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Dirk Bauermann ist seit Dezember 2003 Bundestrainer © getty

Auf Dirk Bauermanns Forderung nach einem Fixplatz für deutsche Spieler reagiert die BBL mit Skepsis. Jan Pommer befürchtet Chaos.

Kattowitz - Bei der EM in Polen ließen die deutschen Talente ihre Klasse aufblitzen, in der Bundesliga droht den Youngstern die Ersatzbank.

Für ihren couragierten Auftritt erhielt die stark verjüngte deutsche Nationalmannschaft zwar viel Lob, doch die Forderung von Bundestrainer Dirk Bauermann, dass bei Spielen der BBL künftig immer ein Deutscher auf dem Feld stehen solle, hält die Liga für problematisch.

"Das Nationalteam hat sich bei der EM sehr gut geschlagen. Das gibt einen positiven Ausblick auf die Zukunft. Der sogenannten '4+1'-Regel stehe ich allerdings skeptisch gegenüber", sagte BBL-Geschäftsführer Jan Pommer mit Blick auf den 3. Oktober.

Liga, Klubs und Bauermann diskutieren

Ausgerechnet am Tag der Deutschen Einheit werden Vertreter der 18 Klubs in Oldenburg mit der Liga-Spitze und Bauermann über die "Deutschen-Quote" in der Profiliga diskutieren.

Zwar wird zur kommenden Saison die Pflicht-Anzahl der deutschen Spieler auf dem Spielberichtsbogen immerhin auf vier erhöht, der Beschluss garantierter Einsatzzeiten für einheimische Basketballer, wie beispielsweise in der Liga von Europameister Russland üblich, ist aber wohl nicht geplant.

Pommer warnt vor "Administrationshindernis"

"Wo diese Regelung praktiziert wird, tritt nicht unbedingt eine Verbesserung der Spieler ein. Außerdem halte ich das für einen massiven Eingriff ins Spiel", sagte Pommer, der in der strengen Regelung ein "Administrationshindernis" sieht.

"Der Trainer bräuchte einen Adjutanten, der ständig darauf achtet, ob ein Deutscher auf dem Feld steht. Über Situationen, wenn einige Spieler wegen Fouls oder Verletzungen nicht mehr zur Verfügung stehen, will ich gar nicht erst reden", sagte der BBL-Chef.

Ausbildungsfonds als besseres Modell

Pommer verwies gleichzeitig auf den Erfolg des vor einem Jahr eingeführten Ausbildungsfonds, der die Klubs für den Einsatz von Spielern unter 24 Jahren mit Geldprämien belohnt.

"Die unter 24-Jährigen hatten in der vergangenen Saison rund 30 Prozent mehr Spielzeit."

Vereine für 6+6

Unterstützung bekommt Pommer von den vielen Klubs. "Eine '4+1'-Regelung halte ich für sehr unglücklich. Da würde dem Coach einiges aufgebürdet. Zudem würde es den Wettbewerb verzerren", sagte Hermann Schüller, Geschäftsführer vom Deutschen Meister EWE Baskets Oldenburg.

Beim deutschen Pokalsieger Alba Berlin sieht man es ähnlich.

"Das tut dem Sport nicht gut", sagte Alba-Manager Marco Baldi. Schüller und Baldi plädieren stattdessen dafür, die Anzahl der deutschen Profis auf dem 12 Spieler umfassenden Spielberichtsbogen "Schritt für Schritt" zu erhöhen.

"Wir streben hier die Regelung '6+6' an", sagte Baldi.

Bei der EM Trio ohne Bundesliga-Erfahrung

"Das wäre auch schon eine deutliche Verbesserung. Aber ich bin überzeugt, dass es für die Entwicklung der Talente am besten wäre, wenn immer ein Deutscher in der BBL auf dem Feld stehen müsste", sagte Bundestrainer Bauermann.

Der 51-Jährige griff bei der EM in Robin Benzing, Lucca Staiger und Elias Harris notgedrungen gleich auf drei Spieler zurück, die noch keine Bundesliga-Erfahrung besitzen.

Harris spielte zuletzt sogar beim drittklassigen Klub BIS Speyer. Da er in der Bundesliga "nicht auf der Bank verrotten will", zog der 20-Jährige nun einen Wechsel in die US-College-Liga NCAA zum Team der Gonzaga University vor.

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