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Jan Jagla (rechts) begann seine Profi-Karriere beim TuS Lichterfeld in Berlin © imago

Im SPORT1-Interview spricht Jagla über einen Wechsel in die Beko BBL, den FC Bayern, die EM in Litauen und Dirk Nowitzki.

Von Hardy Heuer

München - Die Europameisterschaft steht vor der Tür.

Und bei der deutschen Nationalmannschaft dreht sich momentan alles um eine mögliche Teilnahme von NBA-Champion Dirk Nowitzki (Aktuell: Erholt für die EM-Entscheidung)

Doch auch auf Jan Jagla kommt in der DBB-Auswahl eine wichtige Rolle zu.

Bevor es aber ins Trainingslager mit Bundestrainer Dirk Bauermann geht, muss der 31-Jährige entscheiden, in welcher Liga und bei welchem Verein er nach dem Turnier in Litauen spielen wird.

Derzeit deutet bei dem Power Foward alles daraufhin, dass er wieder in die Beko BBL zurückkehrt (DATENCENTER: Der Spielplan 2011/12).

Im SPORT1-Interview spricht Jagla über diverse Angebote, den FC Bayern, die EM, seine Rolle in der Nationalmannschaft und Dirk Nowitzki.

SPORT1: Herr Jagla, Ihr zweites Engagement bei Turk Telekom Ankara ist nach einem halben Jahr und dem Verpassen der Playoffs bereits wieder vorbei. Was sind die Gründe?

Jan Jagla: Es war nur ein Vertrag bis zum Ende der Saison. Es war nie geplant, dass es länger geht. In Polen waren einfach zu viele Spieler im Kader und es gibt Regeln, wie viele polnische Spieler auf dem Feld stehen müssen. Da hab ich gedacht, es wäre ganz gut für mich in die Türkei zu gehen, wo ich schon mal sehr erfolgreich war.

SPORT1: Nun rechnet die Fachwelt fest damit, dass Sie zum FC Bayern gehen, deren Trainer Dirk Bauermann Sie seit Jahren kennt und schätzt. Sind Sie eine der "zwei Raketen" (Bericht), die Uli Hoeneß am 21. Juli präsentieren will?

Jagla: Ich bin kurz vor dem Abschluss meiner Verhandlungen mit einem Verein und ich glaube, dass sich noch vor dem Trainingslager mit der Nationalmannschaft etwas tun wird. Zu diesem Zeitpunkt ist aber noch nichts fix.

SPORT1: Wie reizvoll wäre der FC Bayern für Sie?

Jagla: Bayern ist auf jeden Fall ein sehr interessantes Projekt. Sie stellen da etwas auf die Beine, was in Deutschland einmalig und auch in Europa auf lange Sicht sehr interessant ist. Und es ist auch ganz klar eine Mannschaft, mit der ich zurzeit rede.

SPORT1: Welche anderen Bundesligisten haben bei Ihnen angeklopft?

Jagla: Da waren schon einige dabei. Es sind auch Mannschaften dabei, mit denen ich zurzeit Gespräche führe - auch einige Mannschaften aus Italien und Spanien.

SPORT1: Am 22. Juli geht es mit dem Nationalteam ins Trainingslager nach Gran Canaria. Wie groß ist die Vorfreude auf den EM-Sommer?

Jagla: Die Freude ist auf jeden Fall groß. Es ist immer ein Highlight, die Jungs aus dem eigenen Land, mit denen man schon seit langen Jahren zusammenspielt, zu treffen und mit ihnen zu trainieren - auch die jungen Spieler, die auf internationaler Ebene sehr hungrig sind. In Berlin bereite ich mich derzeit auch auf die Verantwortung, die ich tragen werde, vor. Ich hoffe, dass wir im Trainingslager alle fit werden und bei der Europameisterschaft angreifen können. Wichtig ist, dass wir eine geschlossene Mannschaft finden, die sich ordentlich präsentiert.

SPORT1: Bei der WM im vorigen Jahr waren Sie nach dem Sensationssieg über Serbien für einen Tag Deutschlands Basketball-Held. Es folgten drei Niederlagen und das bittere Vorrunden-Aus. Was nehmen Sie persönlich vom Sommer 2010 mit in den jetzigen?

Jagla: Man muss immer noch sehen, dass es damals eine sehr junge Mannschaft gewesen ist, die dieses Jahr immer noch sehr jung sein wird. Es ist wichtig, dass man international Erfahrung sammelt und auch mal Erfolg hat, wie im Spiel gegen Serbien. Alle haben sich in der abgelaufenen Spielzeit weiterentwickelt und einen Schritt nach vorne gemacht. Ich hoffe, dass wir uns dieses Jahr für die nächste Runde und den erweiterten Kreis der Olympia-Teilnehmer qualifizieren.

