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Henning Harnisch, seit 2008 Sportdirektor bei ALBA, erzielte in 169 Länderspielen 2079 Punkte © imago

ALBA Berlin geht mit fast unverändertem Kader in die neue Saison. Bei Sport1.de erklärt Sportdirektor Henning Harnisch warum.

Von Michael Spandern

München - Während am Freitag und Samstag 16 Teams in die neue BBL-Saison starten, darf das Zugpferd noch pausieren. (DATENCENTER: Der BBL-Spielplan)

Aus gutem Grund: Im Rückspiel der zweiten Quali-Runde für die Euroleague hofft ALBA Berlin, die Neun-Punkte-Hypothek gegen Maroussi abzuarbeiten und in die europäische Königsklasse einzuziehen.

Doch die "Albatrosse" verlieren die Bundesliga nicht aus den Augen und messen auch der Hauptrunde gehörige Bedeutung bei, sagt Sportdirektor Henning Harnisch im Sport1.de-Interview.

Der Ex-Europameister erklärt zudem, warum die Berliner trotz des Halbfinal-Scheiterns ihr Team kaum verändert haben, warum der einzige Neue einen schweren Start hat und warum Patrick Femerling nicht mehr im Kader steht.

Sport1.de: Herr Harnisch, warum kommt ALBA trotz kaum veränderten Kaders diesmal weiter im Meisterrennen?

Henning Harnisch: Weil wir etwas gutzumachen haben. Das ganze Team weiß, dass die letzte Saison kein positives Ende genommen hat und will das mit allen Mitteln korrigieren. Die Playoffs sind wie eine eigene Saison, wo man optimal spielen muss, um Meister zu werden. Wir hatten im Frühjahr nicht die nötigen Reserven. Daraus ziehen wir sehr viel Motivation.

Sport1.de: Also richtet sich der Fokus diesmal ganz auf die Playoffs?

Harnisch: Jetzt schon über die Playoffs nachzudenken, wäre fatal. Dennoch: Wir haben selbstverständlich das Ziel, Deutscher Meister zu werden.

Sport1.de: Und in der Hauptrunde geht es nur ums Erreichen der Playoffs?

Harnisch: Es geht um weit mehr. Jedes Team würde unterstreichen, wie wichtig der Heimvorteil ist - auch wenn es für uns in Spiel 5 der Halbfinals gegen Bonn nicht gereicht hat.

Sport1.de: Ihre einziger Neuzugang, Kenan Bajramovic, hat am Dienstag in Maroussi nur acht Minuten gespielt. Hat er dennoch das Zeug zum Starter?

Harnisch: Ja, deswegen ist er hier. Es gibt aber Gründe, warum er bisher wenig spielt. Anders als in den Jahren vorher geht es nicht langsam los, sondern wir spielen gleich die Euroleague-Quali. Daher haben wir unser Team ja auch zusammengehalten. Kenan muss die Systeme kennen und sich einfinden. Das ist die schwierige Aufgabe für den Trainer, den Spieler und das Team. Er soll definitiv eine tragende Rolle auf der Power-Forward-Position spielen.

Sport1.de: Patrick Femerling steht hingegen nicht mehr im ALBA-Kader. Hat er seine Zelte in Berlin abgebrochen?

Harnisch: Patrick wohnt hier, hat aber noch keinen Verein gefunden.

Sport1.de: Hat man für den Rekord-Nationalspieler keine Verwendung?

Harnisch: Doch, das ist auch kein Geheimnis. Es gibt zwischen uns ein sehr gutes Verhältnis. Aber er war quasi die ganze letzte Saison verletzt. Patrick ist ein sehr, sehr guter Spieler, das hat er bei der EM bewiesen. Er hat aber, als wir nach Adam Chubb mit Blagota Sekulic einen zweiten Center verpflichtet haben, gleich deutlich gemacht, dass er sportlich eine Rolle spielen will. Falls es noch mal dazu kommt, geht es auch darum, ob man sich finanziell einigt. Augenblicklich sind wir aber nur in einem losen Kontakt.

Sport1.de: Bundestrainer Dirk Bauermann meinte, Philipp Zwiener würde in dieser Saison mehr Spielanteile bei ALBA bekommen würde - stimmt das?

Harnisch: Dirk Bauermann weiß, was er sagt. Er würde sich aber nie in die Geschäfte der Vereine einmischen. Es war zwar für uns schwierig nachzuvollziehen, warum Philipp nicht bei der EM dabei war, aber da werden wiederum wir uns nicht einmischen.

Sport1.de: Der Bundestrainer hat doch klar gesagt, Zwiener fehle die Spielpraxis bei ALBA. Ist das keine Einmischung?

Harnisch: Ich kenne Dirk Bauermann seit genau 20 Jahren: Er würde niemals den Mangel an Spielzeit als Grund dafür anführen, einen Spieler nicht ins Nationalteam zu berufen. Da hätte er in den letzten Jahren viele Nationalspieler außen vor lassen müssen.

Sport1.de: Die Liga hat ja die Deutschen-Quote ab 2010 angehoben. Sind Sie glücklich mit der neuen Regelung?

Harnisch: Ich begrüße sie auf jeden Fall, da sie ein Fortschritt ist. Ich freue mich aber noch mehr, dass die BBL einen Namenssponsor gefunden hat und wieder regelmäßig im Fernsehen zu sehen ist. Das gibt der Sportart einen positiven Push, da bin ich mir sicher.

Sport1.de: Andere Klubs waren auf dem Transfermarkt sehr umtriebig. Welcher Klub hat sich denn Ihrer Meinung nach am besten verstärkt? 158412(DIASHOW: Die wichtigsten Wechsel)

Harnisch: Das Wichtigste ist, dass die Klubs ihre Kontinuität gefunden haben. Die Liga ist sehr ausgeglichen, und wer seine Hausaufgaben gemacht hat, wird auch einen Schritt nach vorne machen.

Sport1.de: Und wer sind diesmal Ihre schärfsten Rivalen im Titelkampf?

Harnisch: Wer es in die Playoffs schafft, gehört dazu. Wer einen Lauf hat, ist halt schwer zu schlagen. Wie in den beiden Vorjahren die Vizemeister aus Bonn und Quakenbrück.

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