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Heiko Schaffartzik (l.) und Steffen Hamann (r.) spielten bei der EM in Polen für Deutschland © imago

Die BBL zieht erstmals einen Spielplan während der Weihnachtstage durch. Zwei Nationalspieler empfinden dies als respektlos.

Von Rainer Nachtwey

München - Es ist ein Novum für die Basketball-Bundesliga : Erstmals in ihrer Geschichte trägt die BBL am zweiten Weihnachtsfeiertag einen Spieltag aus (DATENCENTER: Ergebnisse Tabelle).

Und dies sorgt für Spannungen zwischen Liga, Vereinsvertretern und Spielern.

Während die BBL-Geschäftsführung und Klub-Manager von steigenden Zuschauerzahlen träumen, gehen die Spieler mit den Spielansetzungen hart ins Gericht. "Konsequenterweise müssten wir streiken", nimmt Nationalspieler Heiko Schaffartzik von den NY Phantoms Braunschweig kein Blatt vor den Mund.

Proteste der Spielerinitiative Spin und Aktionen gegen den Spielplan verpufften. Eine Weihnachtspause wird nicht eingelegt.

Er fühle sich nicht respektiert, wirft Schaffartzik der Liga vor.

Mehr Zuschauer an Weihnachten

Die setzt hingegen auf die Zuschauerfreundlichkeit. "Wir müssen die Spiele dann ansetzen, wenn der Konsument sie sehen will", sagt BBL-Geschäftsführer Jan Pommer.

Und Gunnar Wöbe, Manager der Skyliners Frankfurt, pflichtet Pommer bei: "Es kommen in dieser Zeit eindeutig mehr Zuschauer." Und dies hätte auch für die Profis etwas Gutes. Schließlich gingen die Mehreinnahmen "eins zu eins" an die Spieler.

Zudem steht die BBL unter Termindruck. Bereits ohne die Weihnachtspause kollidieren die Termine der Finalspiele bereits mit der Fußball-WM in Südafrika.

"Das Menschliche wird vergessen"

Schaffartziks Nationalmannschaftskollege Steffen Hamann hat sich mit der Ansetzung an Weihnachten, wie es auch in der DEL und HBL Usus ist, abgefunden. ?Es ist unser Job zu spielen?, sagt Hamann, dennoch ist der Berliner Point Guard mit der Situation nicht zufrieden: "Das Menschliche wird vergessen."

Insbesondere für die ausländischen Profis ist die Spielansetzung eine schwierige Situation. Denn Wöbkes Wunsch - "Am Heiligabend sollte jeder bei seiner Familie sein" - ist für viele Akteure, deren Familien im Ausland sind, nicht zu realisieren.

Dies betrifft vor allem die Spieler von ALBA Berlin, MEG Göttingen, ratiopharm Ulm, EWE Baskets Oldenburg, Phoenix Hagen und den NY Phantoms Braunschweig, die alle am zweiten Weihnachtsfeiertag im Einsatz sind.

Einigkeit unter den Klubs

Für ALBA-Boss Marco Baldi ist es eine reine Business-Entscheidung, am 26. Dezember anzutreten: "Der Beschluss der Klubs war einmütig. Wir liefern das, was gut gefunden wird."

Das soll seine Mannschaft, die mit einem Sieg erstmals in dieser Saison die Tabellenführung übernehmen könnte, auch am Samstag (ab 18.45 LIVESCORES und LIVE im DSF) gegen MEG Göttingen (Stenogramme: 16. Spieltag).

Die Gäste aus Niedersachsen stehen derzeit nur auf dem 13. Tabellenplatz, der Stand spiegelt aber nicht die wahren Kraftverhältnisse wider. Denn die Göttinger sind wie ALBA ein Opfer der neuen Punkteregelung.

Nach 13 Spielen weisen sie mit acht Siegen bei fünf Niederlagen 21 Punkte auf, und rangieren damit hinter Tübingen, die mit lediglich sechs Siegen aus 16 Spielen auf 22 Zähler kommen (Schaffartzik im Sport1.de-Interview: Das Tabellensystem ist eine Katastrophe)

ALBA liegt mit einer Bilanz von 11:2 und 24 Punkten hinter den Telekom Baskets Bonn (10:5, 25 Zähler) und den Artland Dragons (9:7, 25) auf Rang drei.

Run and Gun spielt Göttingen in die Karten

Zuletzt setzte es für die Mannschaft von Trainer John Patrick allerdings zwei Niederlagen in Folge, nachdem sie davor acht Siege in neun Spielen der BBL und EuroChallenge feiern konnte.

Daher sind die Berliner gewarnt. "Die rennen und springen ziemlich wild, spielen sehr schnell und schließen ihre Angriffe auch sehr schnell ab", meint Julius Jenkins und hat eine Taktik darin ausgemacht: "Die Göttinger verleiten den Gegner mit ihrer Verteidigung dazu, die eigene Linie zu verlassen und dieses schnelle Spiel mitzugehen. Wenn Du das machst, spielst Du denen in die Karten."

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