SPORT1: In Litauen spielen Sie wahrscheinlich mit Nowitzki im Team, womöglich "nur" als sein Backup. Eine schwierige Umstellung für den Team-Topscorer von 2010?

Jagla: Nein, ich habe schon häufiger hinter Dirk gespielt. Ich denke, dass ich dennoch meine Einsatzzeiten bekommen werde, egal, ob Nowitzki oder Chris Kaman dabei sind. Das Wichtige ist, dass ich auch abseits des Spielfeldes Verantwortung trage.

SPORT1: Was wird anders sein?

Jagla: Ich werde in der Offensive anders agieren. Ich werde mehr zum Offensiv-Rebound gehen und mich viel mehr in der Defense präsentieren, anstatt am Ende der Scorer zu sein. Aber das ist in Ordnung, weil ich das schon seit Jahren mitmache. Man weiß ja aber auch noch nicht, ob Dirk kommt. Die Hoffnung ist natürlich, dass er dabei ist und wir das stärkste Team auf die Beine stellen können.

SPORT1: Bauermann hat in der Vergangenheit nur sehr kurz mal probiert, Sie und Nowitzki gemeinsam spielen zu lassen. Können Sie dem Bundestrainer diese Variante empfehlen?

Jagla: Wer mit wem in welcher Konstellation auf dem Feld steht, muss der Trainer entscheiden. Aber ich denke, dass ich zusammen mit Dirk erfolgreich spielen kann, weil wir beide die Positionen Vier und Fünf spielen und auch verteidigen können. Ich könnte mir schon vorstellen, dass der Trainer plant, mich und Dirk teilweise zusammenspielen zu lassen.

SPORT1: Haben Sie versucht, Nowitzki und/oder Kaman per SMS oder Anruf zu überreden, die EM zu spielen?

Jagla: Nein, ich glaube nicht, dass man die beiden überreden kann. Es wäre auch der falsche Weg. Die beiden wissen ja selber noch nicht genau, ob sie die EM spielen werden. Dirk hat immer betont, dass er schauen muss, wie sich sein Körper erholt. Wir hoffen natürlich alle, dass er sich schnell regeneriert und für uns im Sommer auf Korb-Jagd geht.

SPORT1: Gehen wir mal davon aus, dass Nowitzki kommt: Was ist drin für's deutsche Team?

Jagla: Ich kann nicht genau sagen, was passieren wird. Ich hatte in diesem Sommer selber noch keinen Kontakt zu ihm und weiß daher nicht, wie er sich fühlt. Die Hoffnung ist, dass er kommt und wir die Chance haben, uns mit ihm für Olympia zu qualifizieren.

SPORT1: Ist sogar der EM-Titel drin?

Jagla: Der Titel ist natürlich ein hohes Ziel. Es ist aber keins, das wir uns als Mannschaft stecken sollten. Wir sollten uns auf Ziele konzentrieren, die erreichbar sind und auch Erfolg versprechen. Das ist für uns die Olympia-Teilnahme im nächsten Jahr. Ob wir uns im nächsten Jahr nochmal neu qualifizieren müssen ist dabei egal. Wichtig ist, dass wir in den erweiterten Kreis kommen und die Chance wahren, dabei sein zu können.

SPORT1: Ein Blick zurück in die Türkei: Besiktas hat in der Vorsaison (den ehemaligen MVP) Allen Iverson geholt, hat nun die Zusage von (des zweimaligen All-Stars) Deron William und buhlt um (Superstar) Kobe Bryant (Bericht). Wer und was stecken hinter dieser Transfer-Offensive?

Jagla: Besiktas ist ein international erfolgreicher Klub. Es gibt einige reiche Leute im Hintergrund, die den Verein vorantreiben wollen. Wenn man es schaffen könnte, solche großen Namen aus der NBA zu verpflichten und im Falle eines Lockouts nach Europa zu holen, dann wäre das auch positiv für die Fans und die Vermarktung. Die Spieler, die Lust darauf haben und sich vorstellen können, in Europa zu spielen, sollen das auch machen. Ich glaube, dass das auch eine Variante ist, den Basketball in Europa nach vorne zu treiben und mehr Fans gewinnen zu können.

SPORT1: Glauben Sie, dass sich Kobe Bryant ein Engagement in Europa vorstellen kann?

Jagla: Ich glaube schon. Bei Bryant sieht man immer wieder, dass er hungrig ist und gerne Basketball spielt. Es geht ihm nicht nur ums Geldverdienen. Warum soll er sich eine längerfristige Pause ans Bein binden, die eventuell die ganze Saison andauern könnte. Auch in Europa wird guter Basketball gespielt und warum sollte so jemand sich nicht bei einem europäischen Verein fithalten und ihn nach vorne bringen.

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