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Marius Nolte erzielte in den 34 BBL-Partien im Schnitt sechs Punkte und drei Rebounds © imago

Vor den Viertelfinals gegen ALBA spricht Paderborns Marius Nolte über eine Pleite in Berlin und die Zukunft der klammen Baskets.

Von Michael Spandern

München - Tip-Off zu den BBL-Playoffs: In den Viertelfinals (Fr., ab 19.30 Uhr LIVESCORES) kommt es zu den spannenden Paarungen Göttingen gegen Bamberg, Oldenburg gegen Frankfurt und Bonn gegen Ulm.

Erstmals in ihrer Geschichte stehen auch die Paderborn Baskets in der K.o.-Runde: Das Team des scheidenden Trainers Doug Spradley setzte sich im dramatischen Saisonfinale mit 72:71 gegen den Tabellenzweiten Göttingen durch und sicherte sich Platz acht.

Nun geht es für die finanziell klammen Ostwestfalen in der Best-of-Five-Serie gegen Titelverteidiger und Pokalsieger ALBA Berlin. (ALBA sichert sich im Herzschlagfinale die "Pole")

Baskets-Kapitän Marius Nolte spricht im Sport1.de-Interview über die Turbulenzen in Paderborn, die Chancen gegen ALBA und einen gestrauchelten Titelanwärter. Zudem hat der 28-jährige Power Forward einen Rat für deutsche Talente.

Sport1.de: Herr Nolte, was bedeutet es für die Baskets und Paderborn, erstmals in den Playoffs zu stehen?

Marius Nolte: Drei Jahre nach dem Aufstieg und nach dieser turbulenten Saison ist das riesig. Und es schadet auf jeden Fall nicht, dass wir weiterhin in den Medien präsent sind. Vielleicht können wir Sponsoren überzeugen, doch noch in die Baskets zu investieren.

Sport1.de: Wann entscheidet sich denn, ob die Baskets weiterhin in der BBL spielen oder den Gang in die zweitklassige ProA antreten?

Nolte: Die Gesellschafter setzen sich in diesen Tagen zusammen, aber wann genau die Entscheidung fällt, hängt vielleicht auch davon ab, wie weit wir in den Playoffs kommen.

Sport1.de: Wie sehr belastet die wirtschaftliche Schieflage das Team?

Nolte: Wir haben versucht, dass so gut es geht von uns fernzuhalten und haben das letztlich ja auch erfolgreich geschafft. Aber als uns im Januar eröffnet wurde, dass unklar ist, ob es hier weitergeht, lagen die Nerven total blank. Bei der Niederlage in Nördlingen war uns das Durcheinander anzumerken. Keiner wusste, ob er hier in der nächsten Woche noch spielt. (DATENCENTER: Die Bundesliga)

Sport1.de: Dennoch steht der größte Erfolg der Vereinsgeschichte fest. Und das, obwohl vor der Saison Publikumsliebling Tim Black nach Antwerpen ging. Wo liegen die Gründe?

Nolte: Wir sind viel ausgeglichener geworden und haben viele verschiedene Topscorer gehabt. Jeder kann bei uns ein Spiel entscheiden. Zudem sind wir unter dem Korb viel stärker als in den vergangenen Jahren, Chris Ensminger gibt uns bei den Rebounds eine unglaubliche Konstanz und Nathan Peavy ist extrem korbgefährlich.

Sport1.de: Aber jetzt wartet mit ALBA die höchstmögliche Hürde. Was haben sich die Baskets vorgenommen?

Nolte: Mal schauen, im vorletzten Saisonspiel haben wir in Berlin ziemlich übel verloren. Da haben wir uns gesagt: So wollen wir nicht mehr auftreten. Wir fahren dorthin, um befreit aufzuspielen und Berlin zu ärgern. Das gilt auch für die Serie. Jeder erwartet ein 3:0 für ALBA. Wir sind absoluter Außenseiter.

Sport1.de: Bei der 65:82-Pleite, die Sie ansprechen, erzielten Sie nur ein Pünktchen. Was müssen Sie selbst anders machen?

Nolte: Wir alle, also auch ich persönlich, müssen viel aggressiver sein. Wir haben da viel zu emotionslos gespielt, um gegen ALBA eine Chance zu haben. Es geht in den Playoffs um Intensität und Energie, und da möchte ich meinen Teil zu beitragen - dann sind die Punkte egal.

Sport1.de: Sind die Berliner auf dem Weg zum Titel aufzuhalten? Und wenn ja, von wem?

Nolte: Ich hoffe von uns. Aber Berlin ist der klare Favorit. Vor einigen Monaten hätte ich eher auf die Oldenburger getippt, da ich sie spielerisch stärker fand. Aber sie sind ins Straucheln gekommen und müssen ihre alte Stärke noch wiederfinden.

Sport1.de: Sie gehören nach acht Jahren bei den Baskets fast zum Inventar. Bleiben Sie auch, wenn es nur in der ProA weitergeht?

Nolte: Ich werde mich jetzt voll auf die Playoffs konzentrieren und diese genießen. Ich habe den Verantwortlichen gesagt: Wenn ich das Gefühl habe, hier bewegt sich was, kann ich mir unabhängig von der Liga vorstellen zu bleiben. Aber so eine Saison, wo wirtschaftlich alles in der Schwebe ist, will ich nicht noch einmal haben. Ich habe alle Freiheiten, auch woanders hinzugehen.

Sport1.de: In dieser Situation flattern einem Starter sicherlich die Angebote anderer Bundesligisten von selbst ins Haus?

Nolte: Ich habe einige Optionen, aber dazu möchte ich noch nichts sagen.

Sport1.de: Bundestrainer Dirk Bauermann bemängelt, dass die Deutschen zu wenig Einsatzzeit bekommen. Was raten Sie, der durchschnittlich knapp 20 Minuten spielt, deutschen Talenten?

Nolte: Ich kann mir vorstellen, dass sich in der übernächsten Saison Grundlegendes verändern wird. Die ProA und ProB haben schon Maßnahmen ergriffen, damit ständig zwei oder drei Deutsche auf dem Spielfeld sind. Ich denke, diesen Weg wird die Bundesliga auch einschlagen. Also sollte ein junger Deutscher in der kommenden Saison viel Spielzeit in der ProA oder ProB sammeln und dann bereit sein für den nächsten Schritt.

Sport1.de: Als Stammspieler in der BBL stehen Sie dennoch nicht auf Bauermanns Zettel. Warum?

Nolte: Ich weiß, dass mein Talent nicht ausreicht, um nahe an die A1 heranzukommen. Meine Stärken kommen im Verein besser zum Tragen.

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