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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Heiko Schaffartzik wechselte vor der Saison von Gießen nach Braunschweig © getty

Im Sport1.de-Interview spricht der Nationalspieler über die EM in Polen und den bisherigen Saisonverlauf bei seinem neuen Team.

Von Rainer Nachtwey

München - Er war die Entdeckung der EM 2009 aus deutscher Sicht. Heiko Schaffartzik spielte sich mit seiner unbekümmerten Art ins Rampenlicht und hatte gewaltigen Anteil daran, dass Deutschland die Zwischenrunde erreichte.

Besonders die Spiele gegen Kroatien und Griechenland werden Basketball-Fans noch lange im Gedächtnis bleiben, denn hier überzeugte der Aufbauspieler mit einer hundertprozentigen Trefferquote.

Aber auch im Verein läuft es für Schaffartzik nach seinem Wechsel von Gießen nach Braunschweig blendend. Die Phantoms sind das einzig ungeschlagene Team der Liga und rechnen sich im Spitzenspiel bei Meister Oldenburg (So. ab 18 Uhr LIVESCORES) etwas aus.

Im Sport1.de-Interview spricht Schaffartzik über seine Erfahrungen bei der Europameisterschaft und den Unterschied zwischen Nationalmannschaft und Bundesliga. Zudem erklärt er, warum in Braunschweig die Spieler trotz des guten Saisonstarts auf dem Boden bleiben.

Für das aktuelle Tabellensystem hat er kein Verständnis.

Sport1.de: Herr Schaffartzik, die EM in Polen ist für Sie persönlich positiv verlaufen. Was haben Sie daraus für Erkenntnisse gewonnen?

Heiko Schaffartzik: Als erstes, dass es mir sehr viel Spaß bereitet, für die Nationalmannschaft aufzulaufen. Die Truppe, der Trainer, das passt alles, das war richtig cool.

Sport1.de: Wie sehen Sie das spielerische Niveau im Vergleich zur BBL?

Schaffartzik: Es hat mir sehr viel Spaß bereitet, dieses europäische System zu spielen. Das trifft man in der Bundesliga eher selten an. Da ist das System mehr auf 1-gegen-1 und Athletik ausgerichtet. Bei der EM ging es mehr um Teamspiel und die richtige Entscheidung zu treffen.

Sport1.de: Wie sehen Sie nach der EM Ihre Chancen in der Nationalmannschaft?

Schaffartzik: Ich gehe davon aus, dass ich weiter dabei bin. Der Bundestrainer hat mir gesagt, dass er sehr zufrieden mit mir war.

Sport1.de: Wie ist der Kontakt zu Bundestrainer Dirk Bauermann? Telefonieren Sie häufiger mit ihm?

Schaffartzik: Häufiger nicht. Zuletzt hat er mich angerufen, als er sich ein Spiel von mir ansehen wollte, er aber dann absagen musste. Er ist der Bundestrainer, er muss uns nicht permanent anrufen.

Sport1.de: Zwischen der EM in Polen und dem BBL-Start hatten Sie nicht viel Zeit zur Erholung. Haben Sie den Schwung von der EM in die BBL mitnehmen können?

Schaffartzik: Ich hatte zum Glück keine Nachwehen von der EM. Für mich war es ja eine neue Situation, zudem der Wechsel nach Braunschweig. Aber wir haben das ganz gut hinbekommen. Wir haben jetzt fünf Spiele hinter uns und alle gewonnen.

Sport1.de: Für die Phantoms läuft es derzeit recht gut: Als einzige Mannschaft noch ungeschlagen, zudem Siege über Tabellenführer Quakenbrück und Ludwigsburg. Was macht die Phantoms derzeit so stark?

Schaffartzik: Der Hauptgrund liegt wohl darin, dass wir noch dazu bereit sind, sowohl offensiv als auch defensiv für einander zu spielen. Das wird man erst sehen, wie sich das alles entwickelt. Zu Beginn der Saison ist es häufig so, dass alle an einem Strang ziehen. Deshalb sind wir in der Hinsicht auch noch sehr zurückhaltend und warten ab, wie es sich entwickelt.

Sport1.de: Zuletzt haben Sie gegen Trier gewonnen, liegen aber in der Tabelle mit 5 Siegen und keiner Niederlage hinter Trier, die 4 Siege und 3 Niederlagen aufweisen. Wie kommen Sie mit dem neuen Tabellensystem zu Recht? (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle 8. Spieltag).

Schaffartzik: Wir liegen ja auch hinter Ulm, obwohl Ulm sogar zwei Siege und sechs Niederlagen hat. Dieses Tabellensystem ist eine Katastrophe. Ich verstehe zwar, dass das eine FIBA-Regelung ist, aber anscheinend muss man sich nicht daran halten. Denn in Spanien geht es weiterhin nach Siegen und Niederlagen. Es ist total irreführend. Zumal wenn Leute, die sich damit nicht beschäftigen, sich die Tabelle ansehen wollen und dann feststellen, die sind ja nur Neunter. Richtig gut sind die nicht. Und dann braucht man erst Zeit, um zu erkennen: Okay, Braunschweig hat bisher alle seine Spiele gewonnen. Alle Leute, die etwas mit Basketball zu tun haben, halten diese Tabelle für eine Katastrophe. Und es ist total unverständlich, wieso es die Tabelle in dieser Form gibt.

Sport1.de: Das heißt, Sie plädieren dafür, zur alten Tabelle zurückzukehren?

Schaffartzik: Auf jeden Fall. Tut mir leid, aber ich finde nur ein Wort dafür: Schwachsinn!

Sport1.de: Sonntag steht das Auswärtsspiel beim Meister Oldenburg an. Wie sehen Sie die Chancen, dass Braunschweig weiterhin ungeschlagen bleibt?

Schaffartzik: In Oldenburg, das wird schwer. Aber wir werden uns gut darauf vorbereiten.

Sport1.de: Oldenburg spielte unter der Woche noch Euroleague in Moskau. Ist das ein Vorteil für die Phantoms?

Schaffartzik: Nein, damit beschäftigen wir uns nicht. Wenn man anfängt, sich damit zu beschäftigen, dass der Gegner vielleicht müde sein könnte, dann ist das die beste Voraussetzung für eine Niederlage. Wir konzentrieren uns auf unser Spiel, was wir gegen Oldenburg machen müssen, und nicht darauf, ob die jetzt in Moskau, Vancouver oder in Was-weiß-ich-wo spielen.

Sport1.de: Worauf müssen Sie gegen Oldenburg besonders achten?

Schaffartzik: Oldenburg hat größtenteils den Kader aus dem vergangenen Jahr zusammengehalten. Da sind Sie Meister geworden. Daher erwarte ich eine eingespielte Mannschaft. Sie spielen einen sehr europäischen Stil. Es gibt keinen besonderen Spieler, auf den wir achten werden oder müssen, denn Oldenburg hat sehr viele Waffen. Es wird darauf ankommen, wer besser als Team auftritt.

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