden öffentlichkeitswirksamsten Posten bekleiden kann, wirft ein schlechtes Licht auf den Trainerstandort Deutschland.

Und das auch noch zu Unrecht, wenn man auf die Koch-Brüder, Sebastian Machowski oder die seit Beginn ihrer Coaching-Karriere in Deutschland tätigen John Patrick und Chris Fleming schaut.

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