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Michael Koch (l.) wurde 1995 zum deutschen Basketballer des Jahres gewählt © imago

Der Umgang mit den Spielern ist das große Plus des Bonner Trainers Michael Koch - doch die Lockerheit schlägt manchmal zurück.

Berlin/Bonn - Als Spieler avancierte Michael Koch mit 17 Titelgewinnen zum erfolgsreichsten deutschen Basketballer, nun greift der 43-Jährige als Trainer nach der Meisterkrone:

Der Europameister von 1993 hat als Coach die Telekom Baskets Bonn zu einem Spitzenverein geformt und will die Rheinländer im Finale gegen die EWE Baskets Oldenburg zum ersten Vereinstitel führen. Am Sonntag (ab 16.30 Uhr Uhr LIVESCORES) steht das vorentscheidende Spiel 3 an. (Bonn ein Opfer des Hypes?)

"Wir sind bisher als Vize der Nation bekannt. Wir haben unser Ziel noch nicht erreicht", sagt Koch, der zu seiner aktiven Zeit in Griechenland den Spitznamen "Mercedes" verpasst bekam.

Umgang mit Spielern das Geheimnis

"Im Training bin ich den Anderen meistens weggelaufen. Da haben die Mitspieler mich halt so genannt", erklärt Koch. Nun rennt seine Mannschaft auf dem Parkett, gibt alles und hat dabei großen Erfolg.

Das Geheimnis des Ex-Nationalspielers, der schon nach dem Halbfinalsieg über den entthronten Titelverteidiger Alba Berlin von den Fans mit "Meistertrainer"-Sprechchören gefeiert wurde, liegt vor allem im Umgang mit seinen Spielern. (Bonn entführt Spiel eins)

Koch, der sich selbst als "Spielercoach" bezeichnet, kann sich gut in seine Profis hineinversetzen und hält seine Mannschaft außerhalb des Parketts an der langen Leine.

Lockerheit schlägt zurück

"Die Mannschaft ist in sich gefestigt und hat einfach Spaß. Das Team hat Freiheiten", sagt Koch. Allerdings schlage die Lockerheit auch manchmal zurück.

"Meine Mannschaft spielt besser, wenn sie hinten liegt", meint Koch und verweist auf einen 20-Punkte-Vorsprung, den sein Team in Berlin beinahe noch verspielt hätte: "Der Vorsprung war das Schlimmste, was uns passieren konnte." (DATENCENTER: Die BBL-Playoffs)

Für "1+4"-Regel

Doch Koch vertraut seinen Spielern und setzt dabei im Gegensatz zu vielen anderen BBL-Trainern auch regelmäßig deutsche Profis ein - selbst in den Finals stehen mit Johannes Strasser, Alex King und Artur Kolodziejski teilweise drei Deutsche auf dem Feld. (STATISTIK. Die Stenogramme der Finals)

"Als ehemaliger Nationalspieler und deutscher Trainer habe ich eine gewisse Verantwortung", sagt der 140-malige Nationalspieler, der an zwei Welt- und drei Europameisterschaften teilnahm.

Koch plädiert daher für die "1+4-Regel". Demnach müssten vier Deutsche auf dem Spielberichtsbogen stehen, davon immer mindestens einer auf dem Spielfeld. Bei dieser Forderung wundert es nicht, dass der ehrgeizige 43-Jährige das Bundestrainer-Amt als "ein langfristiges Ziel" angibt.

Präsident schwärmt

Mit seiner positiven und direkten Art kommt Koch nicht nur bei den deutschen Spielern gut an.

Auch Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich ("er hat die Erwartungen längst übertroffen") schwärmt von den Fähigkeiten seines Trainers und verlängerte bereits im vergangenen Jahr den Vertrag von Koch bis 2011.

Ursprünglich wollte Koch 2005 als Co-Trainer von Danijel Jusup nur in den Beruf hineinschnuppern, doch dann wurde er plötzlich Chefcoach "und der Erfolg hat sich schnell eingestellt", sagt Koch selbstbewusst.

Nach sechs deutschen Meistertiteln mit Bayreuth und Leverkusen als Spieler fehlt nur noch der Triumph als Trainer.

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