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Erstes Opfer des Not-Sparplans: Giessens Guard Mensah Taylor © imago

Bei den 46ers drohen die Lichter auszugehen. Geschäftsführer Syring verkündet harte Einschnitte und appelliert an die Fans.

Von Martin Hoffmann

München - Es ist ein Schreckgespenst, das nicht aufhören will, die LTi Giessen 46ers heimzusuchen.

Seit Jahren kämpft der Klub mit finanziellen Schwierigkeiten, stand mehrmals vor dem Aus - und fürchtet jetzt wieder um seine Existenz.

Christoph Syring, erst seit drei Wochen Geschäftsführer der Hessen, hat sich nun mit einem dramatischen Appell an die Öffentlichkeit gewandt.

"Wer im November dieses Jahres noch Erstliga-Basketball in Gießen erleben möchte, muss uns jetzt helfen", erklärte der 43-Jährige an Fans, Sponsoren und Gläubiger gerichtet.

Liga fordert neue Unterlagen

Auch die Liga reagiert nun auf die finanzielle Schieflage und forderte den Klub am Mittwoch auf, "bis spätestens 10. Oktober neue wirtschaftliche Unterlagen, dies betrifft unter anderem eine Überschuldungsbilanz, einzureichen".

Davon hänge ab, ob die 46ers weiter am Spielbetrieb teilnehmen dürften.

Zudem erwartet die BBL eine Klärung, "inwieweit zwischen der ursprünglichen Finanzplanung, die die Grundlage für die Lizenzerteilung war, und des aktuellen Status quo eine Diskrepanz besteht".

Fünf-Punkte-Plan gegen die Krise

Der Bestand des Vereins ist laut Syring weiter gefährdet, auch wenn es zuletzt Fortschritte gegeben hätte.

Verbindlichkeiten seien "signifikant abgebaut" worden "und es wurden uns seitens der Sponsoren auch weitere Mittel zur Verfügung gestellt".

Trotzdem musste Syring weitere Einschnitte bekannt geben: Ein Fünf-Punkte-Plan soll die Nöte der 46ers lindern, die bislang die September-Gehälter an Spieler und Trainer nur zur Hälfte auszahlen konnten.

Zwölfter Mann und Jugendarbeit geopfert

So muss der US-Amerikaner Mensah Taylor, der erst Mitte September als zwölfter Mann auf dem Feld verpflichtet wurde, den Verein direkt wieder verlassen.

Dazu stellt Giessen die Zahlungen an den Zweitliga-Kooperationspartner LTi Lich ein und will auch seine Jugendförderung weitgehend aufgeben. Einzig Giessens Mannschaft in der Nachwuchsliga NBBL wird weiter finanziert.

Syring verkündete außerdem eine Umstrukturierung der Geschäftsstelle - Entlassungen nicht ausgeschlossen - und Einsparungen bei der Versorgung der VIP-Gäste.

Wie tief genau das Loch ist, das Giessen zuschütten muss, sagte Syring nicht. Die "Frankfurter Rundschau" schätzt die Deckungslücke auf 500.000 Euro, was von den 46ers nicht kommentiert wurde.

Erste Einblicke, die Giessen der BBL im September in die Zahlen gewährte, bezeichnete Liga-Sprecher Dirk Kaiser als "nicht ausführlich genug".

Dauerkarten sind Ladenhüter

Eines der größten Probleme der 46ers: Der Klub braucht dringend mehr Einnahmen aus dem Dauerkartenverkauf, der zuletzt heftig eingebrochen ist.

Nur 1000 Saisontickets hatte Giessen zu Saisonbeginn abgesetzt, nur halb so viele wie noch zwei Jahre vorher. "Die Situation hat sich nur unmerklich verbessert", musste Syring erklären.

Dabei könnte Giessen nicht nur aus finanziellen Gründen mehr Zuschauer gebrauchen: In der vergangenen Saison wurde man mit neun Siegen in 34 Spielen nur Sechzehnter, aktuell sind die 46ers nach zwei Auftaktniederlagen Letzter.

Das dürfte es kaum leichter machen, mehr Fans in die Halle zu locken.

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