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Michael Koch holte als Aktiver sechs deutsche und vier griechische Meisterschaften © getty

Bonn kann in Spiel 4 gegen Oldenburg den ersten Titel klar machen. Coach Michael Koch spricht über den Hype, den nur er kennt.

Von Annette Bachert

Die Telekom Baskets Bonn sind nur noch einen Schritt vom ersten Titelgewinn der Vereinsgeschichte entfernt.

Im "Baskets-Duell" mit Oldenburg führt der "ewige Vize" mit 2:1 und hat am Dienstag (ab 18.30 Uhr Uhr LIVESCORES) den ersten Matchball vor heimischer Kulisse im Telekom Dome.

Doch Heimspiele erwiesen sich für das Team von Trainer Michael Koch zuletzt nicht gerade als Vorteil. Spiel 2 der Finals ging verloren, und im Halbfinale gegen Berlin machten die Rheinländer erst auswärts den Sack zu, nachdem sie es daheim versäumt hatten.

Koch erklärt die Situation: "Diese Nervosität und der Druck, zu Hause gewinnen zu müssen, machen viel aus."

Augenmerk aus drei Topscorer

In Spiel vier wird es nun darauf ankommen, wie die Bonner Defensive Oldenburgs Top-Scorer in den Griff bekommt.

"Ricky Paulding, Je'Kel Foster und Jason Gardner sind drei sehr starke Spieler", erläutert Koch: "Wir müssen versuchen, den ein oder anderen aus dem Spiel zu nehmen." Wie in Spiel 3, als MVP Gardner kein einziger Feldkorb gelang.

Im Interview mit Sport1.de spricht Michael Koch über seinen ehemaligen Schützling Jason Gardner, den Hype in Bonn und die neuerliche Kritik von Bundestrainer Dirk Bauermann an der BBL.

Sport1.de: Herr Koch, sie stehen kurz vor dem ersten Titelgewinn in der Vereinsgeschichte. Wie ist die Stimmung vor dem vielleicht letzten Finalspiel?

Michael Koch: Noch ist alles sehr entspannt. Wir haben am Sonntag in Oldenburg Spiel 3 gewonnen (Bonn schlägt wieder auswärts zu). Da ist eine Heimfahrt immer angenehmer als wenn man verliert. Wir müssen jetzt nur sehen, diese Erwartungshaltung und den Druck, der auch vom eigenen Publikum kommt, ein bisschen von der Mannschaft fernzuhalten. Im zweiten Spiel, in eigener Halle, haben wir bereits etwas zu verhalten gespielt und uns vielleicht zu sehr darauf verlassen, dass das Publikum uns zum Erfolg trägt.

Sport1.de: Befürchten Sie, dass Ihre Spieler die Partie jetzt zu leicht nehmen?

Koch: Das können wir uns nicht leisten. Wir müssen mit vollem Einsatz spielen. Die Spieler, die auf dem Feld stehen, entscheiden das Spiel und nicht das Publikum. Deswegen ist viel mentale Arbeit im Augenblick gefragt.

Sport1.de: Bis jetzt konnte kein Heimspiel in den Finals gewonnen werden. Woran lag das? (DATENCENTER: Die BBL-Playoffs)

Koch: Diese Nervosität und der Druck zu Hause gewinnen zu müssen, machen viel aus. Wir müssen daran arbeiten, dass sich die Spieler konzentrieren und nicht an die Trophäe denken.

Sport1.de: Wird auch in Spiel 4 ein Schlüssel zum Sieg sein, Gardner weitgehend auszuschalten?

Koch: Jason Gardner gut zu verteidigen wird ein Schlüssel zum Erfolg sein. Ricky Paulding, Je'Kel Foster und Jason Gardner sind drei sehr starke Spieler. Wir müssen versuchen, den ein oder anderen aus dem Spiel zu nehmen. Das ist uns im letzten Spiel mit Gardner hervorragend gelungen.

Sport1.de: Was erwarten Sie vom Liga-MVP in Spiel vier?

Koch: Er war auch ein sehr wertvoller Spieler in Bonn, ich habe ihn ja auch ein Jahr trainiert. Ich weiß, dass er sehr ehrgeizig ist und dass er im nächsten Spiel eine andere Vorstellung geben wird als zu Hause. Wenn er vielleicht wieder mehr Punkte macht, müssen wir versuchen, einen anderen Spieler unter seinem Schnitt zu halten. (STATISTIK. Die Stenogramme der Finals)

Sport1.de: Der Hype in Bonn ist riesig. Haben sie etwas Vergleichbares schon einmal erlebt?

Koch: Ja, denn ich habe als Profi sieben Jahre in Griechenland gespielt. Und wenn man da in der Finalserie steht, spielt man in Hallen vor 20.000 Menschen, die alle eine Farbe tragen. Das ist schon ähnlich wie hier.

Sport1.de: Ist es jetzt trotzdem etwas Besonderes?

Koch: In Bonn ist es etwas anders, denn wir standen schon fünfmal im Finale und haben jedes Mal verloren. Die Fans sind enorm hungrig auf den ersten Titel, deswegen kann man den Hype schon als Ausnahmezustand beschreiben.

Sport1.de: Können sie sich vorstellen, was in der Stadt los sein wird, wenn es schon heute mit dem Titel klappt?

Koch: Da mache ich mir im Augenblick keine Gedanken. Ich kenne die Bonner Fans, ich weiß, dass die feiern können. Und das werden sie auch tun und zwar ausgelassen. Aber es steht erst 2:1 und erst wenn der Schiedsrichter nach den nächsten 40 Minuten abpfeift und Bonn einen Punkt mehr als Oldenburg auf der Anzeigetafel hat, können wir ans Feiern denken.

Sport1.de: Abgesehen von der ganzen Euphorie um das Finale, hat Bundestrainer Dirk Bauermann mal wieder gegen die BBL geschossen. Es würden viel zu wenig deutsche Spieler in der Liga spielen.

Koch: Den Vorwurf kann ich bei meinem Team nicht gelten lassen. Wir spielen mit drei Deutschen in unserer Rotation. Und in Spiel 3 hat Johannes Strasser, ein deutscher Spieler, 15 Punkte gemacht und ein klasse Spiel gezeigt. Ich sehe die Regelung ähnlich. Ich bin auch dafür, dass Deutsche in der Liga spielen. Da muss etwas getan werden.

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